Sorgenträume einzelner Partnerhälften

28. Jänner 2008, 17:04
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"Lantana", Vexierspiel im Burgtheater-Kasino: Vereinzelte Aha-Momente und das Auftauchen neuer Querverbindungen

Wien – Ein beinahe und ein tatsächlich vollzogener Seitensprung, unwissentlicher Partnertausch zudem, zünden den reichlich boulevardesken Beginn des verzweigten, später zunehmend ins Kriminalfach tendierenden Vexierspiels Lantana von Andrew Bovell.

Jane und Leon tun es, Sonja und Pete kneifen. Eigentlich, versichern die Ehepaare dem jeweils falschen Gegenüber, seien ihre Beziehungen durchaus liebender Natur – der Betrug, weshalb? Sie wissen es auch nicht. Dessen stereotype Gleichzeitigkeit macht die Situationen, in der Inszenierung von Carolin Pienkos mit abblätternden Dialogüberschneidungen parallel zueinander eingerichtet, statt zu amüsieren, eher doppelt absurd. Denn Lantana, nach der namengebenden wildwuchernden, hochgiftigen Gestrüpppflanze, ist zunächst ein Bluff. Von den wirren Zweigen, die Gitti Scherer auf ihre Halbkreis-Kulisse der Bühne am Schwarzenbergplatz wirft, sind die Dornen nämlich schon längst abgefallen.

Nach einer kurzen Trennung, in der Jane und Sonja (die Unterhaltung verläuft in thematischen Mustern: Stefanie Dvorak als unscheinbare Schüchterne, Sabine Haupt als willensstarke Erfolgreiche) einander genauso zufällig beim Cocktail-Trinken treffen, wie ihre Männer (Cornelius Obonya drückt als Leon wenig aus, Andreas Patton zeigt noch am ehesten Gestaltungswillen – das Schauspieler-Quartett spielt alle noch hinzukommenden Rollen) auf einmal an einer Bar nebeneinander zu lehnen kommen, leiten scheinbar mysteriöse Geschichten der Paare den Krimi-Teil des Stückes ein. Jane hat nämlich den Nachbarn nachts einen Frauenschuh entsorgen sehen, der, wie man den nur scheinbar verwirrenden Erzählsträngen entnehmen kann, der Therapeutin jener Frau gehörte, deretwegen die Zufallsbekanntschaft von Leon ins Wasser ging und deren Verschwinden wiederum Leon untersucht.

Auch wenn einen die vereinzelten Aha-Momente, die man mit jedem Auftauchen einer neuen Querverbindung erhält, einigermaßen solide über den gut eineinhalbstündigen Abend tragen: Pienkos hat einem losen, allerweltstauglichen Strickmuster von Sorgenträumen tendenziell gutmeinend teilnahmsloser Beziehungshälften nicht viel hinzuzufügen. (Isabella Hager, DER STANDARD/Printausgabe, 29.01.2008)

  • Absurde Situation eines fast doppelten Betrugs: Stefanie Dvorak und Cornelius Obonya, dahinter Sabine Haupt.
    foto: werner

    Absurde Situation eines fast doppelten Betrugs: Stefanie Dvorak und Cornelius Obonya, dahinter Sabine Haupt.

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