"Soziale Netze haben mehr Informationen, als die Stasi je hatte"

Redaktion, 04. Februar 2008 10:16
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    Hendrik Speck und die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung der "Social Networks".

Deutscher Wissenschafter warnt vor Datenhunger - Bei Facebook und Co. geht es um Unterhaltung, Schadenfreude und Sex

Millionen von Internet-Nutzern drängen in soziale Netze wie StudiVZ und Facebook. Diese Online-Plattformen für die Vernetzung von persönlichen Web-Auftritten entwickeln sich zu einer neuen Art von Massenmedium, wie der Digitale-Medien-Experte Hendrik Speck sagt. Völlig offen sei aber bisher die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung der "Social Networks".

Mehr Informationen als die Stasi

"Die haben mehr Informationen, als die Stasi je hatte", sagt der Informatik-Professor der Fachhochschule Kaiserslautern. Bei den drei Plattformen Facebook, MySpace und Xing hat Speck insgesamt 120 persönliche Attribute gezählt, die auf den persönlichen Seiten der Mitglieder angegeben werden können - angefangen bei Alter und Wohnort über Lieblingsfilme und -musik bis hin zu politischer Neigung und sexueller Ausrichtung. "Wir sehen da einen völlig irrationalen Zugang zu den eigenen Daten", kritisiert der Social-Networks-Forscher.

"Digitaler Exhibitionismus"

Was aber treibt die Internet-Nutzer zu dieser Art von "digitalem Exhibitionismus"? Speck und seine Studenten haben die Kommunikation in den Netzen mit Hilfe von Software-Agenten und "Crawlern" zu erfassen versucht - das sind Programme, die auf die Seiten dieser Communities vordringen und die Inhalte auswerten. "Wir stellen fest, dass da unheimlich viel offen liegt", sagt Speck.

Anerkennung und Aufmerksamkeit

Als wichtige Antriebskraft hat der Wissenschaftler das Motiv ausgemacht, über den stetig wachsenden Kreis von registrierten "Freunden" Anerkennung und Aufmerksamkeit zu erringen. Bei MySpace oder im SchülerVZ kann sich jeder auf eine Weise präsentieren, wie es in den klassischen Medien kaum möglich ist. Und weil die persönlichen Profile mit wenigen Mausklicks schnell erstellt sind, ist die Eintrittsschwelle sehr viel geringer als bei den Netz-Communities der ersten Stunde, etwa der schon 1985 gegründeten virtuellen Gemeinschaft "The WELL".

Interaktion

Bisher lang sind es meist Jugendliche und junge Erwachsene bis etwa 35, die die Mehrheit der Community-Mitglieder ausmachen. Es gebe aber Bestrebungen, die Altersgruppe nach oben zu erweitern, sagt Speck. Die soziale Interaktion in den Social Networks kreist nach seinen Erkenntnissen immer wieder um die gleichen Dinge:

1) Unterhaltung - von Musik bis zu Stars und Sternchen
2) Die gesellschaftlich geteilte Schadenfreude nach dem Motto "Pleiten, Pech und Pannen"
3) Flirten und sexuelle Beziehungen. Dabei kommen Männer direkter auf den Punkt als Frauen, die dies hinter anderen Interessen verstecken.

Die Netzbetreiber

Auf der anderen Seite stehen die Betreiber der Netze. Diese erzielen mit der Bereitstellung der Plattform zwar bisher meist noch keine Gewinne, haben aber wegen der gigantischen Zuwachsraten das Interesse von Internet- und Medienunternehmen geweckt, die wie Microsoft oder die Verlagsgruppe Holtzbrinck in Social Networks investieren. Da die Technik der Webseiten nicht besonders aufwendig sei, liege der eigentliche Reichtum in den Nutzern und ihren Daten, erklärt Speck. Bei den großen Plattformen in den USA lasse sich aus den getätigten Investitionen für die Social Networks der Wert eines einzelnen Nutzers auf einen Betrag von 20 bis 22 Dollar (14 bis 15 Euro) schätzen.

Werbung

Der Gegenwert, den die Nutzer liefern sollen, wird vor allem in der Werbung gesehen. Neben der klassischen Bannerwerbung auf den eigenen Seiten versuchen die Betreiber der sozialen Netzwerke nach Darstellung Specks, in andere Dienste wie SMS-Werbung oder E-Mail vorzudringen. Um die Werbe-Zielgruppen immer feiner zu erfassen, werde auch untersucht, wer mit welchem Profil mit wem kommuniziere. "Je tiefer die Vernetzung, desto dichter werden die Informationen", erklärt Speck.

