Auch ohne Kohle Förderung

28. Jänner 2008, 10:29
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Neue Bodenschätze hat Fohnsdorf trotz finanzieller Schwierigkeiten mit einer Therme gehoben

Den Flöz hat Fohnsdorf zurück. Bloß handelt es sich bei diesem obersteirischen Quell abbauwürdiger Mineralien nun um einen flüssigen. Exakt 42,2 °C ist er warm, und als Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat kommt er als "Fohnsdorfer Heilwasser" aus einer Tiefe von rund 2000 Metern. Das ist immerhin fast die doppelte Distanz des Weges, den die Braunkohle bis 1978 aus dem damals weltweit tiefsten Bergwerk dieser Art zurücklegte. Dass es bei dieser neuen grafitfarbenen Förderstelle nicht um Kohle geht, kann man so aber nicht sagen.

Die am 7. Dezember 2007 eröffnete Therme Aqualux in Fohnsdorf musste nämlich ohne die bei solchen Projekten übliche Bundesförderung auskommen. Als Grund für die Absage galt unter anderem auch das Fehlen eines dem Komplex zuzurechnenden Thermenhotels. Umso trotziger wirkt da der Name der Anlage, die als "Therme des Lichts" nun ihre eigenen Wege geht. Dabei sollten sich die Licht- und Wortspiele doch eindeutig auf die gewagte Architektur des Gebäudes beziehen.

Transparenter Kohleflöz

Und in der Tat, der Durchblick beschränkt sich nicht nur auf die sechzig Meter lange Plexiglas-Rutsche, die sich als einsehbare Plastik durch den Monolithen zieht. Ist es nicht gerade Nacht und die Therme selbst erhellt das freie Feld um Fohnsdorf, lässt der an einen Kohleflöz erinnern wollende Bau genügend natürliches Licht herein - an ein Bergwerk wird in dieser Hinsicht zum Glück nicht erinnert. Da und dort erlaubt man sich aber kleine Reminiszenzen an die Bergbautradition, und sei es nur durch Kristalle, die im Entspannungsbereich die Farblichttherapie optisch eindeutig aufwerten.

Dass die Therme aus drei Ebenen besteht, merken die Besucher kaum, vor allem jene nicht, die schon vom Eingangsbereich an barrierefrei zu den einzelnen Geschoßen kommen. Geschickt umbaut wurde auch die Tatsache, dass die Anlage eigentlich nur über eine Gesamtfläche von rund 900 m² an Pools verfügt. Insgesamt elf Becken sind es nämlich, die ihrer unterschiedlichen Bestimmung als Sport-, Erlebnis-, Kinder- und Ruhebereich zwar mit limitiertem Platzangebot, aber doch gut von einander getrennt nachkommen können.

Die sinnvolle Größe der Therme für diesen Standort war schon in der Planungsphase eine schwer abzuschätzende. Die von der Thermenerrichtungs- und -betriebsGmbH angestrebten 300.000 Besucher pro Jahr empfand der Bund als möglicher Förderer als unrealistisch. Durchschnittlich 1100 Gäste täglich zählt Aqualux nun laut eigenen Angaben im Betrieb, der auf 600 zur selben Zeit anwesende Besucher ausgelegt war. So fällt es ein wenig schwer, das ansprechend umgesetzte Konzept nach nur einem Betriebsmonat noch als "Geheimtipp" für Ruhesuchende zu handeln. Allerdings frequentieren diese mehr als tausend Gäste das Haus nie zur gleichen Zeit, und nicht jeder Bereich ist so gut besucht wie die Anlage rund um die Erlebnisbecken.

Mag dem Aqualux auch ein eigenes Hotel fehlen, so ergibt sich für den Wochenendtrip mit dem Schloss Gabelhofen doch eine ansprechende Symbiose. Dem nur zweihundert Meter von der Therme entfernten Vier-Sterne-Haus fehlte bislang ein ernst zu nehmender Wellnessbereich. Der ist nun mit dem im Aqualux angesiedelten präventiv-medizinischen Zentrum, dem Saunabereich und vor allem den Thermalbecken eindeutig gewachsen, aber eben doch ausgelagert. Dass sich das Ambiente des erst 2001 eröffneten Hotels im Schloss und die strenge Moderne einer funktionalen Therme gut ergänzen, will man hier mit Einführungsangeboten für zwei Nächte mit Thermeneintritt betonen. Das Handtuch werfen, um seinen territorialen Ansprüche in der Therme Nachdruck zu verleihen, muss man als Hotelgast jedenfalls nicht, denn die Liegen sind bereits vorreserviert. (Sascha Aumüller/DER STANDARD/Printausgabe/19./20.1.2008)

Informationen:
Therme Aqualux
Gabelhofen


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  • Die Therme Aqualux will auch an die Fohnsdorfer Bergbautradition erinnern. Allerdings keineswegs durch solche Lichtverhältnisse.
    foto: aqualux/harry schiffer

    Die Therme Aqualux will auch an die Fohnsdorfer Bergbautradition erinnern. Allerdings keineswegs durch solche Lichtverhältnisse.

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