"Angst ist ein ständiger Begleiter"

29. Jänner 2008, 11:34
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Burgtheaterschauspieler Peter Simonischek zu Besuch in einer Wiener Schulklasse

Wien - "Ich war ein miserabler Schüler." Peter Simonischek lacht. Der Burgtheaterschauspieler liest aus seiner Autobiografie, ihm gegenüber sitzen Schüler der Sir-Karl-Popper-Schule in Wien.

Am Beginn des Treffens werden Stummfilme aus der gemeinsamen Schulzeit Simonischeks und des Englischlehrers Klaus Peters vorgeführt, danach Ausschnitte aus Film- und Theaterszenen, zuletzt ein Dialog zwischen Jedermann und dem Tod. Simonischek erzählt viele Anekdoten und Witze und stellt sich bereitwillig fast allen Fragen der Schüler.

"Wenn mich die Leute fragen: 'Soll ich Schauspieler werden oder nicht?', dann antworte ich natürlich nicht, denn wenn man es wirklich will, fragt man nicht: Man soll das nur werden, wenn man muss."

Als Sechzehnjähriger saß Peter Simonischek im Theater und sah "Hamlet". Damals wusste er mit großer Bestimmtheit, dass er Schauspieler werden müsse.

Eigentlich wollte Simonischeks Vater ja, dass sein Sohn Zahnarzt wird, doch dieser studierte Schauspiel. Nach schon zwei Jahren (normalerweise dauert das Studium vier) legte er die Prüfung vor einer Kommission ab, um sein erstes Engagement in St. Gallen in der Schweiz anzutreten.

Seit der ersten Premiere war Peter Simonischek nie ohne Engagement und sowohl im Theater als auch beim Film tätig.

Simonischek empfiehlt, sich an mehreren Theaterschulen zu bewerben, denn die Chance aus mehreren hundert Bewerbern genommen zu werden, steigt so. Als Lehrbeauftragter am Max-Reinhardt-Seminar befürwortet er aber dieses.

Am Max-Reinhardt-Seminar in Wien ist das erste Studienjahr die Grundausbildung, in den folgenden Jahren widmet sich der werdende Schauspieler, Tänzer oder Musicaldarsteller dem Rollenstudium; auf diesem Weg begleiten ihn Lehrer, die selbst professionelle Schauspieler sind oder waren.

Flüchtiger Moment

Über das Phänomen des Lampenfiebers meint Simonischek: "Angst ist ja ein ständiger Begleiter im Beruf der Schauspielerei. Es ist wichtig zu lernen, so viel wie möglich von dem Lampenfieber gut einzusetzen. Denn wesentlich ist, was von dem Einstudierten gelingt: Der Moment im Theater ist sehr flüchtig."

Bald fällt die Frage, was einen guten Schauspieler ausmache. Simonischek antwortet, ein Schauspieler und das weibliche Pendant ließen sich daran erkennen, dass diese Menschen leicht und oft zum Lachen oder zum Nachdenken bringen. Und "der Beruf besteht zu einem Großteil aus Bereitschaft", erklärt Simonischek. Denn der Regisseur sei auf die möglichst bedingungslose Bereitschaft der Schauspieler angewiesen.

Und "wenn das inspirative Klima fehlt, sind alle sozusagen kastriert". Das Talent eines Schauspielers liege auch darin, dass "alles natürlich wirkt, was er macht", so Simonischek.

"Es scheint so, als hätte bei ihnen alles immer geklappt", meint eine Schülerin gegen Ende nachdenklich; der Burgschauspieler kontert: "Das ist, weil ich überzeugt war, wenn ich das Bedürfnis und den Traum hege und pflege, wird er wahr werden, und er wurde wahr."

Es ist kurz still, dann fügt er bescheiden hinzu: "Aber es liegt vielleicht auch daran, dass ich meine Träume immer in den Bereich des Möglichen legte. Das ist vielleicht feig, aber ich gebe es zu." (Lalé Eleonora Cabuk/DER STANDARD Printausgabe, 29. Jänner 2008)

  • Burgtheaterschauspieler Peter Simonischek.
    foto: standard/hendrich

    Burgtheaterschauspieler Peter Simonischek.

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