Reif für die Halbinsel

Robert Haidinger
28. Jänner 2008, 17:00
  • Mit ihren Klippen, Riffen und hohen Wellen war die balinesische Halbinsel Bukit bisher bei Surfern sehr beliebt.
    foto: pixelio.de

    Mit ihren Klippen, Riffen und hohen Wellen war die balinesische Halbinsel Bukit bisher bei Surfern sehr beliebt.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x584
    grafik: der standard

Auf der balinesischen Halbinsel Bukit entstehen die ersten Luxusresorts. Aber es gibt sie noch, die einsamen Buchten

"Seminyak ist ämm", sagt Big Kiwi und muss einmal schlucken, denn die knusprigen Tempeh-Streifchen werden schnell kalt, und fermentierter Sojabohnentopfen, eine Spezialität der Gegend, schmeckt kalt nicht eben gut. "Uhmmm, jetzt ist also Seminyak trendy", hebt er noch einmal an und blickt visionär in die Ferne. Was aber nur zehn Meter weit geht.

Denn Seminyak, jener Ortsteil von Balis dicht verbauter Küste, der westlich an Kuta und Legian anschließt, steht für den Luxus der Jetztzeit, und den genießt man besonders hinter Mauern, in der Regel von Design umzingelt. Kosmopoliten-Design wohlgemerkt. So wie es der neuseeländische Besitzer des angesagten "The Elysium"-Hotels vermutlich auch wollte.

Kuta, wo Götterskulpturen wie Gartenzwerge in jeder zweiten Resto-Ecke stehen und wo sogar Telefonzellen und Pissoirs an Zwitter aus Tempelchen und Grottenbahn erinnern, scheint hier gleich mehrere Mauern weit entfernt. Schräg gegenüber blubbert ein Wasserfall über einen zarten Fries, aber von kitschigen Dämonenfratzen mit Moosperücken keine Spur.

Stattdessen schimmert ein türkisgrüner Pool mit Modellmaßen im gedämpften Licht, lang, schmal. Korbliegen laden zum lustvollen Räkeln ein, der minimalistischen Strenge zum Trotz. Und die dekorativen Wedel der ausgewählten Bananenstauden und Palmen scheinen frisch vom Friseur zu kommen - Föhnwelle inklusive. Nach gemähter Spielwiese für den Jetset sieht in Seminyak freilich so manches Refugium aus, darunter auch die trendigste Beach-Lounge der Insel. Ku De Ta heißt sie. Ein Wortspiel auf Kuta und Coup d'État, Staatsstreich, wenngleich es sich eher um eine hedonistische Attacke handelt, komplett mit nächtlicher DJ-Beschallung und Partyvolk und starker Reminiszenz an Rimini.

Keine Frage: Seminyak ist die zweit-hippste Ecke der universellen Schildkröte, als die Balis Uraltkosmologie die Götterinsel ansieht - auch wenn man diese genauso gut für ein Touristikchamäleon halten könnte. Wer den Ngurah Rai Airport im Landeanflug nimmt, sachte im Finish über die verbliebenen Mangroven streicht, steht nämlich vor prinzipiellen Entscheidungen bezüglich eines fiktiven Orts, an dem vor allem Urlauberträume wohnen.

Denn zunächst legt sich einmal eine ziemlich lange Geschichte quer. Geschrieben mit hellem Sandstrand und tintenblauem Meer. Später mit magischen Mushrooms unter Frangipanibäumen, eingedickt mit viel Beton und unterteilt in Tourismusgeschichtekapitel, die sich über den Südrand jeder Bali-Karte verteilen - als Ortsnamen, die jeder indonesische Bauernbub kennt. Gleich neben dem Airport liegt etwa Jimbaran Bay, jene Ecke, in der die feinen Hotels ihre Sundowner-Deckchairs entlang einer sanft geschwungenen Strandsichel verteilen und wo die Einheimischen gleich nebenan ihre Zehen in den weichen Sand stecken - allerdings erst am Abend, wenn sich der Beach in eine einzige Kette von Seafood-Restaurants verwandelt, mit Fackeln und White Snapper und mit indonesischen Großfamilien, die sich entspannen wollen.

