Wirtschaft im Walzer-Takt

30. Jänner 2008, 22:52
4 Postings

Der Fasching ist kurz, das treibt Ballveranstaltern den Schweiß auf die Stirn - Der Tanz um den Ball ist ein gutes Geschäft

Maximilian Platzer ist nervös. "Solange nicht die letzte Karte verkauft ist, habe ich keine ruhige Minute." Aber heuer sehe es gut aus. "Wir sind fast ausgebucht und stellen sogar einen Glaspavillon auf, um mehr Raum zu haben."

Der Cafetier organisiert seit 13 Jahren den Kaffeesiederball in der Wiener Hofburg. 95 Euro kostet die Karte, 5500 Gäste werden erwartet. Eine Goldgrube sei eine solche Veranstaltung aber beileibe nicht, seufzt Platzer. Ein paar hundert verkaufte Karten weniger könnten schon ein Defizit bedeuten. Vorbei seien auch die Zeiten, in denen es genügte, das Licht in der Hofburg auf- und abzudrehen. "Die Besucher erwarten heute ein besonderes Ambiente, und die Kosten dafür sind immens gestiegen."

50.000 Euro für Blumen

Gut 100.000 Euro mache allein die Miete der Hofburg aus, rechnet Platzer vor. Mehr als 50.000 Euro gehe an die Floristen, dazu kämen 13 Orchester und steigende Steuern. "Mit rund fünf Prozent an höheren Kosten pro Jahr muss man schon rechnen."

"Den Kaffeesiederball sponsert die Wirtschaft, aber wer finanziert uns? Die, deren Häuser abgebrannt sind, sicherlich nicht." Peter Eigl stellt seit 15 Jahren den Wiener Feuerwehrball auf die Beine. Ohne Hilfe des Bürgermeisters, der dafür kostenlos das Rathaus zur Verfügung stellt, sei der Ball nicht machbar, sagt er. Seine Veranstaltung lebe vom Stammpublikum, mit Krawattenzwang nehme man es nicht so genau. Und es gehe gemütlich zu, versichert der Feuerwehrmann. "Nicht wie beim Jägerball, bei dem es Dutzende Raufereien gibt."

Wettlauf um Besucher

Die Ballsaison treibt heuer nicht nur Tänzern den Schweiß auf die Stirn. Der Fasching 2008 ist der kürzeste seit langem - und dementsprechend hart ist der Wettlauf um Termine, Orte und Besucher. In Wien werben an einzelnen Tagen mehr als 20 Bälle um Gäste. Einige Veranstalter verschoben ihre Events in die Fastenzeit, andere sagten überhaupt ab.

"Viele Bälle sind weniger stark besucht. Aufwand und Bewerbung sind höher, vor allem kleine Veranstalter müssen achten, gut über die Runden zu kommen", resümiert Renate Danler, Chefin der Hofburg. 18 Bälle finden heuer in ihren Sälen statt. Die Vermietung bringe ihr allerdings nur acht Prozent des Jahresumsatzes.

"Üblicherweise gibt es fünf Bälle an den Samstagen, jetzt sind es auf einmal viermal so viel", sagt Karin Lemberger. Sie ist Präsidentin der 30 Wiener Tanzschulen, in ihrer Branche boomen derzeit die Crashkurse. Und in ihrem Betrieb spiele das Geschäft rund um die Bälle 60 Prozent des Jahresumsatzes herein.

Gute Geschäfte bringt der Tanz um den Ball allemal: Ein Besucher lässt sich einen Wiener Ball im Schnitt gut 180 Euro kosten, zeigt eine Studie der KMU Forschung. Wiens Wirtschaft erwartet sich Einnahmen von 54 Millionen Euro - das sind um sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Und dem Fiskus werden in einer Saison bis zu 1,3 Millionen Euro an Vergnügungssteuer in die Kasse gespült.

Teurere Karten

Das finanzielle Glanzlicht ist der Opernball. Die Wiener Wirtschaftskammer rechnet mit 17 Mio. Euro Zusatzumsatz für Hotellerie, Gastronomie, Friseure, Floristen, Taxis, Textilhändler und Co. Die Oper will heuer daraus 3,6 Mio. Euro Umsatz und 1,1 Mio. Gewinn lukrieren, sagt Geschäftsführer Thomas Platzer im Gespräch mit dem Standard. Der Umsatz steige durch die höheren Kartenpreise, der Gewinn sei im Budget einkalkuliert. "Der Steuerzahler bezahlt dadurch weniger Subventionen."

Die Marke "Wiener Opernball" ist zudem international geschützt. Wer das Event exportieren will, zahlt Lizenzgebühren. Auch in New York, Istanbul und Dubai wurde nach Wiener Vorbild getanzt. Aktiv vorantreiben will man die weltweite Vermarktung derzeit aber nicht, ist zu hören.

Unternehmer kommen an den Bällen kaum vorbei, heißt es. Man bringt Leute zusammen und bahnt Geschäfte an, sagt Wolfgang Wallner vom Grazer Technikerball. "Unsere Logeninhaber beobachten sich genau", weiß auch Platzer. Ein Industrieller und fleißiger Ballgeher winkt ab. Für gute Deals gebe es passendere Gremien.

Tanz um den Würstelstand

Leopold Iser begeht seine letzte Ballsaison. Der Wiener brät seit 1969 Würstel in der Schottengasse, jetzt geht er in Pension. An seinem Stand sei nach Bällen zwischen zwei und fünf Uhr früh "die Hölle los", erzählt er. Kunden kämen vom Rathaus und der Hofburg. Bei Jugendlichen seien Käsekrainer die Renner, und die vielen müden Tänzer seien spendabler als sonst. Unterm Strich bringe ihm eine Ballnacht bis zu 20 Prozent mehr Geschäft. Ob er selbst gern das Tanzbein schwinge? Iser winkt ab. "Längst nicht mehr." Und die Kosten für das Vergnügen seien ja nicht ohne. (Verena Kainrath, DER STANDARD Printausgabe, 19./20.1.2008)

  • Der Wiener Opernball bringt der Wirtschaft jährlich rund 17 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen
    foto: standard/cremer

    Der Wiener Opernball bringt der Wirtschaft jährlich rund 17 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen

Share if you care.