Microsoft geht in die Ämter

28. Februar 2008, 14:04
7 Postings

Bill Gates zu Gast bei Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit

Auf dem Government Leaders Forum (GLF) in der deutschen Hauptstadt wird er zwar erst heute, Mittwoch, anwesend sein. Der Besuch von Microsofts Noch-Chefentwickler Bill Gates beim regierenden Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit gestern, Dienstag, beschäftigte die deutschen Medien jedoch ohnehin mehr als der eigentliche Anlass seiner Anwesenheit. Schließlich ist Gates schon vor seinem Rückzug aus dem offiziellen Business des Softwarekonzerns eine lebende Legende.

Tradition

Die Veranstaltung des GLF hat schon eine kleine Tradition, heuer hat sie zum zehnten Mal Politikern, Wirtschaftsmanager und Bildungsexperten eingeladen, um über E-Government, Bildung und IT-Qualifizierung zu diskutieren.

Die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen und elektronischen Dienstleistungen für den Bürger stehen vor neuen Herausforderungen. Während die größeren Städte in Europa über ein umfassendes Online-Angebot verfügen, orten die Experten in kleineren Gemeinden noch einigen Nachholbedarf. Hinzu kommt, dass die Ansprüche der Bürger an die Behörde gewachsen sind. In Zeiten des Web 2.0 („Mitmachweb“) erwarten sich die Nutzer von elektronischen Ämtern mehr als nur die Möglichkeit, sich zu informieren und einen Antrag am eigenen PC ausdrucken zu können.

Netze

Andererseits lastet der steigende Kostendruck auf den öffentlichen Verwaltungen. Ein relativ einfaches, doch im vereinten Europa und vielfach auch auf nationaler Ebene versuchter Lösungsansatz lautet hier: Vernetzung und Austausch. „Es wird in der digitalen Gesellschaft viel über Urheberschutz und Copyright geredet. Bei guten Ideen in der öffentlichen Verwaltung kann es aber kein Copyright geben, sondern wir sollten hemmungslos voneinander kopieren, um zu lernen“, betonte dazu Berlins Bürgermeister Wowereit.

Das Land an Havel und Spree regt etwa zur Nachahmung des Berlin-Telefons an, das als Modell für die deutschlandweit einheitliche Behördenrufnummer 115 gilt. Unter der 115 sollen deutsche Bürger in Zukunft einen Mitarbeiter der Verwaltung erreichen können, der ihnen bei allen möglichen Fragen zur Verwaltungsangelegenheiten hilft und sie gegebenenfalls weiterleitet.

Schlüssel

Dass Informationstechnik bei der Modernisierung der Verwaltung eine Schlüsselrolle zukommt, machte die deutsche Justizministerin Brigitte Zypries deutlich. Voraussetzung dafür seien interoperable Systeme und Standards, damit im Europa ohne Grenzen Verbrechensbekämpfung nicht an den Grenzen der Technik halt macht. Viele Projekte im Bereich der E-Justiz scheiterten derzeit an Sonderwünschen, so die Politikerin. Mit einer in Berlin präsentierten Citizen Service Platform (CSP) will der US-Softwarekonzern den Behörden dabei helfen, seine Dienste einfacher an die Bürger zu bringen. (Karin Tzschentke aus Berlin, DER STANDARD Printausgabe, 23. Jänner 2008)

  • Artikelbild
Share if you care.