Industrie setzt auf zweite Jahreshälfte

21. Februar 2008, 17:13
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Trotz der Turbulenzen an den internationalen Börsen und rückläufiger Auftragsbestände sieht die heimische Industrie keinen Grund zur Panik

Wien - Trotz der Turbulenzen an den internationalen Börsen und rückläufiger Auftragsbestände setzt die heimische Industrie auf die zweite Jahreshälfte 2008. Der aktuelle Geschäftsgang der Unternehmen spiegle zwar die Abschwächung der konjunkturellen Dynamik wider, die 465 befragten Unternehmen erwarten aber ab Jahresmitte wieder eine Aufhellung, so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Markus Beyrer, am Freitag bei der Präsentation des IV-Konjunkturbarometers.

Die Industrie befinde sich an einem "Sattelpunkt", wo es sich entscheide, ob es aufwärts oder wieder zurück zum Basislager gehe, so Beyrer. Der Arbeitsmarkt werde sich noch einige Monate positiv entwickeln, aber "die konjunkturellen Flitterwochen" seien vorbei.

Substanzielle Abschwächung

"Wir befinden uns in einer substanziellen Abschwächung, aber es besteht kein Grund zur Panik", so der IV-Chef-Ökonom Christian Helmenstein. Gegenüber dem 3. Quartal 2007 habe das IV-Konjunkturbarometer, eine Mischung aus Gegenwartsbewertung und Zukunftserwartung, leicht von 40 auf 43 Punkte zugelegt, so Helmenstein. Dies sei ausschließlich auf die vorsichtig günstige Einschätzung der künftigen Geschäftslage zurückzuführen. Ein Abflauen der Finanzmarkt-Turbulenzen werde für die zweite Jahreshälfte erwartet.

Von den USA ausgehend schwäche sich das globale Wirtschaftswachstum allgemein ab, so dass der Auftragsstand der Industrie deutlich um 9 Punkte auf 60 Punkte zurückging. Dies habe sich allerdings noch nicht auf die Kapazitätsauslastung ausgewirkt. Damit setze sich auch die durch Auslandsaufträge gestützte gute Mengenkonjunktur fort. Die Unternehmen erwarten daher für die kommenden drei Monate eine Ausweitung der Produktionstätigkeit. Dadurch werde auch der positive Beschäftigungstrend in Österreich bis zur Jahresmitte anhalten, allerdings abgeschwächt.

In Sachen Steuerreform

Von der Politik fordert Beyrer die Erarbeitung einer Steuerreform. Dies sei vor allem angesichts der steuerlichen Entwicklung in der Nachbarländern dringend notwendig. Er verwies dabei auf Tschechien, das mit besonderen steuerlichen Anreizen internationale Unternehmen ins Land ziehen will. Gesenkt werden müsse der Spitzensteuersatz. Es sei schwierig, Topmanager ins Land zu holen. Kritik übte Bayrer auch an der Verlängerung der Hacklerregelung bis 2013. Dies sei kontraproduktiv und führe dazu, dass künftig 80 Prozent der Pensionszugänge Frühpensionisten sein würden. Auch die Verfassungs- und Verwaltungsreform dürfte "ein Begräbnis erster Klasse" bekommen. Eine außertourliche Belastung sei das EU-Klima- und Energiepaket, das zusätzlich von bis zu 1 Mrd. Euro im Jahr ab 2013 kosten werde.

Zu den Turbulenzen auf den Aktienmärkten meinte Beyrer, man müsse die Entwicklungen über einen längeren Zeitraum sehen. Die Zinssenkung der Fed in einer außerordentlichen Sitzung sei nicht sehr sinnvoll gewesen und hätte damit eine Erwartungshaltung erzeugt, die nicht erfüllt werden könne. (APA)

  • Christian Helmenstein vom IHS
    foto: standard/newald

    Christian Helmenstein vom IHS

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