Daten und wem sie gehören

Der Wissenschafter kritisiert, dass die Daten so behandelt würden, als gehörten sie nicht dem Nutzer, sondern den sozialen Netzwerken. Selbst wenn es die Möglichkeit gebe, einen Account zu löschen, blieben die Daten vielfach weiterbestehen. Und über die beliebten Mini-Anwendungen zur Integration in die eigene Profilseite erhielten auch die Entwickler dieser Applikationen einen Zugang zu den persönlichen Daten. "Da weiß man dann gar nicht, wer dahinter steckt."

OpenSocial

Google hat Anfang November vergangenen Jahres unter der Bezeichung OpenSocial eine Initiative gestartet, um solche Anwendungen und Schnittstellen nach einheitlichen Standards programmieren zu können. Das Projekt sei aber weder "open" noch "social", weil nicht vorgesehen sei, den Nutzern eine transparente Kontrolle über ihre eigenen Daten zu geben, bemängelt der FH-Professor. Das Projekt bemühe sich um die "Datenportabilität" zwischen den kommerziellen Projektpartnern und unterstütze die Interaktionen zwischen einzelnen Communities, versage jedoch komplett bei der Interessenswahrnehmung der Nutzer in Hinblick auf informationelle Selbstbestimmung und einem verbesserten Schutz der Privatssphäre.

Um die zahlreichen offenen Fragen nach der Verantwortung für die Millionen von persönlichen Daten zu klären, schlägt Speck einen Verhaltenskodex für soziale Netzwerke vor. Für die gemeinsame Entwicklung von ethischen Grundsätzen will er neben Datenschützern auch die Betreiber der Communities gewinnen und hofft, schon in wenigen Monaten eine entsprechende Initiative vorstellen zu können. (APA/AP)

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Ga Vi
28.01.2008 22:00
von der Volkszählung zum ~espresso

Wenn ich nur daran denke, wie sich die ÖsterreicherInnen damals bei den Volkszählungen über den Überwachungsstaat empört haben! – und nur 3 Jahrzehnte später bekommt jeder Kaffeesieder (OHNE dafür wenigstens einfach RABATT zu geben, nein, einfach so!) sämtliche Meldedaten freiwillig ins Haus getragen.

eh`wurscht
27.01.2008 16:41
Wenn man über sich selbst

was erfahren möchte, fragt man am besten sie SV, und nicht den Polizeicomputer mit dem Leumundszeugnis.
Aber das ist wirklich schon alt - also halt seit Österreichs Glanzzeiten um 1750.
Aber nur, wenn`s einen interessiert.

investor54
23.01.2008 08:07
ist neu...ist pfui

die daten die hier freigegeben werden sind alle freiwillig. nochdazu werden die daten so gewählt dass man in dem licht erscheint das man selbst möchte.

von den chancen die diese netzwerke bieten wird erst gar nicht gesprochen.

schwache panikmachen!

kabelwurm
23.01.2008 13:01

wieviel haben's schon von xing profitiert?

mit denkender
23.01.2008 09:09
zu kurzsichtig gedacht...

ich hab grad folgendes buch gelesen:

http://tinyurl.com/2pvyz6

kann ich dir nur empfehlen...

Meinungsf(er)orscher
23.01.2008 07:23
Stasi-Vergleich ist absurd

Bei den Plattformen gibt man das bekannt, was man SELBST möchte. Das kann wahr sein oder auch nicht. Der STASI war das bekannt, was ANDERE bekannt gaben. Das konnte wahr sein oder auch nicht.

Der Unterschied ist, auf die STASI-Liste kam auch das, was Nachbarn oder Parteimitglieder aus Eigeninteresse bekannt gaben. Ein Kleinkrieg unter Nachbarn oder ein Streit um eine Frau konnte schon mal mit einer Abholung durch die STASI enden.

kabelwurm
23.01.2008 07:48
was meinen's hat die stasi gesammelt?

*) und was meinen's, was man aus dem 'rauslesen kann, was sie freiwillig von sich geben?
*) und meinen's das, was ihr nachbar von ihnen erfahren hat, haben's nicht freiwillig von sich gegeben?
*) wenn sie, als "nachbar" jemanden angeschwärzt haben, hat's auch einen eintrag in ihre akte gegeben.

und informationen werden (von profis) *immer* im zusammenhang mit dem informanten verarbeitet.

um so besser, wenn sie's selbst preisgeben.
denn dann fällt schon mal ein teil der arbeit weg.

das ist gemeint, mit: "mehr informationen als die stasi je hatte"

GaxLover
22.01.2008 18:35

Ich halte Vergleiche bezüglich der Informationsbeschaffung mit der STASI erst angebracht, wenn Facebook und Konsorten "Duftproben" ihrer Mitglieder in Einmachgläsern anlegen...

Wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit...

's koite Sopherl
22.01.2008 21:07

Duftproben in Einmach- oder Reinmachgläsern?

metall81
23.01.2008 08:26
Yep,....

...für die Spürhunde.

Johannes H.
22.01.2008 22:23

Bei Verhören der Stasi saß der/die "Verdächtige" auf einem Tuch, das danach in ein Einmachglas reingegeben wurde.

War als Geruchsprobe für Hunde gedacht, falls man den Klassenfeind suchen musste...

GaxLover
23.01.2008 18:11

Naja... soweit ich informiert bin, ist diese Methode (wie im Film "Das Leben der Anderen") nur eine von Vielen gewesen.

Ich habe auch von Methoden gelesen, bei der die betroffene Person (m/w) gezwungen wurde vor den Augen der Verhörenden mit einem Tuch Duftproben aus dem Genitalbereich zu nehmen... äußerst demütigend, wie man sich vorstellen kann.

warum funkt mein alter nick nimmer?
22.01.2008 17:13
wie kommen solche....

...studien zusammen? der gute herr geht doch davon aus, das alles, was ich in meinem profil angebe wahr ist (was zumindest in meinem fall nicht stimmt ;-))

denke mal, dass auch von anderen auf diesen homepages ordentlich gelogen wird....hehehehe

kabelwurm
23.01.2008 08:00
auch in der DDR wurde ordendlich gelogen. - oder meinen's es hat immer die "echten verräter" erwischt?

der betreiber von facebook schätzen - AFAIR - eine quote von ca. 30% lügen. (ich schätze weit höher)

in Xing bin ich mir ziemlich sicher, dass die relevanten daten zu fast 90% stimmen.

wenn sie einen job wollen, werden's nur soweit aufschneiden, soweit es nicht wirklich nachvollziehbar ist.
als schüler erkennen sie oft die tragweite derartiger informationen nicht und jugendliche haben einen natürlichen drang zur revolution.

wenn sie das umfeld, die kriterien und die beweggründe erkennen, können sie sogar aus einer lüge die wahrheit lesen.

und alleine die verbindungen zwischen den individuen (xing) sind interessanter als börsenachrichten.

sicherlich: die trefferquote liegt vielleicht bei 70%, aber die war auch bei der STASI nicht höher.

Jim Kirk
22.01.2008 16:14

Der sollte sich mal die diversen Swinger seiten vornehmen, da gibts noch ganz andere daten und vor allem bilder zu sammeln ;-)

Therimon
23.01.2008 06:02
Welche Swingerseiten ...

... und Bilder meinen Sie jetzt KONKRET..? *zwinker

Krampen
22.01.2008 17:14

bitte nicht so wild mit spekulationen um sie werfen.

ohne untermauerung mit harten fakten und vor allem quellen geht hier garnix :)

bunter_hund
22.01.2008 15:20
Social networks und Geheimdienste...

Hört sich im ersten Moment wie Verfolgungswahn an, aber im Guardian?
http://www.guardian.co.uk/technolog... 4/facebook <http://www.guardian.co.uk/technolog... cebook>

Grüße
der Hund

Rappelkopf
23.01.2008 01:52
Dazu hatte BoingBoing schon auf folgenden Artikel verwiesen:

Folks In Europe Trying To Connect The CIA To Every Successful American Internet Company?
http://allnewsplace.com/2008/01/1... t-company/

Deus Ex Coquina
 
22.01.2008 13:38

Social Networking macht mehr Spass, wenn man dabei Bier/Wein bestellen kann! ;D

dr.no3
22.01.2008 22:32

sie meinen die oktoberfest erweiterung bei facebook?
jaja...hab da auch schon einige biere gekippt mit meiner freundin. prost!

Centurio
 
22.01.2008 13:37
Der Datenschutz auf Xing ist sehr ausgereift.

Selbst bei direkten Kontakten muss man seine Adressen erst freischalten.

Zapp Zarapp
22.01.2008 18:09

Es geht ja nicht nicht primär darum, daß der potentielle Kontakt Ihre Daten sehen kann, sondern daß Xing sie hat. Da wird es erst interessant.

Centurio
 
27.01.2008 19:36
Darum geht es nicht, es geht darum, ob man von

aussen als unbefugter via google z.bsp. auf alle personenbezogenen Daten in Xing zugreifen kann. Das kann man nicht. Darum bin ich immer noch dabei, weil die Vorteile überwiegen.

Joe Test
22.01.2008 16:30

Xing wird ja auch von seriösen Leuten verwendet

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