Linke wollen Burschenschafter "aus der Hofburg verbannen"

22. Jänner 2008, 20:52
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GRAS und ÖH Uni Wien fordern den Präsidenten auf, den Korporationsball zu verlegen - Der Organisator ist erschüttert: "Leben in einer Demokratie"

Die Aufregung um die Rechten lässt die linken Studierenden nicht los: Diesmal kritisieren die ÖH Uni Wien und die GRAS den Wiener Korporationsball, der am Freitag, 25. Jänner, stattfinden soll. Der habe in der Hofburg nichts zu suchen. Udo Guggenbichler vom Ballausschuss und Mitglied des Pennäler Rings, kann das im Gespräch mit derStandard.at nicht nachvollziehen. Er ist "erschüttert" über die Vorgehensweise der Studierenden.

"Haben hier nichts verloren"

Der Ball wurde 1952 vom Wiener Korporationsring, ein Zusammenschluss von Burschenschaften und Studentenverbindungen, ins Leben gerufen. Seit 49 Jahren findet er laut Guggenbichler in der Hofburg statt, davor im Konzerthaus. Der Veranstaltungsort gefällt der ÖH allerdings gar nicht. In einem offenen Brief fordern sie Bundespräsident Heinz Fischer auf, dazu Stellung zu nehmen, denn: "Schlagende Burschenschafter haben in der Hofburg nichts verloren!" Dem schließen sich die Grünen Alternativen Studierenden (GRAS) an. Sie ermahnen den Präsidenten, den Kooperationsball sogar aus der Hofburg zu verbannen.

Unabhängiges Gesellschaftsereignis

Guggenbichler versteht die Aufregung nicht: "Das ist ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem parteipolitische Einflussnahme nichts zu suchen hat", lautet sein Argument. Auch der Ballausschuß sei politisch unabhängig. Er ist "erschüttert", dass die Studierendenvetretungen solche Forderungen äußern. "Wir leben in einem demokratischen Land, und diese Veranstaltung ist offiziell angemeldet", betont er. Den Ball besuchen laut Guggenbichler jährlich 2.000 Gäste aus ganz Europa: "Die Veranstaltung ist deshalb auch ein großer Wirtschaftsfaktor für Wien."

Die GegnerInnen der Burschenschaften haben sich bereits zum "Arbeitskreis gegen den Wiener Kooperationsring" (AKggWKR) zusammengeschlossen. Sie planen im Museumsquartier – "in unmittelbarer Nähe zu Hofburg" – ein "großes linkes, antifaschistisches Fest". Laut einer Sprecherin von AKggWKR hätten mehrere Vereine und Studierendenvertretungen Gegenveranstaltungen geplant, die schließlich alle am Freitag im Museumsquartier zusammengelegt werden. Ob die GegnerInnen dann auch bei der Hofburg vorbeischauen werden, wollte sie gegenüber derStandard.at nicht verraten: "Die Gegenparty ist geplant, mehr können wir nicht sagen." (lis/derStandard.at, 22. Jänner 2008)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Burschenschafter feiern wieder in der Hofburg: Auf diesem Bild bei einem Festkommers zum 200. Todestag von Friedrich Schiller im Jahr 2005.

  • Flyer zur "Gegen-Party" des AKggWKR im Museumsquartier

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