
Diese Jungs stehen gewaltig unter Druck. Auf "The Bedlam in Goliath" legen sie los: The Mars Volta!

The Mars Volta: "The Bedlam in Goliath" (Universal)
Schon nach wenigen Sekunden, die man in das neue Album von The Mars Volta reinhört, erklärt sich das Wort "Bedlam" - Tumult - im Titel wie von selbst. The Bedlam in Goliath heißt dieses Album mit ganzem Namen, und es ist ein Werk des ausufernden Irrsinns. Es klingt ein wenig so, als wäre jemand auf die Idee gekommen, eine Atari-Teenage-Riot-Coverband zu gründen, um den technoiden Noise-Punk von Alec Empire und seinen Mitstreitern mittels traditionellem Bandkonzept nachzustellen - und das blöderweise mit Erfolg!
Wer sich schon nicht imstande sieht, Atari Teenage Riot zu hören - und dafür gibt es einige sehr nachvollziehbare Argumente -, kann bei The Mars Volta auch eher mit physischem Unbehagen und entsprechenden Ablehnungsreaktionen rechnen. Von wegen: Mach den Scheiß aus, das hält ja kein Mensch aus! Und man muss kein Oldtimer sein, der im Kirchenchor singt, um eine derartige Reaktion nachvollziehen zu können. Fakt ist: The Mars Volta nerven. Und zwar gewaltig. Und aus dieser Gewalt, aus dieser Macht erwächst das Verführungspotenzial dieses Abkömmlings der auch schon nicht ganz waffenscheinpflichtfreien US-Band At the Drive-In, die sich 2001 zugunsten von The Mars Volta und Sparta auflöste. Aber man muss sich eben darauf einlassen - können.
The Mars Volta, das sind aktuell die acht hübschen Jungs da oben um die beiden Bandgründer Cedric Bixler-Zavala und Omar Alfredo Rodriguez-Lopez - da ist der mit der 1974er-Glam-Rock-Frisur und der im Sakko und mit Brille. Bedlahm in Goliath ist das vierte Studioalbum, nebst einigen EPs und Singles, mit denen sich die Band ein Profil erspielt hat, das entweder fanatische Zuneigung oder kopfschüttelnde Ablehnung erlaubt. Dazwischen scheint nicht viel Platz zu sein - auch wenn The Mars Volta durchaus imstande sind, in raren Momenten auch vergleichsweise konventionelle, hübsche Songs zu spielen. Aber das ist nicht ihr eigentliches Anliegen.
The Mars Volta spielen Prog-Rock mit den Mitteln des Punk. Das klingt anachronistisch. Immerhin war ja Punk ursprünglich als Gegengift zu den immer fader werdenden und diese Langeweile akademisch und/oder mit eitler Virtuosität kaschierenden Rock- und Pop-Dinosauriern gedacht gewesen. Cedric Bixler-Zavala, Omar Alfredo Rodriguez-Lopez und Co spielen wie der alte "Feind" üppige und ausufernde Kompositionen, verwenden wie ehedem schmierige Synthesizer und neigen zu Konzeptalben. Doch all diese Zutaten werden mittels Punk hysterisch komprimiert. Hysterisch ist auch das Stichwort für Bixler-Zavalas Gesang, der hier wieder klingt, als würde jemand eine Schallplatte statt auf 33 auf 45 Runden pro Minute abspielen. Also Micky-Mouse-Prog-Punk-Oberton-Gesang im Einzugsgebiet akuter Kastrationsangst.
Rasanz und Dynamik bezieht man aus abenteuerlich gesetzten Breaks, in denen sich die Band stellenweise auch menschenfreundlich gibt - kurz. Live überschreitet das jedenfalls gerne und hingebungsvoll die Grenze zur Ekstase. Unterstützung erfährt The Mars Volta wieder von Fan John Frusciante, seines Zeichens Jimi Hendrix der Red Hot Chili Peppers, der sich hier psychedelischen Gitarrenläufen bis hinaus zu den Ringen des Saturns hingeben darf.