Denn richtig dicht wird es ja erst auf der anderen Seite des Airports, wo hinter dem Dickicht der Spediteure und Ethnomöbel-Lagerschuppen Kuta im Küstenbrei schwimmt, jene verrückte Ecke, in der bekanntlich alles angefangen hat und wo, bis auf die verschwundenen Felder natürlich, noch immer alles da ist: der helle Sand und die Massageöle. Und natürlich die langmähnigen Beach Cowboys, die mit mutigen Aussie-Girls per Wellenbrett und pünktlich zum Sundowner hinauspaddeln, der goldenen Sonne und des Schaukelns des Brettchens auf den Wellen wegen. Gewachsen ist Kuta zunächst nach innen, denn das Palmenhoheitsgebot - kein Hotel höher als eine Palme - nahm die mächtige Balinesen-Community ernst. Als es trotzdem eng wurde mit den Batikläden und Aussie-Tränken für den nächtlichen Pub Crawl, wurde zügig ausgelagert. Plötzlich en vogue: Legian, der Strandabschnitt gleich nebenan. Dann, wir halten bereits in den Nineties, die Hotelstrände weiter im Osten: Sanur und Nusa Dua, ein konfektioniertes Stück Fünf-Sterne-Tropen, in dem die Taxifahrer weiße Handschuhe tragen und die Pauschalurlauber die dicken Einkaufstaschen ihrer Frauen.

Bloß wer heute nach neuen Trendecken Ausschau hält, schlägt andere Wege ein - und entdeckt so den rauen Charme der südlichen Bukit-Halbinsel, jenes trockenen Bali-Anhängsels, in dem der Kapokbaum seine grünen, wollgefüllten Würste von den Zweigen hängen lässt und das viele bloß als Abendtermin in ihre Reiseplanung hineinzwängen, um der Reihe nach eine spektakuläre Steilküste, dann den Sundowner beim Tanah-Lot-Tempel und hinterher die Glut und die flackernden Schemen der dort auftretenden Kecak-Tänzer zu sehen.

Oder besser noch deren Kolleginnen, backstage, beim Anlegen des Prinzessinnen-Make-ups. Doch auch die übrige Bukit-Westküste unter die Lupe zu nehmen, so wie das wagemutige australische Surfer seit jeher tun und ganz zuletzt der römische Juwelier Bulgari, ist kein Fehler. Immerhin findet hier gerade Balis Zukunft statt - oder zumindest jene der lokalen Immobilienbranche. Wer die imposanten Wellen und die vom Meer ausgewaschenen Grotten der Steilküsten kennt, gibt dem Bulgari-Clan wohl recht. Vergangenen Herbst eröffnete dessen Luxushotel hoch über den siebzig Meter senkrecht abfallenden Klippen, von denen nun eine Seilbahn zur privaten Beach hinunterführt. Das schwarzgetönte Glas der Liftkabine - es gleicht einem Nadelöhr ins Reich der Dämonen, dem wilden Meer, in dem, hier hörten sich Balis Mystiker wohl bei den Fischern um, es von scharfen Zähnen, sprich Klippen, nur so wimmelt. Andererseits: ein blendend weißer Sandstrand, auf einer engen Urlauberinsel wie Bali? Einer, der nicht hinter dem nächsten Felsen endet, sondern noch ewig, und ewig einsam, weitergeht?

Zwei, vielleicht drei Kilometer, so sicher sind sich die Burschen da nicht, die im Bulgari- Designer-Sarong den wenigen Gästen Perrier nachtragen. Kein Wunder, dass schon andere Investoren nachgezogen sind: die Banyan-Tree-Gruppe etwa oder die Betreiber des vor wenigen Wochen eröffneten 18-Loch-Golfplatzes auf Pecatu. Schon sind die von Baggern aufgewühlten Erdränder hinter den Spezialrasen gekehrt und von Golffähnchen und spießigen Luxusvillen festgepinnt - wie ein Computer-Rendering sieht die Golf-Gegend erst recht aus.

Dass das mit viel Kletterei und Mühe erschlossene Paradies der Surfer nun ein Fall für Label-Travel werden soll, macht eine Bucht weiter, unter den Korallenbäumen und Strohdach-Hüttchen des relaxten Surfer-Hangouts Padang Padang freilich keine echte Freude. Über schmale Klettersteige und mit ebenso schmaler Börse hatten Surfer schon seit Jahren die geschützten Buchten für sich entdeckt. Doch jetzt wird es eng an der löchrigen, lange Zeit übersehenen Küstenklippe. Schon hat man den weißen Sonnenschirmchen des feinsten Sandstrandes der Gegend, dem umwerfend schönen Dreamland Beach, kleine stylische Messingglöckchen umgehängt. Noch wird statt Perrier von den Meeresdämonen Salzwasser serviert.

