Grenzen ausloten in der "Hexenküche"

29. Februar 2008, 20:50
posten

Naturfilmer Alfred Vendl macht das Unsichtbare sichtbar - "Universum - Grenzen der Zeit", Donnerstag, 20.15 Uhr, ORF 2

Dass man Alfred Vendls Wirkbereich gerne "Hexenküche" nennt, ist unfair. Es sei denn, es ist die Rede von hochtechnisierten Hexen des 21. Jahrhunderts: Am Institut für Kunst und Technologie, Abteilung Science Visualization an der Wiener Universität für Angewandte Kunst, macht Abteilungsleiter und Naturfilmer Alfred Vendl das Unsichtbare sichtbar. Freilich nicht mit Rattenschwanz, Schlangenzahn und finsterer Magie, sondern mit modernster Computertechnologie und einem Gespür für Trickreichtum.

Die beschaulichen Naturbilder, die "Universum" für gewöhnlich bringt, sind "eigentlich gar nicht meins", sagt Vendl, bekennender Spät-68er: Von der Wand schaut Che Guevara runter. Damals drehte der im Herbst 2007 mit dem "Oscar des Naturfilms" ausgezeichnete "Universum"-Filmer Vendl in der Avantgarde-Szene, ein Vietnam- bzw. Anti-Kriegs-Film entstand. In den 80ern kamen Sportfilme: "Mit Dieter Seefranz eine Stunde über Fechten. Hat herrlich funktioniert."

Nach Grenzen der Wahrnehmung 2002 machen Alfred Vendl und sein britischer Kollege, der Biologe Steve Nicholls, nun auch die Grenzen der Zeit sichtbar. Im Wechsel von Be- und Entschleunigung gelingen Vendl dabei Bilder, die so noch nie zu sehen waren. Für die Fliege sind wir Menschen zum Beispiel lahme Enten, bewegen uns wie in Zeitlupe. Vendl verwendet Hochgeschwindigkeitskameras, um die Flugmanöver der Fliege zu verstehen. Und das hat irgendwie doch einen ganz besonderen Zauber. (Doris, Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 24.1.2008)

"Universum - Grenzen der Zeit", Donnerstag, 20.15, ORF 2
  • Eine Wechselkröte beim blitzschnellen Erlegen der Beute mithilfe ihrer ausrollbaren Zunge.
    foto: orf/av dokumenta

    Eine Wechselkröte beim blitzschnellen Erlegen der Beute mithilfe ihrer ausrollbaren Zunge.

Share if you care.