Jung, weiblich, zugewandert

5. Februar 2008, 21:52
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Schwestern im Polizeidienst in Wien - Von insgesamt 5000 Kieberern in Wien sind gerade einmal 50 Beamte mit Migrationshintergrund unterwegs

Wien – Allfällige Rumänisch-Deutsch-Übersetzungen erledigen in der Polizeiinspektion Rainergasse die Schwestern Mircioane. "Es wäre ja auch absurd, dafür einen Dolmetscher anzufordern", sagt Adina Mircioane. Seit zwei Jahren ist die 24-Jährige in Wien-Wieden Inspektorin, seit letztem Jahr schiebt auch ihre drei Jahre jüngere Schwester Gordana in der Rainergasse Dienst. Die beiden gehören zu jenem einen Prozent der Wiener Exekutivbeamten, die aus Zuwandererfamilien stammen.

Vieles ist einfacher

In der Bundeshauptstadt sind gerade einmal 50 Polizistinnen und Polizisten mit Migrationshintergrund unterwegs – von insgesamt 5000 Kieberern. "Dass wir zweisprachig sind, ist auf jeden Fall ein Vorteil", sagt Gordana Mircioane. "Das macht erstens vieles unkomplizierter und hilft zweitens dabei, Verbrechen aufzuklären. Denn kein Verdächtigter rechnet damit, dass wir ihn verstehen, wenn er Rumänisch spricht."

Ein sicherer Job

Die Jungpolizistinnen sind seit gut zehn Jahren österreichische Staatsbürgerinnen. Ihre Eltern kamen kurz nach dem Zusammenbruch der Ceauºescu-Diktatur 1989 nach Wien. Sprachprobleme hatten die Schwestern Mircioane, die in einem Leopoldstädter Gymnasium maturierten, nie. "Das Deutschlernen ging eigentlich ganz von selbst", sagt Adina Mircioane. Auf die Idee, zur Polizei zu gehen, brachte die zwei ihr Vater. "Er hat immer gesagt: ,Das ist ein angesehener und sicherer Job.‘"

Zufällig im selben Wachzimmer

Dass das Schwesternpaar im selben Wachzimmer landete, ist zwar Zufall, froh sind die zwei darüber trotzdem: "Wir arbeiten gut zusammen und tauschen uns sehr oft aus." Ihr Migrationshintergund ist für die Mircioanes im Job kein Problem. "Allerdings haben ein paar ältere Kollegen ein Problem damit, dass es jetzt auch Frauen bei der Polizei gibt", sagt Adina Mircioane, die nebenbei Jus studiert.

Die nächsten paar Jahre möchten die zwei rumänischstämmigen Inspektorinnen auf jeden Fall im Außendienst bleiben. "Den ganzen Tag nur im Büro zu sitzen können wir uns nicht vorstellen." (Martina Stemmer/ DER STANDARD Printausgabe 24.1.2008)

  • Adina und Gordana Mircioane: "Zweisprachigkeit ist in diesem Job ein Vorteil"
    foto: standard/ andy urban

    Adina und Gordana Mircioane: "Zweisprachigkeit ist in diesem Job ein Vorteil"

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