Kinderärzte für HPV-Impfung

22. Jänner 2008, 12:16
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Kinderärzte und der Sa­nitätsrat schätzen die Impfung weiter po­sitiv ein - Eine De­batte über etwaige Nebenwirkungen hat in Deutschland, Großbritannien und Italien nicht eingesetzt

Berlin/London/Rom/Wien - Österreichs Kinderärzte und der Vorsitzende des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates, Ingomar Mutz, bleiben trotz der aktuellen Negativmeldungen im Zusammenhang mit HPV-Impfungen weiter bei einer "positiven Einschätzung" des Impfstoffes, wie sie am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme bekannt gaben. Der Fall jener 19-jährigen Verstorbenen sei "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in ursächlichem Zusammenhang mit der Impfung zu sehen", heißt es in dem Schreiben. Nur jener Fall eines Mädchens, das an Symptomen leidet, die multipler Sklerose ähneln, könne "Entsprechungen zu Fällen in der Fachliteratur aufweisen".

"Zusammenhang rasch abklären"

Auf Anfrage des STANDARD äußerte sich die niederösterreichische SPÖ-Gesundheitslandesrätin Karin Kadenbach erstmals zur aktuellen Debatte über HPV-Impfungen. Sie meinte, es sei so rasch wie möglich zu klären, ob ein Zusammenhang zwischen dem Todesfall und der HPV-Impfung bestehe, und warnte: "Auch eine Impfung kann auf keinen Fall die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Frauenarzt ersetzen." In Niederösterreich, wo 20.000 der rund 50.000 in Österreich bereits durchgeführten Impfungen erfolgt sind, zahlt das Land knapp die Hälfte der rund 500 Euro für die drei Teilimpfungen.

Situation in Deutschland

In Deutschland müssen die Krankenkassen die Kosten für die Impfung übernehmen, seit das Robert-Koch-Institut im März 2007 die Empfehlung zur HPV-Impfung für Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren ausgesprochen hat. Der Impfstoff Gardasil ist dort seit September 2006 zugelassen. Eine generelle Impfpflicht besteht nicht. In Deutschland erkranken jährlich 6500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 1660 sterben daran. Medial präsent wie in Österreich ist die Impfung nicht.

Situation in Großbritannien

Dasselbe gilt für Großbritannien, wo zur Zeit eine HPV-Impfung nur privat zu bekommen ist - um rund 500 Pfund, umgerechnet etwa 670 Euro. Ab September diesen Jahres wird das staatliche Gesundheitssystem diese Vorsorgemaßnahme gegen Gebärmutterhalskrebs in sein allgemeines Impfprogramm aufnehmen. Proteste gegen das kommende staatliche Immunisierungsprogramm für junge Mädchen sind in erster Linie seitens religiöser Gruppen zu hören, die argumentieren, dass die Impfungen zu mehr Promiskuität und Teenager-Schwangerschaften führen würden.

Impfung für Zwölfjährige

In Italien läuft bereits seit 1. Jänner eine kostenlose Impfaktion für alle zwölfjährigen Mädchen. Man habe sich für diese Altersgruppe entschieden, weil "der Impfstoff in diesem Alter seine volle Wirkung entfalten kann", versichert der zuständige Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium, Donato Greco. Die meisten Mädchen hätten da noch keinen Geschlechtsverkehr. "Daher ist eine bereits bestehende Papilloma-Infektion ausgeschlossen", so Greco zum Standard. Die italienische Regierung hat für die Aktion 80 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Für Greco gilt der Impfstoff als "ziemlich sicher, da er an mehreren Tausend Patienten getestet wurde". Dennoch wachen die Gesundheitsbehörden über unerwünschte Nebenwirkungen. Negative Folgen sind vorläufig nicht bekannt. In den Gesundheitssprengeln der Regionen gibt es ein eigenes Kontrollsystem: Nach jeweils 30, 60 und 180 Tagen werden alle Geimpften über Nebenwirkungen befragt. Bisher wurden in Italien jährlich 3500 Gebärmutter-Tumore registriert, 1700 mit tödlichen Folgen. (bau, mu, spri, witt, DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2008)

  • Die humanen Papillomviren (HPV) sind für rund 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich.
    foto: embo journal

    Die humanen Papillomviren (HPV) sind für rund 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich.

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