Hintergrund: Ägypten will nicht in den Konflikt gezogen werden

1. Februar 2008, 10:31
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Analyst: "Der Hamas ist es gelungen, eine neue Lage zu schaffen"

Kairo - Die radikale Hamas hat nicht nur ein Loch in die Grenze des Gazastreifens zu Ägypten gebombt. Sie hat zugleich der ägyptischen Grenzpolitik einen Schlag versetzt, der die Verhältnisse am einzigen nicht-israelischen Ausgang des Küstengebiets auf Dauer verändern wird. Zehntausende Palästinenser strömten ins Nachbarland und schufen Fakten.

Ägypten kann kaum zu dem Zustand zurückkehren, den es vorher aus Eigeninteresse sorgsam gehütet hat. "Der Hamas ist es gelungen, eine neue Lage zu schaffen", sagt Ezzedin Choukri von der International Crisis Group. "Ägypten wird gezwungen sein, die Menschen aus- und einreisen zu lassen."

Die Regierung in Kairo wird also Zugeständnisse machen müssen an die Hamas, deren enge Verbindungen zu den eigenen Radikalen unter Führung der Muslimbruderschaft sie fürchtet. Die Hamas verlangt nichts weniger als eine Ausreisemöglichkeit, die unter keinerlei israelischer Kontrolle steht. Damit käme auf Ägypten die volle Verantwortung für die Einreise von Kämpfern sowie das Einschmuggeln von Waffen, Munition, Bauteilen für Raketen und Schwarzgeld zu.

Israel will Verbindungen abbrechen

Israel droht zugleich damit, auch die Strom- und Wasserversorgung sowie die Belieferung mit humanitären Gütern wie Medikamenten an das Nachbarland abzugeben. "Wir müssen einsehen, dass wir die Verantwortung verlieren, wenn Gaza zur anderen Seite offen ist", erklärte Vize-Verteidigungsminister Matan Wilnai. "Dann wollen wir die Verbindungen abbrechen."

So hat sich Ägypten seine Rolle aber nicht vorgestellt. Das Land hat kein Interesse daran, mitten in den Konflikt zwischen der Hamas und Israel hineingezogen zu werden. Seit die Extremisten im Juni die Kontrolle über den Gazastreifen an sich gerissen haben, hat Präsident Husni Mubarak eng mit Israel und den USA zusammengearbeitet, um die Hamas zu isolieren und die Bevölkerung gegen die neuen Herrscher aufzubringen.

Herausgekommen ist nach Einschätzung der Expertin Helena Cobban das Gegenteil: Mit dem Durchbruch an der Grenze demonstriere die Hamas, dass sie an den Entscheidungen beteiligt werden müsse, sagt sie. Ohne die Extremisten sei die Ordnung an der Grenze nicht mehr herzustellen. "Ich sehe jedenfalls keine Lösung, ohne dass die Hamas einbezogen wird." (Jonathan Wright/Reuters)

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