
Auch wenn die sozialen Universen, die im Internet geschaffen werden, virtuell sind, gestaltet und gelebt werden sie von Nutzern im Hier und Jetzt.
Eine spannende Geschichte
"Die spannende Geschichte der sozialen Netzwerke ist der Aufbau einer repräsentativen Identität im Internet", beschreibt Sean Parker. "Früher blieben Leute anonym und bildeten virtuelle Communitys. Jetzt schaffen wir ein richtiges Abbild der realen Lebensnetze im Internet: Wirkliche Namen, richtige Fotos - damit bewegt sich das soziale Kapital von Menschen online", sagt Parker bei der DLD 08, ein Art "Mini-Davos" im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums, das von Hubert Burda Media heuer zum vierten Mal veranstaltet wird. Parker hatte mit Shawn Fanning die Online-Musikbörse Napster gegründet und ist Gründungspräsident von Facebook.
Lebensentwürfe
"Lebensentwürfe finden bei den Jungen heute online statt, und sie teilen ihre Lebenserfahrungen mit ihren Freunden gleichfalls über das Internet", erklärt Joanna Shields, Präsidentin von Bebo Social Media, frühere Google-Europa-Chefin. Bebo richtet sich an 13- bis 24-Jährige.
Im vergangenen Jahr verdoppelte sich die Zahl der Mitglieder von 20 auf 40 Millionen, im Schnitt verbringen diese täglich 40 Minuten online. Bebo sei inzwischen, nach MySpace und Facebook, das drittgrößte soziale Netzwerk, demnächst werden sechs europäische Ableger eröffnet.
Der Inhalt lebt
Zwar produziert Bebo auch eigene Shows, unter anderem die erste "globale RealityShow". Aber im Kern seien die Netzwerke offene Plattformen für die Inhalte, die ihren Benutzern persönlich wichtig sind. "Wir sitzen nicht im Fahrersitz, wir kontrollieren nicht die Konversationen und den Content, den unsere User schaffen - das sind deren Erlebnisse", erklärt Shields.
Größe des Netzes und "soziale Universalität" sei der Grund für die wachsende Popularität von Facebook, erklärt Matt Cohler, bei Facebook für die strategische Entwicklung verantwortlich. Seit Facebook, zuvor auf eine Reihe von Unis und ihre Absolventen beschränkt, sich Ende 2006 geöffnet hat, ist es von zehn auf 60 Millionen Benutzer gewachsen. Und obwohl es weiterhin nur Englisch ist, stammte im Vorjahr ein Drittel der Neuzugänge aus Europa, nur noch 37 Prozent kommen aus den USA.
Von Nutzen und Mitgliedern
Denn "der Nutzen des Netzwerks wächst exponentiell mit der Zahl der Mitglieder", sagt Parker, darum glaubt er auch, dass mit den vorhandenen Players die Networking-Szene im Wesentlichen festgelegt ist.
Die "soziale Schwerkraft" würde Menschen anziehen und halten, denn "wenn ich heute mein Netzwerk wechseln will, dann muss ich 600 meiner Freunde auf Facebook überzeugen, dass sie auch wechseln".
KOexistenz von Netzen
Andere Betreiber sehen hingegen eine Art Koexistenz von Netzen. "Wenn man zu einem Netz gehört, bedeutet das nicht, dass man nicht gleichzeitig auch anderen angehört", sieht Shields ein Spektrum an Netzen, die verschiedene Bedürfnisse erfüllen.
Wie etwa Xing, das sich ausschließlich an eine Business-Community wendet, oder LinkedIn, das weniger der Kontaktpflege dient, sondern seinen Mitglieden ermöglichen will, möglichst rasch "Antworten und Ressourcen zur Lösung konkreter Probleme zu finden", erklärt LinkedIn-CEO Reid Hoffman.(Helmut Spudich aus München/DER STANDARD, Printausgabe vom 22.1.2008)
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