In dicken Walzen kommen die Wellen herein, mit bis zu acht Meter Höhe sind sie in Surferkreisen längst Legende: Uluwatu Point, Suluban heißen die benachbarten Ecken, an denen man besser mit Neopren einsteigt.

Zuschauen kann man freilich ganz bequem. Denn dazu haben die Korallen weiche Liegeklippen gebaut, samt wasserfestem, plüschig weichem Algenbezug in der Modefarbe Grün - bis auf weiteres Gratisplätze, für jeden, der sich hier, umgurgelt von starker Strömung, Platz zu nehmen traut. (Robert Haidinger/DER STANDARD/Rondo/25.1.2008)

Anreise: Tägliche Direktflüge mit Singapore Airlines nach Denpasar/Bali.

Alternative: Qatar Airways mit Umsteigen in Doha.

Unterkunft:
The Elysian Seminyak
E-Mail: reservations@theelysian.com
Bali Bulgari
E-Mail: infobali@bulgarihotels.com

Allgemeine Infos:
Indonesisches Fremdenverkehrsamt
Frankfurt, Wiesenhüttenstraße 17
60329 Frankfurt (0049/69) 23 36 77
tourismindonesia.com
bali-tourism-board.com


Die aktuellsten Reisethemen gibt es wöchenlich im Reise- Newsletter. Abonnieren Sie hier den Reise-Newsletter
Share if you care
14 Postings
Bald Umweltnotstand auf Bali

Wie jedes Jahre musste auch heuer wieder der herrliche kilometerlange Strand von Kuta wegen gesundheitsgefaehrdender Umweltverschmutzung fuer Tage gesperrt werden. Die Insel steuert zielsicher einer Umweltkatastrophe groessten Ausmasses zu.
Dieser Artikel in der lokalen BALI ADVERTISER Zeitung (herausgegeben von und vor allem fuer Auslaender, die auf Bali leben) spricht fuer sich selbst:
Bali’s Kuta Beach Closed due to Pollution

Travelers have reportedly been advised not to swim in Bali’s most popular beach due to high levels of rotting plankton.Seasonal winds have littered Kuta’s famous beach with rubbish and a massive plankton infestation has turned the water dark brown, according to local media reports. According to the report tourist

nusa dua

der bericht taeuscht ein bissl, nachdem ja bukit der westliche teil von nusa dua ist....dort gibt es die groesste dichte an 5* Hotels auf Bali ueberhaupt und dies schon seit jahren....kann mir nicht vorstellen, dass es dort noch lange ruhige plaetze gibt....wenn man solche sucht, ist man auf lombok, der nachbarinsel von bali viel besser aufgehoben, dort gibt es sie noch, die touristenfreien zonen, wo man mit einheimischen fischen und schnorcheln kann, ohne dass ein deutscher urlauber nach den letzten ergebnissen der bundesliga fragt...bali ist selbst im osten in der gegend von amed schon zu ueberlaufen, es gibt keine traumstraende, wie sie durch die werbung vorgegaukelt werden, das ist laengst vergangenheit......

Und wie es die noch gibt :-). Freunden Sie sich einfach mit einem Taxifahrer an - Sie werden aus dem Staunen nicht mehr herauskommen...

Na na, Nusa Dua ist doch ein sehr kleines Gebiet auf der Halbinsel. Bukit bedeutet übrigens Hügel, und auf dem Hügel wird in den letzten Jahren viel gebaut, allerdings mehr Villen und weniger Hotels. Einsame Plätze gibt's noch genug.
Für die meisten Besucher (ausser den Ballermann-Australiern in Kuta) ist an Bali die Kombination aus Kultur, Landschaft und Strand reizvoll. Landschaftlich kann Lombok noch teilweise mithalten, aber kulturell ist halt nicht viel zu holen (moslemisch). Also ok für Strandurlaub, Tour auf den Rinjani, aber sonst kein Vergleich zu Bali.
Und für einen Strandurlaub ist Phuket sowieso näher und besser.

