Wechselnde Männermode

6. Februar 2008, 12:26
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Bei der Prärieammer gibt es jährlich neue Farbtrends beim Gefieder - mal werden größere, mal kleinere Muster bevorzugt

Washington - Wer glaubt, dass die (Torheiten der) Mode und der Wechsel der Trendfarben exklusiv menschliche Errungenschaften seien, den kann die Biologie ab sofort eines Besseren belehren.

Wie eine neue Studie im US-Fachblatt Science (Bd. 319, S. 459) nämlich zeigt, gibt es allem Anschein nach auch im Tierreich wechselnde Modetrends bei der "Bekleidung" - zumindest bei Prärieammern, einer US-amerikanischen Vogelart, bei der sich die beiden Geschlechter recht deutlich unterschieden.

Männliche Prärieammern sind schwarz-braun mit hellen weißen Mustern auf den Flügeln. Die hellbraunen Weibchen suchen sich jedes Jahr einen neuen Gefährten, die Jungen werden gemeinsam aufgezogen. Sie leben überwiegend in offenem Gelände und sind mit den Finken verwandt.

Wie die Biologen Alexis Chaine und Bruce Lyon von der University of California in Santa Cruz bei ihren zwischen 1999 und 2003 gemachten Beobachtungen im Pawnee National Grasslands Nationalpark (US-Staat Colorado) herausfanden, bevorzugten die Vogeldamen bei den Männchen in einem Jahr besonders große Muster auf den Flügeln, in anderen Jahren dagegen kleinere.

Günstige Flirtbasis

Andere Charakteristika wie Schnabel- und Körpergröße erwiesen sich je nach Saison als günstige Flirtbasis - oder unwichtiges Detail. Die Qualität des vom jeweiligen Vogelmann beherrschten Territoriums spielte bei der Partnerwahl keine Rolle.

Die Biologen vermuten, dass bestimmte Äußerlichkeiten der Männchen womöglich auf spezielle Eigenschaften hinweisen - wie die als besonders guter Versorger oder jene eines aggressiven Verteidigers. In Jahren mit knappem Nahrungsangebot wären dann eher die Charakteristika der erfolgreichen Futterlieferanten gefragt, in Jahren mit vielen Schlangen oder Erdhörnchen - den Fressfeinden der Ammern - eher engagierte Verteidiger.

Evolutions-Ausnahme

Im evolutionären Normalfall führt die Bevorzugung bestimmter Merkmale innerhalb einer Art dazu, dass diese stärker ausgeprägt werden. Bei Vögeln entstanden so zum Beispiel besonders farbenprächtige Gefieder oder skurril geformte Federbüschel.

Das nun entdeckte Beispiel zeige, dass derartige Vorlieben keinesfalls starr festgelegt sein müssen. Bei den Prärieammern bleibe mit der wechselnden Beliebtheit verschiedener Äußerlichkeiten wohl die genetische Vielfalt innerhalb der Art stärker erhalten als bei anderen Vögeln. (dpa, tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. Jänner 2008)

  • Artikelbild
    foto: image courtesy of alexis chaine
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