Islam und der Westen: Neue Studie zeigt Monolog der Kulturen

28. Jänner 2008, 19:53
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Ernüchterndes Ergebnis einer Studie des Weltwirtschaftsforums - Muslime fühlen sich vom Westen nicht respektiert - Europäer fürchten sich vor mehr Dialog mit dem Islam

Die meisten Muslime fühlen sich vom Westen nicht respektiert, die Europäer fürchten sich vor einer Zunahme des Dialoges mit dem Islam. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine neue Studie des Weltwirtschaftsforums.

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Genf - Die explosionsartige Zunahme der Dialogforen zwischen dem Islam und dem Westen seit den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte eine enttäuschende Wirkung. Das ist das Ergebnis einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF), einer privaten Stiftung mit Sitz in Genf, die am Montag vorgestellt wurde. Fazit der Autoren: "Der Monolog dominiert über den Dialog."

Viele der in den vergangenen Jahren eingerichteten Dialogforen konkurrenzieren miteinander, überlappen sich und werden innerhalb der Gesellschaften kaum wahrgenommen. Das WEF hat mithilfe von Umfragen in 24 Ländern und einer Analyse verschiedener Initiativen, die den Austausch von Ideen fördern sollen, versucht, die Beziehungen zwischen dem Westen und dem Islam zu bewerten. Wobei "Westen" geografisch definiert wird (Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland) und unter "Islam" Länder mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung zu verstehen ist.

Die Anderen sind nicht interessiert

Eine der zentralen Erkenntnisse: Sowohl die Mehrheit im Westen als auch in den muslimischen Ländern ist überzeugt, dass die jeweils andere Seite nicht an der Verbesserung der Beziehungen interessiert ist. Eine Ausnahme bildet Israel, wo zwei Drittel der Befragten angaben, dass sich die Muslime um eine Verbesserung der Beziehungen bemühen.

Vor allem in den USA und in Palästina glaubt eine große Mehrheit an eine Verschlechterung des Klimas zwischen den Kulturen. Weit optimistischer sind die Iraner. Der Hintergrund: Die Konflikte (etwa der Atomstreit) werden als politische Differenzen ohne kulturelle und religiöse Bedeutung wahrgenommen.

Furcht vor mehr Dialog

Besonders die Europäer (60 Prozent) fürchten sich generell vor einer Zunahme des Dialoges mit dem Islam. Das WEF, dessen Jahrestagung am Mittwoch in Davos beginnt, sieht darin vor allem einen Ausdruck der Ressentiments gegen Migranten. In den meisten muslimischen Ländern (Ausnahme: Singapur) herrscht die Meinung vor, dass der Westen den Islam nicht respektiert.

Dagegen denken die Muslime, dass in ihren Gesellschaften der Westen respektiert werde. Aufgrund der vom Gallup-Institut durchgeführten Umfrage haben die Studienautoren auch ein Länderranking über die Einstellungen der Menschen zum Verhältnis Islam-Westen erstellt (siehe Grafik). Eine der Kernfragen dabei war, ob die Menschen glauben, dass ein Zusammenprall der Zivilisationen verhindert werden könne. (szi, DER STANDARD, Printausgabe 22.1.2008)

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    grafik: der standard
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