Mit Kopf und sieben Krägen

26. Jänner 2008, 17:00
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Neben Ute Ploier und Petar Petrov präsentierte in Paris noch ein anderer Österreicher seine Männerkollektion: Wilfried Mayer

Als das Style-Magazin der "New York Times" im vergangenen Herbst Wien als das neue Epizentrum von Mode mit Köpfchen ausrief und die Protagonisten der Szene vorstellte, da war auch Wilfried Mayer dabei - obwohl der junge Designer hierzulande beinahe unbekannt ist. Nach seinem Studium bei Raf Simons an der Wiener Angewandten ging Mayer als Schuhdesigner zu Bally nach Mailand, arbeitete anschließend als Praktikant bei Carol Christian Poell und bei Miguel Adrover in New York. Seine eigenen Kollektionen bekamen nur wenige zu Gesicht. Sie rühmten allerdings die Sorgfalt, mit der seine Mode gearbeitet ist.

Jetzt, nach der ersten offiziellen Kollektionspräsentation (anlässlich der Männermodeschauen in Paris), wird sich Mayers Bekanntheitsgrad bald ändern - zumindest ist das zu hoffen. Zu entdecken ist ein Designer, der einen ganz anderen Weg geht als seine mehrheitlich konzeptionell arbeitenden Wiener Kollegen. Mayers Domäne ist die klassische Abendgarderobe, samt Frack und Spencer. Ihre Elemente ziehen sich durch die gesamte, sehr hochwertige Kollektion, Mäntel haben ein (allerdings übereinandergelegtes) Smokingrevers, Capes sind wie Frackcapes gearbeitet, der Galonstreifen wird auch auf Hemden und Jacketts zitiert. Produziert wird in Tschechien; in Österreich, so Mayer, sei die Herstellung in dieser Qualität nicht möglich. Qualität scheint derzeit auch bei anderen Designern aus Österreich das Schlagwort der Stunde zu sein.

Konstruktivistische Ästhetik

Bei Petar Petrov liegt die Neuigkeit diesmal im Material und dessen Verarbeitung. Der Look, den er für Herbst/Winter 2008/09 in Paris präsentierte, ist eine Fortführung seines west-östlichen Street-Styles. Die Stiefel aus weichem Leder schoppen sich am Knöchel, die wie umgestülpt wirkenden Hosen sind mit Abnähern versehen, bei den Oberteilen arbeitet er mit Einsätzen aus Nylon. Der Einfluss einer konstruktivistischen Ästhetik ist vor allem in den mit grafischen Mustern spielenden Pullis zu sehen.

Sehr geradlinig auch die Ästhetik von Ute Ploier, die nach einer etwas schwächeren Kollektion diesmal zu Hochform aufgelaufen ist. Ihr Ansatz: eine Verstärkung klassischer Elemente der Herrengarderobe. Konkret bedeutet das eine Vervielfachung der Krägen beim Trench, Fliegen in Form übereinandergeschichteter Rechtecke, ein Smokinghemd mit Biesen nur auf einer Seite. Das klingt konzeptioneller, als es in der Realität ausgeführt ist. Sowohl die Outfits für den Abend als auch jene, die von der Militärgarderobe beeinflusst sind, sind tragbar und punkten durch ihre Details. Die Sportoutfits durchzieht dagegen ein Hauch von Sci-Fi: aufblasbare Westen, Hosen aus Neopren. Die Zukunft hat für die Designer aus Wien bereits begonnen. In New York weiß man das schon länger. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/25/01/2008)

  • Die Designs von Wilfried Mayer sind von der Abendgarderobe inspiriert.
    foto: hersteller

    Die Designs von Wilfried Mayer sind von der Abendgarderobe inspiriert.

  • Petar Petrov setzt auf einen west-östlichen Street-Style.
    foto: hersteller

    Petar Petrov setzt auf einen west-östlichen Street-Style.

  • Ute Ploier spielt mit Details.
    foto: hersteller

    Ute Ploier spielt mit Details.

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