Versicherungen müssen Börse öffnen

1. Februar 2008, 11:16
posten

Wintersturm richtete Schäden in zweistelliger Millionenhöhe an

Wie hoch die Schäden sind, die die orkanartigen Stürme vom Wochenende angerichtet haben, könne im Verband der Versicherungsunternehmen noch nicht beziffert werden. "Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag wird es sicher werden", sagt Daniela Ebeert zum Standard, "wir sammeln erst die ungefähren Schadensmeldungen, die bei den Versicherungen derzeit eingehen."

Wolfgang Reisinger, Spezial-Schadensleiter bei der Wiener Städtischen, spricht bereits von 1500 Schadensmeldungen, die gestern, Montag, allein bei seinem Institut eingegangen sind. "Es sind viele kleine Schäden, aber auch abgedeckte Häuser", sagt er. Bei Letzteren kann der Schaden locker 150.000 Euro betragen.

Aufgrund der zunehmenden Wetterkatastrophen, die vielfach mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht werden, haben die Versicherungen mittlerweile die Bleistifte scharf gespitzt, wenn es um die Versicherungsrisiken geht. Bei der Münchener Rück, dem weltgrößten Rückversicherer (diese versichern die Versicherungsinstitute selbst), wurde erst kürzlich eine umfangreiche Untersuchung über Wetterrisiken und die daraus entstehende Schadenanfälligkeit herausgegeben. Im Winter auftretende Stürme und Überschwemmungen, zeigt sich da, sind die Naturkatastrophen, die die höchsten Gesamtschäden im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren verursachten.

Schadensdeckung

In der Regel liegt dabei der versicherte Schaden weit unter dem tatsächlichen Schaden (siehe nebenstehende Tabelle). Obwohl die Versicherungsdichte mittlerweile hoch ist, insbesondere was die Schadensdeckung bei Stürmen betrifft. "Bei Wohnungen sind Sturmschäden automatisch dabei", erklärt Reisinger. Nicht so bei Eigenheimen, bei denen sich der Versicherungsnehmer quasi aussuchen kann, gegen welche Wetterrisiken er sich versichern kann. Auch bei Gewerbeimmobilien besteht in der Regel diese Option.

Aufgrund der Untersuchung der Münchener Rück ist die Achillesferse von Eigenheimen bekannt. Zwar sind Schäden aufgrund der Massivbauweise hierzulande nicht so häufig. Aber sie sind zuletzt häufiger geworden. Schuld daran sind bauliche Veränderungen wie fragilere Anbauten, etwa Glasveranden oder Wintergärten. Oder es sind neue Baumaterialien, wie Glas- und Kunststofffassaden, die bei Stürmen gerne einknicken. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD-Printausgabe, 29.1.2008)

  • Artikelbild
Share if you care.