
Das Böse scheint endlich besiegt: Jessica Kessler (Scaramouche) und Serkan Kaya (Galileo) im Queen-Musical "We Will Rock You" im Raimundtheater.
... eine eingeösterreicherte Sci-Fi-Story zu beleben.
Wien – Vorher versucht, alle Vorurteile wegzuschütteln. Man wollte nicht annehmen, dass nur ökonomische Erwägungen in den Macherköpfen herumgeisterten, als sie dies Projekt beschlossen. Nach Begutachtung der Premiere vermag man jedoch keinen künstlerischen Mehrwert zu entdecken und findet dann doch zur Vermutung zurück, dass es den Personalrest von Queen geschmerzt haben muss, sein Hitkapital nicht auch in dieser Form auf den Markt geworfen zu haben. Zudem: Der Greatest-Hits-CD-Gag ist ja längst ausgereizt. Da ist vorerst nichts mehr zu melken.
Im Sinne der Markenpflege hat man es also hingenommen, die an Bandsound, Freddie-Stimme und -Bühnenexaltiertheit gebundenen Songs, die ja an sich nicht unplakativ sind, einer weiteren Banalisierung zu überantworten. Der im Raimundtheater sich ausbreitende musikalische Substanzverlust ist dann aber auch noch in eine Story eingewickelt, die schon im Englischen kraus anmutet. In der deutschen Fassung wird das Ganze nicht witziger, zumal man (um lokale Lacher zu provozieren) Pointen eingebaut hat, die sich einfach mit Namen und Songtexten des Austropop schmücken.
Verdrängt man kurz, dass es sich hier um ein eigenartiges Werkkonstrukt handelt, versucht man einfach, ein Musical zu sehen, wird die Sache nur ein bisschen besser. Ein wackeres Ensemble müht sich durch wenig inspirierte Choreografien und Dialoge, die nach der Pause reichlich geschwätzig geraten und auch jene hübsche Wirkung neutralisieren, die sich für Momente aus der Simulation eines Rockkonzerts ergibt. Regisseur und Librettist Ben Elton sucht die ins 24. Jahrhundert verlegte Geschichte, die beim Matrix-Film und anderen Erlösungsvorlagen lustvoll Anleihen nimmt, durch optische Kontraste zu beleben. Da die uniforme Ga-Ga-Welt der gleichgeschalteten Jugendlichen, dort die punkigen, rockigen Rebellen, die von einer Zeit träumen, als noch nicht Maschinen, sondern Menschen musizierten. Video, Lichtshow und Trockeneisnebel würzen das Ganze ein bisschen.
Letztlich aber schlägt dann doch immer wieder durch, dass die Story nur dazu da ist, wieder einen Rockschlager aus dem Dialoghut hüpfen zu lassen. Überhaupt ist das ganze Stück aus dem Text der Nummer Bohemian Rhapsody entwickelt. Auf dem Planeten e.bay träumen die Bohemians von einer Ära, die sie Rhapsody nennen.
Held sucht Gitarre
Der ersehnte Held, der sie alle befreien soll, indem er das Instrument eines "langhaarigen Gitarrengottes" findet, heißt Galileo (gute Rockröhre mit Einbrüchen Serkan Kaya). Und seine punkige Dame (angenehm keck Jessica Kessler) nennt er Scaramouche (oder Scaramuschi). Das Böse tritt dann aber in Gestalt einer Killer-Queen (derb im Witzigen Brigitte Oelke) auf, während ihr Blondschopf fürs Grobe Khashoggi heißt (solide Martin Berger). Ja, es geht gut aus, die Brian-May-Gitarre wird gefunden, Scaramouche begleitet ihren Galileo, und mit "We Will Rock You"-Gestampfe wird das Böse begraben.
Wie soll man’s sagen? Wer gern ein gutes Achterl Wein auf einen Liter spritzt, wer Soul mit Michael Bolton und nicht mit Al Green assoziiert, wer sich Jazz durch Kenny G statt durch Coltrane vermitteln lässt und wer Schani Strauß lieber bei André Rieu sieht als bei den Philis – dem sei die Produktion wärmstens empfohlen! (Ljubiša Tošic / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2008)
Die überaus qualifizierten Aussagen der Standardkritik implizieren ja geradezu eine unheimliche Dummheit aller Queen - Fans (bzgl. Musik) die die Standardkritik gelesen haben und sich trotzdem dazu erdreissten das Queen - Musical zu besuchen.
