Ein Bub und seine 19 Freundinnen

28. Jänner 2008, 21:37
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Wie binnen einer Woche Freundschaft entsteht, fernab eines Mann-Frau-Klischees

Was in der modernen, aufgeklärten Erziehung nicht fehlen darf: die Gender-Frage. Zugegeben, bei der eigenen Tochter funktioniert das nur mit Abstrichen. Oder plakativ gesprochen: Puppe hui, Fußball pfui. Noch, hoffentlich. Um dem selbstgewählten Erziehungsziel näherzukommen, gibt es viele Wege. Eine kleine Hilfe kann das hier besprochene Buch sein. Der Titel verdeutlicht die Problemstellung klar: 19 Mädchen und ich. "Ich" ist Henning, er geht in die erste Klasse. Entscheidende Bezugsperson ist der - anonym bleibende - große Bruder. Der sagt: "Diese Mädchen werden ein Weichei aus dir machen." Mehr braucht es nicht.

"Ich werde harte Burschen aus ihnen machen", kontert Henning und bemüht sich dabei redlich. Autorin Darcy Pattison und Illustrator Steven Salerno zeigen, wie binnen einer Woche Freundschaft entsteht, fernab eines Mann-Frau-Klischees. Das, obwohl Henning jeden Tag, wenn er nach der Schule zu Hause erzählt, was er am Pausenhof mit den Mädchen gespielt hat, von seinem Bruder die Weichei-Drohbotschaft mit auf den Weg bekommt. Als Ende der Woche die dritte Klasse, in der auch der große Bruder sitzt, am Pausenhof auf die Kleinen trifft, kommt naturgemäß bei Henning Panik hoch. Keine Sorge: Das Buch (empfohlen ab fünf Jahre) bietet keine übertriebene, platte Holzhammer-Pädagogik. Es ist witzig, und die Geschichte teilweise so stark erzählt, dass die Zeichnungen fast ins Hintertreffen geraten. Zu Unrecht.

Auch wenn der Hauptdarsteller ein Bub ist, finden sicherlich auch Mädchen die Handlung lustig. Dass sie nach der Lektüre aber den Fußball herauskramen und zu dribbeln beginnen, kann hier nicht bestätigt werden. Aber das ist wohl - wenn überhaupt - so und so eher ein Vater-Ding. (Peter Mayr/DER STANDARD-Printausgabe, 29.1.2008)

Darcy Pattison/Steven Salerno
"19 Mädchen und ich"
32 Seiten, 13,30 Euro
Boje Verlag, Köln 2007
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