Auf der Meile und in den Hütten

18. Jänner 2008, 19:22
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Prominente bringen in Kitz ihr Geld nicht an - Fans haben damit kein Problem, sind aber trotzdem froh

Kitzbühel - Michael Konsel hat es schwer. Aber vermutlich wären Bettina und Bernhard Fellner froh, die Sorgen des Ex-Teamtorhüters zu haben. Denn Konsel meinte beim "Schöllerbank Après", er schaffe es einfach nicht, hier Geld auszugeben. Weil er von Einladung zu Einladung gereicht würde. Klingt überheblich, ist aber wahr: Für Promis stellt sich die Frage, was man auslassen kann in Kitz, ohne jemanden zu verärgern.

Die Geschwister Fellner sind nicht prominent. Sie sind Fußvolk. Die 25-jährige Köchin aus Wieselburg, ihr 21-jähriger Bruder (Baumarkt-Mitarbeiter) und Wilhelm Wöchtl, ein 38-jähriger Sägewerksmitarbeiter und Freund der beiden, sieht man in Kitz nicht - nicht als Individuen. Sie sind Teil der Menge, die beweist, dass die Veranstaltung wichtig ist. Die Masse sorgt für Stimmung, Atmosphäre und Umsätze. Denn dafür, dass Konsel und Co eingeladen werden können, zahlen die Fans. "400 Euro," sagt die Köchin, koste das Wochenende. Mindestens und für jeden. "Aber", ergänzt ihr Bruder, "das ist es wert." Alle Jahre wieder. Die Fellners sind zum dritten Mal hier. Mehr als sechs Stunden Schlaf sind nie drinnen. Denn Hahnenkamm ist Komplettprogramm, sie pendeln zwischen Piste und Partymeile, wo Würstel 3,80 Euro kosten, ein Pulli mit Logo 65.

Tretgitter und Securitypersonal, die Klassengrenzen haptisch erfahrbar machen, werden von den schönen Momenten überdeckt. Etwa wenn ÖSV-Star Mario Scheiber eine halbe Minute fürs Gruppenbild mit den drei Wieselburgern hat. Das ist schließlich weit mehr, als die meisten Normalos hier bekommen.

Und die Großen

Alfred Gusenbauer hat es natürlich auch nicht leicht. Seinen ersten Winke-winke-Termin absolvierte der Kanzler zu Beginn des Super-G auf der VIP-Tribüne des Zielgeländes. Am Nachmittag eröffnete er ein Promi-Eishockeymatch, während fast zeitgleich Fußball gespielt wurde: Hansi karitativ und beim Stanglwirt. Dort lauschte Gusenbauer dann bei der "Weißwurstparty" Gloria Gaynor. Wie viel die Disco-Königin kassierte, ist unbekannt. Schweigen erntete auch die Frage, ob Bryan Adams tatsächlich eine sechsstellige Euro-Gage für seinen Einstundenauftritt vor den 500 Gästen bei der "Audi Night" bekam. Auch das "Kitz 'n' Glamour" im Arosa hoffte auf ein Erscheinen des Kanadiers. Bei der "A1 Night" und beim "Gösser Abend" war er nicht gesehen worden, obwohl sich bei Erwin Prölls NÖ-Empfang die Gelegenheit zum Duett mit Hansi Hinterseer geboten hätte.

Ebendort war dem Landeshauptmann DJ Ötzi um den Hals gefallen, wonach Pröll gelassen zwei Wahrheiten des Profigastdaseins verkündet hatte: "Lieber den Magen verrenken, als dem Gastgeber was schenken" und "Die Erde wird sich weiterdrehen, obwohl ich nicht dort war." Mit Zweiterem entschuldigte Pröll sein Fehlen auf der Landeshauptleute-Konferenz in Innsbruck. Kitz auszulassen stand nie zur Diskussion. (Thomas Rottenberg - Thomas Rottenberg - DER STANDARD PRINTAUSGABE 19.1. 2008)

  • Drei Wiesel-burger und ein Star: Betti, Berni, Mario und Willi (v. li.).
    foto: rottenberg

    Drei Wiesel-burger und ein Star: Betti, Berni, Mario und Willi (v. li.).

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