Schon alleine die Bemerkung, dass es sich bei Brian May und Roger Taylor um einen "Personalrest" handle disqualifiziert diese Standardkritik, da Freddie Mercury himself eigentlich nie der Bandleader war, sondern alle 4 Gleichberechtigte Partner waren. Dieser Umstand verhalf dieser Formation auch zu einem so vielfältigen Repertoire in Sachen Musik wie es bis zu diesem Zeitpunkt keine andere Band schaffte.
Wie überall im Leben muss man sich halt wirklich auskennen um ein Urteil abgeben zu können.
auch ich bin seit mind. 20 Jahren Queen-Fan, und ich kann die Kritik beim besten Willen nicht verstehen. Dass die Story nur dazu dient, die Queen-Songs aneinanderzureihen, war mir auch vorher klar, und hat mich nicht im geringsten gestoert; ich bin schliesslich nicht wegen der Story hingegangen, sondern wegen der Songs - und ZUM GLUECK haben sie die Queen-Songs adaptiert; nichts waere peinlicher gewesen, wenn sie versucht haetten, genauso wie Freddy und Queen zu klingen! Dadurch dass die Songs so anders klingen als bei Queen haben sie wiederum eine Daseinsberechtigung, und sind sogar sehr schoen (das fand nicht nur ich - es hat mind.5 Min Standing-Ovations gegeben).
Aber war klar,dass es der abgehobenen Standard-Kritiker nicht wuerdig ist
Ich hatte das Musical bereits in London geshen und war (weider einmal) enttäuscht. Warum schaffen es österreichische Musicalmusiker und Sänger selbst bei einem Rock-Musical nicht wirklich rockig zu klingen....
Das Musical ist natürlich kein Queen-Konzert, aber selbst der Versuch der Restbestände von Queen Queen-Konzerte zu geben funktionert ja ohne Freddie nicht. So wie Freddie ohne den Queeen-gitarrensound wahrscheinlich nicht funktioniert hätte.
Es wäre besser gewesen, das Musical maximal in den Dialogen in das Deutsche zu übersetzen und ganz auf die peinliche Lacherhascherei durch volkommen unplazierte Österreich-Bezüge zu verzichten.
an das vorherrschende unvermögen bei kritikern, werke daran zu messen an dem was sie eigentlich wollen, hat man sich ja schon fast gewöhnt.
nicht jedes werk will tiefgründig sein. und da dieser umstand sehr vielen kritikern bis heute wie es scheint verborgen geblieben ist, werden auch zukünftig viele filme, musicals, etc sich ihre schlechte noten abholen müssen.
dabei ist es vollkommen legitim einfach "nur" unterhalten zu wollen. selbst das ist schwer und auch daran sind genügend gescheitert.
lieber weiterhin auf alles "banale" hinpecken und noch so gescheitert hochgeistiges in den himmel loben. so fühlt man sich als kritiker wenigstens etwas elitär und besonders.
Ich bin ein Queenfan der 1. Stunde und mein Sohn, selbst Musiker auch ein grosser Queenfan, wir haben das Musical am Sonntag bei der Vorpremiere gesehen.
Uns hat es sehr gut gefallen - die Geschichte ist witzig, die grossartigen Song gut eingebunden.
Aber irgendwie habe ich erwartet, dass die Standardkritik nicht gut sein wird - wahrscheinlich darf man über so etwas "banales" keine gute Kritik schreiben.
wir haben das Musical am 16.01. bei der Vorpremiere gesehen und waren wirklich begeistert.
Natürlich ist es nichts sooooooo tiefgründiges, aber wir sind auch nicht mit der Erwartungshaltung, ein überaus geistreiches Stück zu sehen, hingegangen. Die Band war wirklich ausgezeichnet und auch die Geschichte mit den Songs war stimmig.
Nach der Vorstellung gab es von 99% aller Zuschauer 5 minütige Standing Ovations => also so schlecht kann das Musical gar nicht sein!
Wir haben einen sehr witzigen Abend, mit einer grandiosen Killer-Queen und einem sehr gut aufgelten Galileo genoßen und würden sofort wieder hingehen
mfg fuersti
Das Ganze ist halt ein Musical und nichts hochgeistiges. Und für ein Musical find ich es zumindest im englischsprachigen Original ziemlich gut -- die deutschsprachige Fassung kenne ich nicht.
Hier ein längeres Video von der englischsprachigen Produktion in Toronto: http://www.mirvish.com/wwry/vide... video.html
...ist für Ihre Aussage "Das Ganze ist halt ein Musical und nichts hochgeistiges."
Vielleicht kennen Sie keine hochgeistigen Musicals? Dann sollten Sie sich aber nicht in diesem Rahmen in dieser Form dazu äußern.
