"Wir können 2008 wieder sehr erfolgreich sein"

10. Februar 2008, 16:08
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Trotz Konjunkturab­schwächung will die Mayr-Melnhof Karton AG 2008 das Rekordergebnis 2007 wieder übertreffen und den Standort Frohnleiten energieautark machen

STANDARD: Sie haben für 2007 ein Rekordergebnis erwartet, und, ich gehe davon aus, auch erreicht. Wie geht es 2008 weiter? Wird MMK unter der Konjunkturabkühlung leiden?

Hörmanseder: Es ist auch so: Wir haben 2007 ein Rekordergebnis erreicht, die absolute Zahl gibt es noch nicht. Die Latte für 2008 haben wir uns wieder höhergelegt. Ich sehe 2008 keine abrupte Änderung, kein Abstürzen im ersten Halbjahr. Die Wirtschaftsentwicklung hat sich aus meiner Sicht im vorigen halben Jahr normalisiert, die Rohstoffkosten sind hoch geblieben. Das ist aber auch als Indikator zu sehen, dass die Gesamtnachfrage intakt ist. Unsere großen Kunden wachsen und verdienen gut. Das zeigt mir, dass auch wir wieder sehr erfolgreich sein können.

STANDARD: Die Energiepreise werden allerdings auch hoch bleiben.

Hörmanseder: Da wird es sich gut auszahlen, dass wir erheblich investiert haben, um den Verbrauch zu reduzieren.

STANDARD: Es läuft ein Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren für eine Eigenstromversorgung am Kartonstandort Frohnleiten. Was planen Sie?

Hörmanseder: Wir projektieren eine Anlage mit 150 Megawattstunden. Frohnleiten wäre dann eine energieautarke Fabrik. Da würden wir dann nicht nur unsere eigenen Restfaserstoffe verbrennen wie in unserer Pilotanlage in Hirschwang, sondern auch zusätzlich sortierten Industrieabfall. Da geht es dann um eine Größenordnung von 400.000 Tonnen und eine Investition von von rund 150 Millionen Euro.

STANDARD: Wann rechnen Sie mit der Entscheidung der Behörde, wann könnte die Anlage in Betrieb gehen?

Hörmanseder: Mit dem Bescheid ist in den nächsten sechs bis acht Wochen zu rechnen. Wenn sich die Anlage aufgrund der Bescheiddetails technisch und ökonomisch umsetzen lässt, könnte sie Ende 2009 in Betrieb gehen, 2010 würde sich das dann in der Bilanz niederschlagen.

STANDARD: Planen Sie auch an anderen Karton-Standorten eine Eigenstromversorgung?

Hörmanseder: Wir haben an den anderen Standorten in Slowenien und Deutschland Verbrennungsanlagen für die eigenen Restfasern schon beantragt. Das sind dann natürlich kleinere Anlagen. Da wissen wir bis Jahresmitte, wie es mit den Genehmigungen aussieht.

STANDARD: Rechnet sich das Ganze im kleinen Maßstab?

Hörmanseder: In Hirschwang machen wir mit eigenem Faserstoff und zugekauften Holzabfällen keine zehn Prozent des Energieverbrauchs der Fabrik, aber es rechnet sich sehr gut. Das war eine sehr gute Investition.

STANDARD: Kommen heuer auch wieder größere Akquisitionen? Im Vorjahr haben Sie nur Faltschachtelwerke gekauft.

Hörmanseder: Wir bemühen uns zurzeit sehr um Akquisitionen in beiden Bereichen. Ich bin persönlich überzeugt, dass uns heuer wieder etwas Größeres gelingt, weil das unser Kerngeschäft ist, wir haben die Mittel und die Managementkapazität. Und die Umgebungsbedingungen bringen die Unternehmenspreise wieder in eine vernünftige Größenordnung. Voriges Jahr waren sie ja durch die unerschöpflichen Finanzierungen der Private-Equity-Fonds um zwanzig Prozent gestiegen, das hat sich jetzt bereits wieder korrigiert. Bei der Würdigung der Projekte bleiben wir aber immer sehr konservativ. Obwohl wir sehr viel Geld haben, wie Sie wissen.

STANDARD: Wie hoch sind die liquiden Mittel denn derzeit?

Hörmanseder: 350 Millionen Euro. Das heißt, bei der Geschwindigkeit des Wachstums, wenn die Chancen da sind, sind wir frei. Wir brauchen keine Banken. Wir haben uns einiges vorgenommen für heuer, aber wir werden auch die Wetterfestigkeit unserer Bilanz beibehalten. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.1.2008)

ZUR PERSON: Der Verfahrenstechniker Wilhelm Hörmanseder (53) ist seit 1994 im Vorstand des Karton- und Faltschachtelkonzerns Mayr-Melnhof Karton AG und seit 2002 Vorstandsvorsitzender.
  • MKK-Chef Wilhelm Hörmanseder erwartet heuer Zukäufe in beiden Divisionen - Karton und Faltschachtel.
    foto: standard/newald

    MKK-Chef Wilhelm Hörmanseder erwartet heuer Zukäufe in beiden Divisionen - Karton und Faltschachtel.

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