Der Rektor im Auge des Orkans

1. April 2008, 14:32
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Für Heinrich Kern ist die Donau-Uni-Krise "ein universitätsinterner Disput"

Krems/Wien – Heinrich Kern ist gewählter Rektor der Donau-Universität Krems. Aber auf Abruf. Seit Monaten tobt um ihn herum ein unipolitischer Orkan, denn die Wahl des deutschen Werkstofftechnikers wurde von Wissenschaftsminister Johannes Hahn gestoppt – wegen vermuteter Diskriminierung einer Frau.

Als Ausweg aus der Krise verordnete der Unirat Europas erster Weiterbildungsuni eine Neuausschreibung des Rektorats bis Ende des ersten Quartals 2008, für das sich die übergangene Vizerektorin Ada Pellert noch einmal bewerben soll. Kern soll Platz machen und als Leiter der am 17. Dezember 2007 neugegründeten GmbH für eine zukünftige Privat-Uni mit Schwerpunkt Medizin „zur Verfügung stehen“.

Minister-Frist läuft ab

Morgen, Dienstag, tritt der Unirat zusammen – zwei Tage vor Ablauf einer Frist von Minister Hahn, der in einem mit „17. Dezember 2007, 12 Uhr“ datierten Schreiben bis „Ende Jänner“ als ein „Ergebnis“ von mehreren die Neuausschreibung des Rektorats „vorliegen“ haben will. Für die sieht Noch-Amtsinhaber Kern „vorläufig keine Veranlassung“, sagte er im Standard-Gespräch. „Es gibt eine Abstimmung zwischen allen Beteiligten, dass so lange, bis klar ist, wie es mit den zu schaffenden neuen Formationen – GmbH und Rest-Uni – weitergeht, keine Notwendigkeit für eine Veränderung in der Leitung besteht. Für diese Entflechtungsphase ist das erste Quartal 2008 vorgesehen. Wir arbeiten den Plan zeitgerecht und sachorientiert ab.“

Die Ausschreibung muss zwar der Senat durchführen, Kern erinnerte aber bereits in einem Interview am 17. Dezember daran, dass er einen Vierjahresvertrag habe. Von dem Wirbel, den seine Wahl ausgelöst hat, zeigt er sich unbeeindruckt: „Im Auge eines Orkans lebt es sich gut, da ist es nämlich immer ganz ruhig. Insofern ist das eine Lokalität, wo man völlig entspannt sitzen kann. Ich selber bin nie in Turbulenzen gekommen, denn ich stand nie in der Diskussion und habe mich ganz bewusst extrem zurückgehalten, weil ich mir gesagt habe, das ist ein universitätsinterner Disput, der unglücklicherweise in der Öffentlichkeit ausgetragen wird.“

Dass Vizerektorin Pellert Unrecht getan wurde, glaubt Kern nicht: „Aus meiner Sicht gab es keine Diskriminierung.“ Auf der Liste des Senats für den Unirat sei ja eine Frau gewesen, „also kann man nicht sagen, der Senat wollte keine Frau“. Allerdings hinterließ Pellerts Fehlen dann doch bis zum Minister hinauf für viele eine hinterfragenswerte Optik. In der Folge wurden diverse Querverbindungen zwischen Vertretern von Unirat, Senat und Vizrektorat bekannt, die von Beobachtern als machtvolle Männerseilschaften kritisiert wurden. Den Vorwurf, er sei Profiteur von Männerbündlerei geworden, weist Kern zurück: „Da kann man genauso gut sagen, da gab’s irgendwelche Frauenbündnisse. Solche Formulierungen finde ich schade, weil sie eine objektive Nachricht in eine subjekte Meinung verwandeln. Ob da jetzt irgendwer mit irgendwem Tennis spielt, oder ob irgendwer irgendwen regelmäßig beim Einkaufen trifft und sich da mit ihm unterhält, sollte nicht das Niveau sein, auf dem man so was bewertet.“ (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2008)

  • "Vierjahresvertrag": Donau-Uni-Rektor Heinrich Kern.
    foto: standard/tu illmenau

    "Vierjahresvertrag": Donau-Uni-Rektor Heinrich Kern.

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