Die Moral der Gesetzlosen

Redaktion, 5. Februar 2008, 14:32
  • Der Outlaw und einer seiner härteren Widersacher: Russell Crowe und Peter Fonda in James Mangolds "Todezug nach Yuma".
    foto: reuters

    Der Outlaw und einer seiner härteren Widersacher: Russell Crowe und Peter Fonda in James Mangolds "Todezug nach Yuma".

Jetzt im Kino: Russell Crowe und Christian Bale kommen einander in James Mangolds Western "3:10 to Yuma/Todeszug nach Yuma" näher

Wien – Ein Farmer, der um seinen Besitz und seine Familie bangen muss; ein Banker, der vornehmlich die Ausweitung und Sicherung seiner Geschäfte im Sinn hat; und schließlich ein Gesetzloser, der sich um nichts schert außer um die Befriedigung seiner Bedürfnisse. Die drei Protagonisten des Westerns 3:10 to Yuma/ Todeszug nach Yuma verkörpern, auf geradezu exemplarische Weise, ebenso viele Strategien, mit dem Land und einer sich verändernden Gesellschaft umzugehen. Aus der Überlagerung ihrer Interessen, den Defiziten und Engpässen, die sich daraus ergeben, bezieht der Film seine Spannung. Es geht hier um keine Auseinandersetzung mit Legenden mehr – wie etwa zuletzt in dem museal wirkenden The Assassination of Jesse James ... –, sondern um einen Ringkampf der Ideen. Wer behält am Ende Recht?

Ben Wade, der Outlaw, wird von Russell Crowe als Bösewicht mit unwiderstehlichem Charisma gespielt. Aus seiner Amoral schöpft er Lebenslust, die vor allem auf Frauen Eindruck macht. Dass er auch gefährlich sein kann, zeigt er in blitzartigen Manövern. Farmer Dan Evans – Christian Bale mit Holzbein – muss neben ihm ein wenig zu brav und rechtschaffen wirken. Er steckt bis zum Hals in Schulden und droht deshalb sein Grundstück zu verlieren.

3:10 to Yuma, der Filmtitel gibt ein genaues Ziel an. Wade gerät in Gefangenschaft, weil er sich zu lange bei einer Bardame ausruht, er soll nun von Evans, einem Kopfgeldjäger (Peter Fonda), und dem Bankier (Dallas Roberts) in den nächsten Ort überführt werden und in den Zug gesetzt werden: Der Ort heißt Contention, was passenderweise Wettstreit bedeutet. Es gibt etliche Unwägbarkeiten auf der Strecke: Wades Bande, die ihn befreien will, Indianerland, das zu durchqueren ist, und nicht zuletzt den Gefangenen selbst, der ständig Verhandlungen über seine Freilassung zu führen versucht.

Korruption nimmt zu

3:10 to Yuma basiert auf einer Vorlage von Elmore Leonard und wurde 1957 von Delmer Daves mit Glenn Ford und Van Heflin schon einmal verfilmt. James Mangolds Remake setzt nunmehr interessante Akzente: Wenn der Farmer bei Daves zunächst aus Geldsorgen mitmacht, am Ende aber fast schon seine Auffassung einer gerechten Gesellschaft verteidigt, dann ist bei Mangold keine Idee mehr ganz frei von Korruption. Die moralischen Grenzen zwischen den Protagonisten werden biegsam, und die Frage, wer im Namen von welchem Recht sprechen kann, ist nicht mehr so klar beantwortbar.

Wie um diese Entwicklung zu unterstreichen, nimmt die Passage nach Contention weit mehr Raum als im Original ein. Unterwegs kommt die Truppe zum Beispiel an einer Baustelle vorbei, wo die Schienen der Eisenbahn von chinesischen Gastarbeitern verlegt werden. Eine Szene, die nicht nur anzeigt, wie sich ein Land verändert, sondern auch, unter welcher Oberhand das geschieht. Der Outlaw Wade ist in dieser Ordnung vor allem eine Bedrohung für die weitere Einnahme des Kontinents.

