"Wir haben die größten Schrauben"

24. Februar 2008, 17:49
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Die US-Autoindustrie im Wahljahr 2008: zwischen Klimadebatte, Abgasvorschriften, Kundenwünschen und der Realität


Neben dem überarbeiteten Ford F150, einem Groß-Pickup, der seit 31 Jahren das meistverkaufte Automobil der USA ist, wurde bei der heurigen North American International Auto Show ein Infostand platziert. Darauf klebten vier fette Stahlschrauben, daneben der Text: "The biggest bolts in the industry". Wir haben die größten Schrauben. Erdung in der amerikanischen Wirklichkeit.


Der F150 verzichtet übrigens genauso wenig wie der GM-Konkurrent Chevrolet Silverado auf die Kombination Blattfedern und Starrachse am Heck - Technik aus der Zeit der Planwagen. Der neue Dodge Ram hat Federbeine. "Die werden einiges zu erklären haben", geben sich die Ford-Leute sicher.


Das ist die eine Seite der US-Autowelt. Auf der anderen versuchen die Hersteller - ob nun die Big Three oder die Konzerne aus Europa und Asien - zu suggerieren, dass Detroit zurzeit der "grünste" Platz der Welt ist - wegen Klimadebatte, weltweit strenger werdender Abgasreglements sowie Rekordölpreisen. Das treibt auch seltsame Blüten, etwa wenn Ferrari neben dem Superdrübersportwagen 430 Scuderia ein Modell stehen hat, auf dem mit grünen Lettern "BioPower" geklebt ist.


All die Anstrengungen sollen jedoch nicht schlechtgeredet werden: Der Spritverbrauch pro Pferdestärke ging zuletzt stark runter. Es werden dann eben nur mehr PS rausgeholt. Die Hybridisierung dient vor allem dazu, die Verbräuche großer Autos auf zumindest Mittelklasseautoniveau zu bringen. Wegen der Umwelt, klar, aber nicht zuletzt deswegen, um weniger von nichtamerikanischem Öl abhängig zu sein.


Was die Firmenchefs, die sich mit Rick, Bob oder Bill ansprechen lassen und die in Detroit wie Rockstars über Bühnen hüpfen und vor professionellem Optimismus fast platzen, der Öffentlichkeit weniger gern sagen: "Grün sein" wird sehr teuer werden. Die Industrieschätzungen lauten, dass eine volle Elektrounterstützung eines Verbrennungsmotors ein Durchschnittsauto um rund 7000 Dollar verteuert. Ob das viele Kunden zwanglos in Kauf nehmen, ist fraglich. Wenn aber keine kritische Masse erreicht wird, können die Kosten nicht sinken. In einem Land, das große Überkapazitäten in der Autoindustrie hat, die Immobilienkrise die Wirtschaft belastet und heuer der Präsident gewählt wird, spricht man darüber weniger. Dann schon lieber: "The biggest bolts in the industry". (Szemeliker, AUTOMOBIL)

  • Mercedes GLK: Der kompakte SUV und BMW-X3-Gegner wird in Detroit in zwei Versionen präsentiert - eine eher für die Stadt, eine eher fürs Gelände. Ab Herbst in Österreich.
    foto: epa/weissbrrod

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    Wird in den US-Medien als wahrer Porsche-Killer gefeiert: Corvette ZR1. Supersportwagen der amerikanischen Art mit dazupassenden 620 PS.

  • VW Passat CC: Damit hat VW heuer wieder mal einen Showstopper mitgebracht. Das 4-Türer-Coupé, Machart Mercedes CLS, sollte in unseren Breiten ab Sommer verfügbar sein.
    foto: werk

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  • Furai (jap.: "Geräusch des Windes") heißt Mazdas heißer Konzept-Rennwagen. Antrieb: Wankelmotor mit 450 PS, läuft mit Ethanol-Sprit.
    foto: epa/cortez

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    Dodge Zeo: Rassige 2+2-Sitzer-Studie. Elektrosport-wagen mit 260 PS. Zeo? Steht für Zero Emission Opera-tions, das Auto wäre also multipel wünschens-wert.

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