Anstrengend? Oh ja, aber möglicherweise eine der letzten Bastionen jugendlicher Aufsässigkeit. Das hier taugt definitiv als Musik gegen die Elterngeneration. Selten zuvor wurde Muttis Suppe derartig nachdrücklich abgelehnt! (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2008)
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das album jetzt so is, im vergleich zu anderen mars volta- alben, oder so im allgemeinen, ob fortschritt, oder nicht, das weiss man jetzt leider auch nicht.
super kritik, wir erfahren, was wir wissen, aber neues, kompetentes oder interessantes lässt sich leider nicht finden. schade...
tja aber wenn für leute die es um die musik geht sind bei fluchs oder schachingers rezis eh am falschen platz
ansonsten
www.thecomatorium.com oder
www.visions.de
da stehn die interessanten sachen drin!
es ist mehr eine allgemeine info über die band, anlässlich des neuen albums. ist doch auch okay, für eine tageszeitung. wer in-depth-reviews will, der sieht sich im internet um oder kauft musikzeitschriften.
in einer tageszeitung, auch in deren wochenendbeilage, geht es mehr um "wer taucht wo auf und ist wie und warum vielleicht interessant".
sicher, man könnte alles immer irgendwie besser machen, gerade rezensionen, aber die herren haben ja auch beschränkten platz.
würde sagen, das Album hört sich eben an wie Mars Volta, nur durchgehend auf maximum laut und schnell - am ehesten vergleichen würd ichs mit 'de-loused', nur halt ein wenig ... melodischer? songorientierter? funkiger? kohärenter? Keine Ahnung, wie das Wort gehen muss. Mir gefällts.
Wahrscheinlich eher als Kinderschreck, denn als Elternschreck geeignet.
Kunst besitzt keinerlei Verpflichtung "schön" zu sein.
Die gehobene Corporate Identity des Standards ist in diesem Artikel wohl abhanden gekommen.
Wertes Standard-Team, ich würde ihen Raten, ihre Mitarbeiter vor dem Verfassen von Kritiken, tiefgründigere Recherchearbeiten durchführen zu lassen.
mfg,
kristian
Also warum eigentlich Musik gegen die Eltern?
Jetzt mal im Ernst, ich wähne mich musikalisch halbwegs gut zivilisiert. Damals mit 12 angefangen Cd um cd zu kaufen und grossartige "Rocknroll-Adoleszenz" erleben dürfen ;-). Aber ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern auch nur eine CD aufgrund einer "contra"-Tauglichkeit für die Alten zu erwerben. Echt. Ich habe Berge von Musikzeitungen verschlungen und bin auf Konzerte gegangen. Und vielleicht wäre dies der Tipp uns Ansatz zu Zeiten der "alternative-mainstream"-begleitgedudel-08/15-saftlos-suppe. "Die Eltern schocken" finde ich da ein bisschen musikalisch dünn und albern. Mars Volta sind sicher besser als einiges derzeit. Sind sicher fans von zb. Victims Family, Minutemen und Nomeansno.
... solange man noch die Zeit bekommt sich bei seinen Eltern im Nachhinein zu entschuldigen . Gegen was man sich allerdings ein Leben lang stellen muss ist der selbstauferlegte Mainstream der gesellschaftlichen Zivilisation des jeweiligen Landes . Warum : -Kleine Maenner- sind in fast jeder Gesellschaft in der Mehrheit - Vor Allem im gebirgigen Teil Europas . Deswegen stur bleiben und sich nicht an die Beliebigkeit der dummen Masse anpassen . (Es ist irre wenn man sich vorstellt dass viele Menschen Tabletten nehmen muessen um ihre vorhandene Intelligenz zu unterdruecken statt Sie bewusst auszuleben)
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