Mörtel statt Noten - STANDARD-Interview mit René Benko

19. Jänner 2008, 20:56
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Der Tiroler wurde am Donnerstag als "Shooting Star des Jahres" mit dem "Cäsar" ausgezeichnet

Am Donnerstag wurde der Tiroler René Benko auf dem Wiener Immobilienball als "Shooting Star des Jahres" ausgezeichnet. Gerhard Rodler und Wojciech Czaja befragten den Investor zu seiner bisherigen Erfolgsgeschichte sowie zu aktuellen Projekten.

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STANDARD: Eben wurden Sie von einer Fachjury zum Shootingstar des Jahres gekürt. Was ist der Grund?

Benko: Ich versuche, mit viel Engagement, mit einem guten Team und mit verlässlichen Partnern erfolgreich zu sein. Offenbar habe ich auch eine gute Nase für Trends und richtige Zeitpunkte.

STANDARD: Sie haben vor etlichen Jahren als Dachbodenausbauer begonnen. Wie sind Sie dazu gekommen?

Benko: Während des letzten Schuljahres war ich in Innsbruck bei einem befreundeten Baumeister aktiv. Ich habe dabei geholfen, Dachböden auszubauen. Irgendwann einmal habe ich mehr Zeit auf der Baustelle als in der Schule verbracht. Aufgrund der fehlenden Stunden hat meine damalige Lehrerin beantragt, dass ich nicht zur Matura antreten darf - und sie war erfolgreich.

STANDARD: Stellte sich der fehlende Schulabschluss jemals als Nachteil heraus?

Benko: Ehrlich gesagt nicht.

STANDARD: Sie sind vom Dachbodenausbauer zum Investor expandiert. Wie hat sich dieser Wechsel vollzogen?

Benko: Ende 1999 habe ich mit Eigenmitteln ein kleines Bauunternehmen, die Immofina, gegründet. In dieser Zeit bin ich verstärkt auch in Wien und in Baden tätig gewesen. Ich bin mit Leuten zusammengekommen, die daraufhin in die Immofina investiert haben. Damit war eine Basis gegeben.

STANDARD: In jüngster Zeit ist man durch das Kaufhaus Tyrol auf Sie aufmerksam geworden. Warum war die Geschichte so turbulent?

Benko: Es gab einen einstimmigen Beschluss seitens der Stadt Innsbruck, dass dieses Projekt auf Basis des aktuellen Flächenwidmungsplanes realisiert werden soll. Als der Wettbewerb bereits im Gange war, hat eine Gruppe von Bewahrern versucht, den Abriss der bestehenden Gebäude in der Maria-Theresien-Straße zu verhindern. Den Abriss konnten sie zwar nicht verhindern, aber sie haben erwirkt, dass das Siegerprojekt von BEHF stark diskutiert wurde.

STANDARD: Warum haben Sie sich von BEHF wieder abgewandt?

Benko: Eine Woche nach der Presseaussendung haben wir über ein Marktforschungsinstitut eine Umfrage gestartet. Zwei Drittel der Innsbrucker waren mit dem Projekt unzufrieden. Die kurze Zusammenarbeit mit Heinz Neumann, der uns daraufhin einen neuen Fassadenentwurf gemacht hat, war ein Zwischenschritt zu einem neuen Projekt. Wie Sie ja wissen, wurde das Projekt stark angefeindet. Das hat den Anlass gebracht, einen internationalen Architekten einzuladen.

STANDARD: Weinen Sie dem futuristischen Entwurf von BEHF nach?

Benko: Mehr mit einem lachenden denn mit einem weinenden Auge. Futuristische Architektur in der Altstadt ist immer ein schwieriger Punkt. Ich glaube, dass wir jetzt mit David Chipperfield ein hochqualitatives Projekt auf die Beine gestellt haben. Nebenbei bin ich nicht unzufrieden, dass wir um 2000 Quadratmeter mehr Nutzfläche haben.

STANDARD: In den letzten fünf Jahren sind Sie rasant expandiert. Welche weiteren Pläne schmieden Sie?

Benko: Ja, es stimmt. Wir sind recht schnell gewachsen. Mittlerweile stehen wir bei 75 Mitarbeitern. Um in Zukunft gesundstrukturiert weiterwachsen zu können, habe ich die Anzahl der Vorstände von drei auf sieben erhöht.

STANDARD: Welche Märkte sind für Sie von Interesse?

Benko: Bisher waren wir stark in Westeuropa verankert. In den letzten zwei Jahren haben wir uns zunehmend dem südosteuropäischen Märkten zugewandt. Wirklich reizen tun mich jedoch Asien und die USA, wo sich die Situation hoffentlich bald lichten wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.1.2008)

  • René Benko (30): "In meinem letzten Schuljahr habe ich geholfen, Dachböden auszubauen. Irgendwann habe ich mehr Zeit auf der Baustelle als in der Schule verbracht."
    foto: standard/urban

    René Benko (30): "In meinem letzten Schuljahr habe ich geholfen, Dachböden auszubauen. Irgendwann habe ich mehr Zeit auf der Baustelle als in der Schule verbracht."

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