Geschlechterkampf erfasst die Uniräte

24. Jänner 2008, 19:25
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SP will halbe-halbe im Gesetz verankern - Hahn und VP gegen Quote: "Nicht schreiben, sondern machen" - Mit Infografik

Wien - "Halbe-halbe" per Gesetz verordnen - nein, nicht für das Leben an sich, den Alltag, den Abwasch und die Kinderbetreuung, sondern "nur" für die Besetzung der Universitätsräte will die SPÖ. Grund für die von Frauenministerin Doris Bures und Wissenschaftssprecher Josef Broukal am Donnerstag gestartete Offensive ist das Faktum, dass bis jetzt 19 von 21 Senaten für ihre Uniräte (insgesamt 60, die Regierung nominiert weitere 60) nur ein Viertel Frauen vorgeschlagen haben.

Bures und Broukal wollen als Korrektiv in der anstehenden Novelle des Unigesetzes (UG) für die Uniräten einen 50-Prozent-Frauenanteil festschreiben. Die Diskriminierung an den Unis müsse "der Vergangenheit angehören", die UG- Novelle die Chancen der Frauen an den Unis verbessern, sagt die Frauenministerin. Die SPÖ will auf ihrer Unirats-Liste ausschließlich Frauen nennen. Generell sei zu sagen, so Bures: "Es fehlt nicht an weiblichem Nachwuchs. Es holpert an der Durchlässigkeit an den Unis."

Broukal, der in einer gesetzlichen Verankerung von halbe-halbe für die Uniräte eine Möglichkeit sieht, "die gläserne Decke von oben einzuschalgen", fordert Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) auf, seinen Spielraum zu nützen und einen hohen Frauenanteil zu realisieren.

Dieser Appell sei gar nicht nötig, heißt es aus Hahns Büro unter Verweis auf "seine bekannte Position dazu". Der ÖVP-Minister will "sicher keine Quote", weil sie seiner Vorstellung von Exzellenz widerspreche.

In einem Standard-Interview hatte Hahn die männliche Dreiviertelmehrheit in den Senats-Vorschlägen kritisiert. Es gebe genug qualifizierte Frauen, "aber man muss sie halt auch berücksichtigen". Die Geschlechterdifferenz in den Senats- Vorschlägen "gibt mir sicher für die Weiterentwicklung des Gesetzes zu denken".

Im Übrigen verwies der Minister am Donnerstag darauf, dass es seiner Vorgängerin, Elisabeth Gehrer "auch ohne Quote gelungen ist, einen hohen Frauenanteil in den Uniräten zu erreichen".

Gehrer sah sich 2003 damit konfrontiert, dass ihr die Senate 49 Männer und zehn Frauen für die Uniräte vorlegten. Sie stockte die Zahl der Frauen dann um 30 auf und regulierte das schiefe Verhältnis etwas.

Gehrer habe "die Latte gelegt", meint auch ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek, die ebenfalls gegen eine im Gesetz fixierte Geschlechterquote ist, sehr wohl aber für "Geschlechterparität, und zwar in allen Unigremien, nicht nur im Unirat" - allerdings immer "in Relation zur jeweiligen Basis", sagte sie zum Standard. Die Halbe-halbe-Quote für Uniräte "schreibe ich nicht ins Gesetz, so was mach ich", verweist auch Brinek auf Gehrers Praxis.

Eine kleine, aber umso symbolträchtigere Korrektur der Frauenbilanz an den Unis findet am Montag statt. Mit Ingela Bruner wird die erste Rektorin einer staatlichen Universität in Österreich (die Privatunis waren etwas schneller) feierlich inauguriert. Die Maschinenbauerin, die zuletzt als freie Wissenschaftsmanagerin tätig war, wird die Boku leiten.

Erste Rektorin will Parität

Als Gegenmittel zum Frauen-Defizit in höheren Uni-Sphären plädierte Bruner in einem Standard-Interview nach ihrer Wahl Anfang Juli 2007 für geschlechterparitätisch besetzte Entscheidungsgremien: "Die öffentliche Hand könnte das machen. In einem Land, wo es ein hohes Verständnis für die paritätische Besetzung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gibt, denke ich, müsste es auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass man auch zwischen Männern und Frauen paritätisch besetzt." (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD- Printausgabe, 25. Jänner 2008)

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  • Erste Rektorin einer staatlichen Uni, der Boku: Ingela Bruner.
    foto: cremer

    Erste Rektorin einer staatlichen Uni, der Boku: Ingela Bruner.

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