Politologe: Grenzsturm ein Propaganda-Sieg für Hamas

1. Februar 2008, 10:31
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Abu Sada: Situation in Gaza nicht so schlimm wie dargestellt - "Abbas erlebt schlimmsten Alptraum"

Hmaburg/Gaza/Wien - Die Stürmung der Grenze zu Ägypten durch tausende Palästinenser stellt nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Mkhaimar Abu Sada einen Propagandasieg der radikalislamischen Hamas dar. "Für die Hamas ist die Grenzöffnung ein großer Sieg. Damit hat sie gezeigt, dass sie die israelische Blockade brechen kann", erklärte Abu Sada, der an der säkularen Al-Azhar Universität in Gaza-Stadt unterrichtet, in einem Interview mit "Spiegel Online" am Samstag.

Die Hamas habe die Erstürmung der Grenze durch das Volk sorgfältig orchestriert und durch gezielte Desinformation vorbereitet, betonte der Politologe.

"Als die Israelis vergangenen Woche eine totale Blockade gegen den Gaza-Streifen verhängten, brachte die Hamas ihre Medien-Maschinerie zum Einsatz. Über eigene und sympathisierende Fernsehsender wie Al-Jazeera schufen sie ein Bild, nachdem ganz Gaza im Dunkeln saß und Hunger litt. Die Situation war zwar schlimm, aber so schlimm nicht", erklärte der Analyst für arabische und internationale Medien. Durch die Propaganda habe die Hamas die Massen in Richtung ägyptische Grenze treiben können.

Abbas "einziger großer Verlierer"

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) dagegen erlebe gerade "seinen schlimmsten Alptraum". Er sei der "einzige große Verlierer in diesem Szenario". Auf den Tag genau vor zwei Jahren habe die Hamas die Wahlen in Palästina gewonnen, seitdem sei ihr ein Knüppel nach dem nächsten zwischen die Beine geworfen worden. "Und was macht die Hamas? Verwandelt jede Herausforderung in einen Sieg", meinte der Politologe.

"Erst übernimmt sie die Alleinherrschaft über Gaza und jetzt unterwandert sie die israelische und internationale Blockade, indem sie nach Ägypten ausweicht", so Abu Sada. Abbas habe darauf gesetzt, dass der Druck der internationalen Gemeinschaft die Hamas erledigen werde, "das Gegenteil ist der Fall, sie ist stärker und leider auch extremistischer denn je".

Dass Kairo den Massenansturm nicht konsequent durch seine Grenzpolizisten stoppen ließ, begründete Abu Sada mit den Worten: "Die Ägypter konnten es sich nicht leisten, unter den anstürmenden Massen ein Massaker anzurichten. Das wäre Kairo von der gesamten Arabischen Welt sehr übel genommen worden."

Zudem sei der ägyptische Präsident Hosni Mubrak darauf bedacht, sein Erbe zu ordnen. Irgendwann demnächst werde die Macht an seinen Sohn Jamal übergehen. Vorher wolle Mubarak Senior die Kritiker im eigenen Land ruhig stellen, allen voran die Muslim-Brüderschaft, die sich der Hamas verbunden fühle. (APA)

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