Dann schauen sie mal in den Norden,

nach Singaraja. Dort, in Kalibukbuk gibt es die Strände, mit sauberem Wasser, ohne gefährliche Strömung wie in Kuta.
Allerdings sind die Strände schwarz, dafür unendlich.
Unerträglich langweilig ist es dort, es gibt nichts zu tun ausser faulenzen, baden, lesen. Keine Diskos, keine Lokalmeile, kaum Geschäfte, wenig aufdringliche Verkäufer, die reine Hölle....

Den ruhigen Flecken

auf Bali gibts schon noch. Lovina an der Nordküste.

wenn ich solche o.ä. artikel lese

denke ich oft: wie gerne würde ich dort sein noch BEVOR der tourismus dort allgegenwärtig ist! - um im nächsten moment zu denken: aber auch ich wäre doch nur eine touristin ...
leider habe ich nicht das budget, um mir DAS als "soft-touristin" leisten zu können. und somit ist es wohl besser ich träume nur davon ...
ps: ich meine das genau DAS wirklich VIEL kosten sollte ODER viele einschränkungen bedeuten sollte! damit so ein stück erde nicht verkommt ...

ich kann ihnen amed, dort war es vor ein paar jahren noch ziemlich ruhig und man wurde einfach von den einheimischen zum essen eingeladen, dafuer nahm man ihnen etwas aus der stadt mit (einen block eis, oder was auch immer gerade notwendig war), oder man half einfach beim an land ziehen der fischerboote oder beim reparieren eines daches. alles in allem ein traumhafter urlaub, zumindest fuer mich war es einer

bali

ist schon mehr als verkommen.

so wie nahezu alles andere auch.

da helfen die einheimischen auch gehörig mit keine sorge!

mann mann


schon mal in bali gewesen? wenn ja - ausserhalb von kuta?

auf bali wohnen die nettesten menschen der welt.

die nettesten menschen der welt sind meine eltern.

und die wohnen in oesterreich.

nein -

war noch nicht dort. nur ein paar Freunde von mir.

doch die nettesten Menschen der Welt, da wäre ich immer vorsichtig mit solchen Aussagen.

Wo ich war ist Sri Lanka - und dort war es alles andere als schön.

Auch Thailand ist verkommen - es würde mich wundern, wenn es auf Bali anders wäre.

Man darf Armut nicht mit Romantik verwechseln. Natürlich sind Arme eher entgegenkommend, als wir reichen Individualisten.

Und wenn ich wie oben beschrieben lese, wir haben fischerboote an land gezogen, das war der schönste urlaub, stellen sich mir sowieso alle haare auf.

wenn es so schön war, warum bleibt sie dann nicht dort und zieht jeden tag boote aus dem wasser und wenn nicht, dann gibt es eben mal ein paar tage nichts zu essen...

Sri Lanka

wo in Sri Lanka waren Sie denn und was hat Ihnen dort nicht gefallen? Vielleicht sollten Sie mal abseits des 08/15 Touristentums ein Land besichtigen, dann wüßten Sie, dass Ihre Aussage sehr kleinkariert ist. Sie sind sicher der typische AI-Urlauber, der sich von vorne bis hinten bedienen läßt und keinen Gedanken an das Land, die Leute und deren Leben dort verschwendet, gell? Am Besten, Sie bleiben zukünftig daheim, genau solche Touristen wie Sie sind mir nämlich zuwider.

... was

... ist mit ihnen los - geht es ihnen schlecht ???

ich bin weder AI noch sonst etwas - im Gegenteil ich bin mit VW-Busen von Einheimischen chauffiert quer durch das Land gedüst.

Durch die Steppe, die Reisfelder - etc.

Vom Westen über den Süden bis in den verbotenen Osten.

Im Osten sind übrigens ständig Hochgepanzerte-Militär - LKW's die Straße entlanggefahren um Mögliche Sprengsätze zu entschärfen.

Also denkens ein bisschen nach, bevor sie jemanden wie mich kleinkariert nennen oder ähnlichen Stuss von sich geben.

Sri Lanka ist in keinster Weise empfehlenswert.
Für einen Europäer gibt's dort kaum was - ein schreckliches Land - auch und vor allem die Menschen dort.

Wenn es Ihnen gefällt - empfehle ich Ihnen ihre eigene Medizin !!!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.