Elf Träumer müsst ihr sein

5. Februar 2008, 12:23
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Mit der Schau "herz:rasen" wird der EURO 2008 im Künstlerhaus gehuldigt

Wien - Ehe man darüber ins Sinnieren gerät, ob sich die gebündelten Kulturanstrengungen für die EURO 2008 bis dato nicht eher auf Appelle an die generelle Begeisterungsfähigkeit einer erst noch zu konstituierenden Öffentlichkeit beschränkt haben: Die Fußballausstellung herz:rasen wird ganz unzweifelhaft vom Technischen Museum Wien ausgerichtet. Sie läuft von 4. April bis 6. Juli im Künstlerhaus und kostet etwa 2,4 Millionen Euro - rechnet man die erwarteten Einnahmen von rund 300.000 Euro dazu.

Die Schau weist Beppo Mauhart als Co-Initiator aus (neben Österreich am Ball). Dieser sprach aus Anlass einer ersten Pressekonferenz an der Seite von Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka vom "Durchwirken" aller Gesellschaftssphären mit Fußball ("Fußball ist eine Weltsprache!"). Nebenbei berichtete der Ex-ÖFB-Präsident über seine Vorsprachen bei hochrangigen Politikern: Österreich brauche mehr Sportmuseen - auch wenn ihn der Begriff "Museum" ob der vitalen Lebensfunktionen der heimischen Ballesterei störe.

In einem summarischen Abriss wurde die Ausstellung dann von Museumsdirektorin Gabriele Zuna-Kratky und deren Kurator Walter Szevera präsentiert: Künstlerhaus-Besucher dürfen wahlweise den "Weg des Fans" oder einen "Weg des Spielers" einschlagen. Initiationsriten und Praktiken der kollektiven Teilhabe werden sinnfällig nachgestellt. In der Abfolge zahlloser "Interaktiva" und Artefakte werden dem Besucher einzelne Entwicklungsstadien sinnfällig vor Augen geführt.

"Football is coming home" - auch dergestalt, dass man Fetische aus archaischer Zeit allmählich gegen die Zeugnisse eines durchrationalisierten Weltbetriebs eintauscht. Beispielhaft die Frage nach der "mentalen Formierung" einer Profi-Mannschaft: "Wie organisiert sich ein Team: Sind sie eine Familie, vielleicht Freunde oder eine gut geölte und perfekt funktionierende Firmenmaschine?" Der Besucher wird demgemäß auch in medizinischen Betreuungsstudios einchecken - oder sich gleich in einen stationären Karaoke-Betrieb einklinken, so ihn der Überschwang in der Kehle kitzelt.

Noch ist nicht abzusehen, welche Feinheiten der Fußball-Historismus in ästhetischer Hinsicht zutage fördert. Fußball? "Drama des Lebens". (Ronald Pohl, DER STANDARD Printausgabe 25.01.2008)

  • Exponate aus den 30ern: Ball, Fuß-ballschuhe.
    foto:technisches museeum

    Exponate aus den 30ern: Ball, Fuß-ballschuhe.

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