Kaffeeduft statt Zigarettenqualm

28. Jänner 2008, 20:29
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Einige Gaststättenbesitzer haben sich entschieden: Bei ihnen wird nicht geraucht - Das Ausbleiben von Gästen müssen die Wirte nicht fürchten

Ein Lokalaugenschein in Wien von Martina Stemmer.

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Ein paar Gartensessel, ein runder Tisch, ein zum Wetterschutz umfunktionierter, übergroßer Sonnenschirm, an dem ein elektrischer Heizstrahler befestigt ist: Thomas Schreiner achtet sehr darauf, dass sich seine rauchenden Gäste wohl fühlen. Schließlich hing er selbst dreißig Jahre lang am Glimmstängel. Seit kurzem bittet der Neo-Nichtraucher Gäste, die sich eine Zigarette anstecken wollen, allerdings nach draußen. Im Innenhof des Wohnhauses in Wien-Neubau, in dem Schreiner's Gastwirtschaft untergebracht ist, hat er ein kleines Raucherplatzerl eingerichtet. Ein Angebot, das die Menschen, die bei ihm essen – großteils sind es Stammgäste – gern annehmen. "Es ist nicht so, dass Raucher generell in kein Nichtraucherlokal gehen", sagt Schreiner. Für den Wiener Wirt war es keine große Sache, sein kleines Speiselokal in der Westbahnstraße auf Nichtraucher umzustellen. "Mir ist das politische Theater auf die Nerven gegangen. Da habe ich die Sache in die Hand genommen".

Um keine Wähler zu verärgern, pocht die ÖVP bezüglich Rauchverbot in Gastrobetrieben auf "Wahlfreiheit". Für Lokale mit mehr als 75 Quadrametern ist ein Nichtraucherbereich Pflicht, Betreiber kleinerer Beisln sollen selbst entscheiden, ob sie ein Raucher- oder Nichtraucherlokal führen wollen. "Das ist eine wirklich lausige Lösung", sagt Wirt Schreiner. "Warum schaffen es Italien oder Deutschland, ein generelles Verbot durchzusetzen und wir nicht?". Natürlich hätte er auch Gäste verloren, "andererseits aber auch welche dazu gewonnen." Außerdem werde jetzt wesentlich mehr Alkohol konsumiert als früher. "Die Leute trinken offenbar mehr, wenn sie nicht rauchen."

An die Luft gesetzt

Auch im phil auf der Gumpendorfer Straße werden Raucher an die Luft gesetzt. Seit vergangenen Mai herrscht im kleinen Szenelokal, das gleichzeitig Möbel-, Bücher- und Plattenladen ist, Rauchverbot. Das an der Außenfassade befestigte, klappbare "Raucherbankerl" wird allerdings kaum genutzt.

"Es wäre gelogen zu sagen, wir haben dadurch keine Gäste verloren", sagt Thomas Radinger, einer der drei phil-Betreiber. Die Raumatmosphäre hätte allerdings derart unter der Qualmerei gelitten, dass ein Rauchverbot einfach nötig geworden sei. "Und es gibt auch keinen Weg zurück." Statt nach Zigarettenrauch riecht es im phil jetzt nach Kaffee – beziehungsweise nach heißer Schokolade. "Unser Publikum ist jetzt auch nicht mehr ganz so studentisch wie früher", sagt Radinger.

Aber nicht nur Betreiber kleiner Lokale mit hohem Stammgastanteil trauen sich, ein generelles Rauchverbot auszusprechen: Auch das Café Griensteidl am Michaelerplatz ist seit Anfang Dezember rauchfrei. "Dass zu einem echten Wiener Kaffeehaus Nebelschwaden gehören, reden sich die Leute doch nur ein", sagt Chefin Gabriele Haslauer. Touristen fänden Rauchverbote in Lokalen inzwischen ganz normal, und auch die Wiener würden sich langsam daran gewöhnen. "Unsere Raucherbereiche wurden immer unbeliebter, deshalb haben wir jetzt gesagt: weg damit." (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 29.1.2008)

Kommentar:

Schwarzer Dunst - Warum tun sich die Schwarzen so schwer damit, das Nichtrauchen als Normalzustand zu betrachten? - Von Martina Stemmer
  • "Griensteidl"-Chefin Haslauer: "Unsere Raucherbereiche wurden immer unbeliebter, da haben wir sie gleich ganz abgeschafft."
    foto: robert newald

    "Griensteidl"-Chefin Haslauer: "Unsere Raucherbereiche wurden immer unbeliebter, da haben wir sie gleich ganz abgeschafft."

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