Fluch und Segen des "dritten Geschlechts"

22. Jänner 2008, 19:23
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"Between the Lines": Die Hijras, indische Eunuchen - Regisseur Thomas Wartmann begleitete die Fotografin Anita Khemka

Die Hijras, meist kastrierte Hermaphroditen, sehen es als Privileg, weder Frau noch Mann zu sein. Mit beiden Geschlechtszuordnungen könnte man sie schwer beleidigen. Sie streunen grell geschminkt in bunten Saris durch die indischen Städte, betteln mitten auf verkehrsverstopften Straßen um Almosen: "Gib, gib!", lautet die raue Aufforderung - wird ihr nicht nachgekommen, klatschen sie verärgert die Hände zusammen, mit einer harten Bewegung, die das Aufeinanderprallen zweier Körper beim Geschlechtsakt darstellen soll.

Für seinen Dokumentarfilm "Between the Lines - Indiens drittes Geschlecht", für den er 2006 mit dem "Pupils Jury Award" des Max-Ophüls-Festivals ausgezeichnet wurde, hat der Regisseur Thomas Wartmann die indische Fotografin Anita Khemka begleitet, die ihrerseits an einem Buch über die Hijras arbeitete und der diese Einblick in ihre Lebenswelt gewährten.

Ganz unverblümt stellt sie den Hijras, die die Gabe haben, Fluch und Segen zu erteilen, Fruchtbarkeit zu geben und zu nehmen, Fragen zu Prostitution, ihrer Sexualität, ihrem gefürchteten Außenseiterstatus - und bekommt darauf ebenso klare, nüchterne Antworten. In mehreren Porträts zeigt Wartmann so eine dem Westen nahezu unbekannte, in ungeahnt strengen Hierarchien geordnete Subkultur des modernen Indiens. (Isabella Hager, DER STANDARD; Printausgabe, 22.1.2008)

"Between the Lines - Indiens drittes Geschlecht", Dienstag, 22.35 Uhr , Arte
  • Die indische Fotografin Anita Khemka untersucht die Lebenswelten der indischen Hijras, die weder Männer noch Frauen sind.
    foto: swr/wartmann

    Die indische Fotografin Anita Khemka untersucht die Lebenswelten der indischen Hijras, die weder Männer noch Frauen sind.

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