Kleider Bauer klagt Center

8. Februar 2008, 14:52
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Abseits der Öffentlichkeit führt die Textilkette mit den Betreibern von Einkaufszentren einen Prozess nach dem anderen

Wien - Kleider Bauer hüllt sich in Diskretion. Das Wiener Brüderpaar Peter und Werner Graf hat die Textilkette vor knapp acht Jahren aus der Insolvenz gekauft und scheut die Öffentlichkeit. Hinter den Kulissen ist der Betrieb jedoch äußerst umtriebig und löst eine Welle an Gerichtsprozessen aus, bestätigen dem STANDARD Betreiber von mehreren Shoppingcentern. Ihr einhelliger Tenor: Kleider Bauer fordere zu hohe Ablösen, sei unberechenbar.

"Hohe Prozessfreudigkeit"

Offene Verfahren gibt es zurzeit etwa mit der Vösendorfer Shopping City Süd. Eines davon wurde mittlerweile beendet, es fiel zugunsten der Brüder Graf aus. Streit soll es auch im Donauzentrum geben. Die PlusCity bei Linz hingegen hat gegen Kleider Bauer in drei Instanzen gewonnen, ein weiteres Verfahren ist im Laufen.

"Kleider Bauer konfrontiert uns mit hoher Prozessfreudigkeit", sagt Christoph Adamek, Vorstand der SCS. Jeder mögliche und unmögliche Anlass werde dafür herangezogen. Es scheine die Devise zu gelten, dass in jedem Vertrag ein guter Prozess stecke. Prozessiert werde mit beinahe jedem Vermieter, sagt auch Ernst Kirchmayr, Chef der PlusCity. "Kleider Bauer legt offenbar fast jeden Vertrag anders aus.

Für Konflikte sorgen vor allem aus der Zeit der früheren Eigentümer stammende Mietverträge der Kette. Sie wurden teils vor 20 Jahren abgeschlossen und beinhalten etwa strikte Konkurrenzklauseln. Kleider Bauer blockiere den Einzug neuer Ketten und halte die Hand auf, klagen andere Vermieter. Das Unternehmen lege sich bei Umbauten von Shoppingcentern quer oder fordere hohen Schadenersatz. Selbst Zwist über die Temperatur in Geschäften endet vor Gericht. Kirchmayr: "Kleider Bauer fordert wegen angeblich zu kalter Lokale 300.000 Euro von uns."

Der Auszug aus dem Airport Center Salzburg soll der Gruppe mehr als 20 Mio. Euro an Ablöse gebracht haben, wird in der Branche kolportiert.

"Wir halten Verträge"

Die Prozesse der Textilkette führt seit 2000 der Wiener Anwalt Johannes Reich-Rohrwig. "Wenn Einkaufszentren in alter Hausherrenmanier vorgehen und Verträge brechen, ist es unser gutes Recht, dagegen vorzugehen", erklärt er. "Warum soll das ein Mieter schlucken oder sich schröpfen lassen?" Kleider Bauer habe nicht alle, aber maßgebliche Prozesse gewonnen. "Wir halten uns an Verträge, andere nicht. Und wir betreiben den Großteil der Prozesse nicht aktiv", ergänzt Kleider Bauer-Chef Peter Graf.

Er erzählt im Gespräch mit dem STANDARD über die Rettung der Firma aus dem Konkurs. Er komme aus einem Mittelstandsbetrieb, und "keiner hat uns das zugetraut. Bis jetzt funktioniert es gut". Dass man ihn nicht überall nur mit offenen Armen aufnehme, sei klar. Sein Ziel sei es aber, Kleider Bauer zur führenden Fachgeschäft-Kette zu machen.

Umsatz leicht gestiegen

Mitbewerber sprechen von permanenter Rabattpolitik. In ihrer Bilanz 2006/07 (Stichtag: 31. 1.) weist die Kleider-Bauer Betriebs-GmbH einen Gewinn von 95.000 Euro auf. 2005/06 betrug er 401.000, zwei Jahre zuvor noch 1,7 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote lag zuletzt bei 22,8 Prozent. Der Umsatz erhöhte sich laut Firmenbuch leicht auf 80 Mio. Euro. Diese einzelne Bilanz erlaube kein vollständiges Bild über seine Firmengruppe, betont Graf.

Er und sein Bruder führen neben rund 30 Kleider-Bauer-Filialen das Modehaus Hämmerle. 2004 wurden sechs Läden der insolventen Hettlage gekauft, in die Firma Nobia eingegliedert und teils in Kleider Bauer umgewandelt. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.1.2008)

  • Die Brüder Graf kauften Kleider Bauer aus der Insolvenz. "Ziel ist, daraus eine führende Fachgeschäft-Kette zu machen." Mitbewerber beobachten permanente Rabattaktionen.
    foto: standard/urban

    Die Brüder Graf kauften Kleider Bauer aus der Insolvenz. "Ziel ist, daraus eine führende Fachgeschäft-Kette zu machen." Mitbewerber beobachten permanente Rabattaktionen.

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