Das "Bespielungskonzept" des Raimundtheater (braucht man dafür ein Konzept?) sieht nichts hochgeistiges vor. Also fahrns doch ein Bisserl herum in der Welt. Da gibt es eine Menge tolle Shows mit eingängier Musik, die so viel mehr Message transportieren als WE WILL ROCK YOU.
Die Kritik hier an sich ist ganz ok ausgefallen. Mehr kann man dazu eh ned sagen.
Gratulation übrigens an Kathi Zechner! Anders als bei MAMMA MIA konnte sie diese Tournee-Produktion (mehr ist es nicht) der Stadthalle entreissen. That's Entertainment!
Wenn wir uns darauf einigen könnten, dass es bei einem Musical um Unterhaltung geht bei der die Musik das wichtigste Element ist, dann relativieren sich diese ganzen Spitzfindigkeiten über hochgeistig oder nicht.
Ob nun eine Message dahinter steht oder nicht muss man wohl auch jedem einzelnen Zuschauer des WWRY-Musicals überlassen.
Da es immerhin um Globalisierung geht und dieses Thema die Menschheit in unterschiedlicher Weise schon sehr berührt würde ich nicht gerade sagen dass bei diesem Musical so viel weniger Message herüberkommt als bei anderen "in ihrer Welt".
Wie die Themen nun von den jeweiligen Künstlern umgesetzt werden liegt Gott sei Dank noch in der Hand der Selbigen und nicht der Kritiker.
Also bitte: leben und leben lassen;
geschmäcker sind natürlich verschieden, aber ich finde musicals sind generell sch....e, ist irgendwie nicht fisch und nicht fleisch, meistens ziemlich seicht...musik für menschen, die sich nicht wirklich für musik interessieren. alles a bisserl sehr "light", aber es trifft halt den geschmack der masse, insofern haben musicals absolute daseinsberechtigung.
bei den meisten der mir bekannten musicals haben sie sicher recht. es geht aber auch durchaus anders.
ich erinnere da nur an "les miserables", das neben sehr guter musik auch ein dramatisches stück über elend und not, revolution und der resignativen einsicht, dass am ende ohnehin irgendwie alles beim alten bleibt, bietet.
aber die hatten mit victor hugos "die elenden" halt einen klassiker der weltliteratur als vorlage.
Ich habe schon ziemlich viele Musicals und Opern in verschiedenen Ländern gesehen. Musicals _sind_ leichte Unterhaltung, das war schon bei Gilbert und Sullivan so -- vergessen Sie nicht dass sich das Genre aus dem der Operette entwickelt hat. Und wer würde allen Ernstes behaupten dass die Fledermaus oder der Zigeunerbaron hochgeistig wären?
Sie haben jetzt zwar versucht, sich zu rechtfertigen. meine kritik konzentrierte sich jedoch auf genau diese eine aussage "Das Ganze ist halt ein Musical und nichts hochgeistiges."
haben Sie viele musicals gesehen oder eben viele musical-blockbuster !? vbw, stage entertainment und co?
selbstverständlich GIBT es in diesem genre VIEL leichte unterhaltung. das schließt allerdings nicht alle anderen möglichkeiten aus.
ich würde auch über die oper behaupten, dass hier ebenso viel leichte unterhaltung dabei ist.
jedes genre war (ist) eben POPULÄRES musiktheater seiner zeit. natürlich überwiegt in oper, operette und musical leichte unterhaltung. der einzige bonus der oper liegt im alter. da kann man schön wichtig tun.
wer sich da wohl nun versucht rechtzufertigen (schon im 1.absatz)
wollen wir hier ein bestimmtes schema skizzieren wonach ein musical abzulaufen hat oder vergessen wir die mutwillige uniformierung und lassen auch beim musical eine dynamische Entwicklung zu?
jede zeit hat ihre ganz speziellen themen die es durchaus wert sind in einen musikalischen rahmen verpackt zu werden.
es nützt nichts über klassiker vergangender zeiten zu sinieren, wenn es hier um eine ganz andere art von musical geht, nämlich ein rock-musical - man stelle sich vor: es gibt so etwas - es lebe die vielfalt!
da man nun queen eine gewisse virtuosität unter den rockbands zuschreibt und die vorhandenen musiker die melodien sehr gut umsetzten ist das musical sehr gelungen.
es sind zwei.
neben dem von ihnen erwähnten hochverehrten herrn austro-fred, möchte ich an dieser stelle eine lanze für george michael brechen.
ich hätte es dem last-christmas-faserschmeichler ja nie zugetraut, aber sein "somebody to love" gehört zu den großartigsten sachen, die ich jemals hören durfte.
freddy wär sicher begeistert gewesen!
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