"Um Omas Brennerei gibt es ein Griss"

24. Jänner 2008, 17:56
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Waltraud Jöbstl war nie auf dem Wiener Opernball, der Sprung auf das Wiener Parkett gelang trotzdem

Wien – Waltraud Jöbstl (67) war nie auf dem Wiener Opernball. Nicht dass es sie nicht gereizt hätte, aber es ließen sich nicht alle Wünsche erfüllen, sagt sie. Jetzt ist der Bäuerin dennoch ein Sprung aufs glatte Parkett gelungen: Die Steirerin brennt den Marillenschnaps für die Herrenspende des Opernballs 2008, eine hochprozentige Trüffel. Jöbstl gilt als Grande Dame der Schnapsbrenner. Anfangs belächelt, mischte sie die Männerdomäne gehörig auf. Die Steirerin war in Österreich als erste Frau Obstbrennerin des Jahres, ihre Destillate reihen sich bei den Premierungen seit 16 Jahren unter die besten zehn. Kunden im Handel reichen von Spar und Metro bis zu AGM, Pfeiffer und der Schweizer Globus-Kette. Und beim Export will sie sich auch von den alkoholentsagenden Ländern nicht abschrecken lassen und liefert in die Golfstaaten.

Beim Brennen habe sie schon als Kind geholfen, sagt sie. Später ergänzten sie und ihr Mann den eigenen Obstbaubetrieb am Schilcherberg um eine moderne Brennerei. Die Landwirtschaft übergab sie ihrem Sohn, ihre Destillerie behielt sie sich als Altenteil zurück. "Ich hab mir gedacht, das wird einmal ein schönes Hobby für die Pension." Geworden ist daraus ein Betrieb mit sieben Mitarbeitern, die Familie miteingerechnet. Ein Kooperationspartner ist Schärdinger.

Nicht jammern

Ihre Umsätze lässt sich die energische Landwirtin nicht entlocken. "Sagen wir es anders: Wir sind heuer in der Lage, neben dem angestammten Geschäft 4500 Flaschen an ein großes Unternehmen zu liefern." Vom Jammern über die Krise der Landwirtschaft hält sie wenig. "Viele lassen es halt laufen." Wenn das eine kein Geld bringe, müsse man sich eben was anderes einfallen lassen. "Wir waren etwa die ersten, die frische Ribisel nach Wien geliefert haben." Sie habe nie mehr ausgegeben als eingenommen, aber ein wenig risikobereit müsse man schon sein. Dass auch die Zusammenarbeit kleiner Betriebe mit riesigen Handelsketten Risiken birgt, gibt sie offen zu. Die Preise im Regal seien oft eine Gratwanderung. Auf ihrem Hof in Wernersdorf hat Jöbstl nun ein Schnapsmuseum eröffnet. Verkauft wird ab Hof und online. Sorge um ihre Nachfolger hat sie angesichts sechs Kinder und 16 Enkeln nicht. "Um Omas Brennerei gibt es ein Griss." Dass Edelbrände eigentlich Frauensache seien, belegt sie gern historisch. "Laut urkundlichen Aufzeichnungen waren die ersten Brenner Frauen, und der Schnaps diente als Heilmittel." (Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 25.1.2008)

  • Kleine Destillerie liefert Hochprozentiges an Handelsketten.
    foto: standard/jöbstl

    Kleine Destillerie liefert Hochprozentiges an Handelsketten.

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