Du musst draußen bleiben

26. Jänner 2008, 14:00
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Urlaubszeit ist Einbruchszeit. Trotz der 14.000 Einbrüche im Jahr wundern sich Experten, wie wenig sich Österreicher für den Schutz ihres Eigenheimes interessieren

Dabei sind Sicherheitsschloss, einbruchhemmende Tür und Alarmanlage rasch montiert.

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Bald beginnen die Semesterferien. Scharen von Österreichern werden in die Berge aufbrechen und werden für einige Tage ein unbewohntes Haus hinterlassen. Für Einbrecher beginnt damit die Hochsaison. Jährlich werden in Österreich rund 14.000 Einbrüche begangen, allein die Hälfte davon in Wien. Dennoch ist nur ein Bruchteil der Bevölkerung gegen einen Einbruch ernsthaft gewappnet. 31 Prozent der Österreicher erachten einen Einbruchschutz schlichtweg als unnötig. Experten wundern sich immer wieder, wie leicht es Einbrechern hierzulande gemacht wird.

Mittlerweile liegt sogar eine Studie des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie vor, die sich mit dem geringen Sicherheitsbedürfnis hierzulande auseinandersetzt. "Wir beschäftigen uns in diesem Projekt in erster Linie damit, wie man Menschen dazu motivieren kann, sich mehr für die Möglichkeiten zum Schutz gegen Wohnungseinbruch zu informieren", erklärt Studienautor Gerhard Hanak. Untersucht wurden unter anderem die administrativen und sozialen Voraussetzungen, die eine Kriminalprävention im Wohnbereich ermöglichen sollen.

Regelwerk benötigt

"Eines der größten Probleme ist, dass es in Österreich für Privatbauherren kein Sicherheitsgesetz gibt", sagt Christina Sarraf vom Verein der Sicherheitsunternehmen Österreichs (VSÖ), "wir können nicht einmal auf ein verbindliches technisches Regelwerk verweisen." Zwar sei man bereits daran, gemeinsam mit dem Österreichischen Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI) ein solches Regelwerk zu erarbeiten, ungewiss ist allerdings, ob und wann dieses erscheinen wird.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten des Einbruchschutzes. Fachleute unterscheiden in mechanische und elektronische Maßnahmen. Mechanische Vorkehrungen sind meist an Fenstern und Türen vorzufinden und verhindern bzw. verzögern das gewaltsame Eindringen ins fremde Wohnobjekt. Elektronische Vorkehrungen hingegen kommen erst dann zum Einsatz, wenn der Einbruch bereits erfolgt ist - Sirene und Lichtsignal werden dann aktiviert. Im besten Falle werden die Daten automatisch an eine Notrufzentrale weitergeleitet.

Fokus Schloss und Tür

Schwachstellen an Wohnungen und Wohnhäusern, die ungebetenen Gästen den Zutritt leicht machen, sind meist ungesicherte Fenster und Türen, Dachluken und nicht zuletzt veraltete Schließanlagen. Mit dem Einbau von Sicherheitstüren könnte der Großteil der Einbrüche verhindert werden. "Viele Einbrecher lassen sich von einer modernen Türanlage mit Sicherheitsschlössern abschrecken", sagt Birgit Zetinigg vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), "solche Türen zu knacken, dauert einfach zu lange. Bis dahin sind wegen des Lärms schon sämtliche Nachbarn herbeigeeilt."

Kostenpunkt für eine Sicherheitstür mitsamt Sicherheitsschloss, Schutzbeschlag, Ziehschutz, verstärktem Türblatt und den richtigen Bändern: 1800 Euro aufwärts. Nach oben hin ist die Preisliste nahezu offen. In etwa das Doppelte muss man berappen, wenn man im Altbau wohnt und eine zweiflügelige Eingangstüre auf Vordermann bringen möchte. Nicht vergessen sollte man auf adäquate Vorkehrungen an Fenstern und Terrassentüren.

Hat das alles nicht geholfen, dann steht irgendwann einmal der Einbrecher im Haus - an diesem Punkt kommen die elektronischen Anlagen zum Einsatz. Je nach Hausgröße und Sicherheitsbedürfnis beläuft sich eine durchschnittliche Alarmanlage inklusive Montage auf bis zu 3000 Euro. Je früher ein Fachmann in die Planung eines Hauses miteinbezogen wird, desto günstiger wird der Einbau.

Alarmanlage nach Baukastensystem

Alternativ kann man auf ein billiges Einstiegsmodell zurückgreifen. "Help me" nennt sich eine kostengünstige und VSÖ-geprüfte Alarmanlage, die in jedem Haus und in jeder Wohnung einfach und rasch zu installieren ist. "Diese Alarmanlage basiert auf einen Baukastensystem", erklärt Karina Szekacs von Group 4 Securicor, "die Hardware wird mehr oder weniger nur angemietet und geht nach fünf Jahren in Eigentum über."

Ab 800 Euro inklusive Montage ist man dabei. Eine jährlich zu zahlende Gebühr definiert den Umfang der Dienstleitung. Freilich gibt es auch bei "Help me" keine Kostengrenze nach oben. "Der eine will Fort Knox, dem anderen reicht ein Bewegungsmelder im Wohnzimmer." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.1.2008)

  • Ungebetene Gäste kann man sich vom Hals halten: Der richtige Einbruchschutz macht das gewaltsame Eindringen zu einem mühsamen und riskanten Unterfangen.
    collage: standard/friesenbichler

    Ungebetene Gäste kann man sich vom Hals halten: Der richtige Einbruchschutz macht das gewaltsame Eindringen zu einem mühsamen und riskanten Unterfangen.

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