"Prävention statt Jugendlager"

27. Februar 2008, 21:06
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SPÖ präsentiert Gegenkonzept zu ÖVP-Vorschlag - Setzt auf Förderung von Einrichtungen - "Mehr Fantasie" bei Sanktionen

Wien - "Besser in Prävention investieren, als später in Jugendlager" - das ist die Kernaussage des Zehn-Punkte-Programms der SPÖ gegen Jugendkriminalität, das heute, Mittwoch, in Wien präsentiert wurde. Laut Frauenministerin Doris Bures, Justizministerin Maria Berger, Sozialminister Erwin Buchinger und Bildungsministerin Claudia Schmied will man verschiedene Einrichtungen fördern, mehr Schulpsychologen einstellen und vor allem wieder einen Jugendgerichtshof einrichten.

Die Zahl von Jugendlichen in österreichischen Justizanstalten ist im Zeitraum vom 1. Jänner 2004 (250 Inhaftierte) bis zum 1. Jänner 2008 (142 Inhaftierte) um 43,20 Prozent gesunken. Laut einer Aufschlüsselung des Justizministeriums stieg die Zahl bei den 18- bis 21-Jährigen im gleichen Zeitraum von 568 auf 619 Inhaftierte.

Jugendgerichtshof

Laut Justizministerin Berger könne man nur mit einem Jugendgerichtshof den Heranwachsenden gerecht werden. Dieser soll in Wien-Erdberg mit 35 spezialisierten Richtern und Staatsanwälten entstehen. Dort ist für Anfang 2010 zudem die Eröffnung eines Jugendkompetenzzentrums mit einem forensischen Zentrum für Jugendpsychiatrie geplant.

Bei Sanktionen sei "mehr Fantasie" gefragt, so die Justizministerin. Statt kurzer Freiheitsstrafen seien Maßnahmen wie gemeinnützige Arbeit oder Hausarrest sinnvoller.

Bildungsgarantie

"Attraktive Bildungsangebote" wie die Bildungsgarantie bis zum 18. Lebensjahr müssten weiterhin erarbeitet werden, so Schmied. Die Anzahl von Schulpsychologen will die Ministerin von derzeit rund 150 auf etwa 180 aufstocken. Ab März sollen an Schulen mit Lehrern, Eltern, Schülern, Kinder- und Jugendanwaltschaften Verhaltensvereinbarungen geschlossen werden.

Die Frauenministerin konzentrierte sich schwerpunktmäßig auf Prävention bei Gewalt gegen Mädchen bzw. entsprechende Hilfsangebote. 22 Prozent der Burschen würden Gewalt als Konfliktlösung einsetzen, bei den Mädchen seien es nur vier Prozent, so Bures. Initiativen im Kindergarten und an Schulen wie die "Gender Tage" sollen fortgeführt werden. Die Mittel für entsprechende Beratungsstellen seien um 40 Prozent aufgestockt worden, sagte Bures.

"Gewalt ist Alltagsthema"

"Eine Umfrage unter 700 Jugendlichen bestätigte, dass Gewalt ein Alltagsthema ist", so Männerminister Buchinger. Auf die Frage "Wurdest du persönlich schon einmal mit Gewalt konfrontiert?" antworteten rund 80 Prozent mit "Ja". Ebenso 63 Prozent bei "Kommt es an deiner Schule zu Gewalt unter Schülern?". (APA)

  • Statt kurzer Freiheitsstrafen seien Maßnahmen wie
gemeinnützige Arbeit oder Hausarrest sinnvoller, sagt Justizministerin Berger.
    foto: fischer

    Statt kurzer Freiheitsstrafen seien Maßnahmen wie gemeinnützige Arbeit oder Hausarrest sinnvoller, sagt Justizministerin Berger.

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