Mangold, der zuletzt mit dem lahmen Johnny-Cash-Biopic Walk the Line enttäuschte, inszeniert 3:10 to Yuma stilistisch näher am Italo-Western als an der amerikanischen Variante, also lauter, greller, körperlicher. Die Schauspieler treten stärker in den Vordergrund – Crowe lotet die Schrullen seiner Figur mit sichtbarem Vergnügen aus –, die Krisen der Figuren werden akut. Die graduelle Annäherung zwischen Wade und seinem Begleiter (in der Erstverfilmung nicht viel mehr als ein Tauschgeschäft) wird hier zur wuchtig gesetzten Geste – und eindeutige Moral bleibt auf der Strecke. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 19./20.01.2008)

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Ich hab hab´s genau umgekehrt gesehen und es deshalb auch als angenehm empfunden: ich seh den Western viel näher an der 40-er bis 60-er Variante des amerikanischen Kinos, als an der unendlich schweigsamen zum Teil neoveristisch zum Teil surrealistisch angehauchten des Italowesterns.

Ich liebe zwar den Italowestern Leones, und einige wenige von Corbucci, über den Rest hüllt man besser den Mantel des Schweigens, aber irgendwie war ich nach den parodistischen Variante a´la Unforgiven, bzw. auf das Strapazieren des Italowesternthemas sehr froh darob mal wieder Bezugspunkte zu Western des alten Duke hergestellt zu sehen.

Im übrigen unbedingt ansehen; große Schauspielerleistungen, hohe Intensität in den Dialogen, und dramaturgisch spannend.

eine frage der moral

gut in szene gesetzt, mit beachtlicher besetzung - christian bale & russel crowe in den hauptrollen. der wermutstropfen: in den entscheidenden szenen wird auf beschleunigung gesetzt, schnelle, am modernen action-kino ausgerichtete schnitte - was zu lasten der epik geht. die insgesamt dann zu kurz kommt.
es ist ein film der enge. keine weite. der weg führt durch schluchten und tunnels, die flucht durch verwinkelte gassen, die sicht ist immer eine beschränkte: verstellt. die weite ist schon geschichte. die eisenbahn, weist den helden der geschichte einen platz in der vergangenheit zu: sie sind ebenfalls geschichte. der eine tot. der andere verzichtet freiwillig auf die freiheit.

grob gesagt: beim western ist es ähnlich wie beim porno: die handlung ist eher nebensächlich :) was braucht ein guter western: einen richtigen bösewicht (frank, indio, angeleyes...) und ihm gegenüber den stranger, sprich unseren helden. der darf auch ruhig skrupellos die bösen über den haufen schießen, da muss man nicht gezwungen tiefe rein bringen, da muss auch nicht alles geschichtlich und politisch korrekt zugehen, ich bin zufrieden, wenn der film jene klischees erfüllt, welche das genre über jahre hinweg geschaffen hat. und sowas gab's in den letzten jahren halt leider so gut wie gar nicht mehr...
und ich befürchte, dass ich mir sowas auch von diesem film nicht erwarten kann. aber ich werd ihn mir erstmal anschauen...

Ich find da sind sie sehr reduzierend; Ich mag ja nicht jetzt alle großartigen Western aufzählen, aber nicht alle verharren im dumben Dualismus, nicht alle sind reine Abziehbilder. Sage nur z.B.: High Noon, The Man Who Shot Liberty Valance, The Hanging Tree.

Bzw. natürlich auch die ironisierte Variante im Italowestern: Leone benutzt zwar die Klischees bricht aber gleichzeitig mit ihnen.

Mangold, der zuletzt mit dem lahmen Johnny-Cash-Biopic Walk the Line enttäuschte

ach ja, filmkritiker beim standard müsste man sein...

dieser satz über walk the line bestärkt mich erneut darin, filme die von standard (bzw. falter) verrissen werden, anzusehen und umgekehrt

bin ein fan des man in black

und walk the line hat ziemlich alles, was ich an dem mann echt mag ausgeblendet und auch seine geschichte geglättet bzw. falsch dargestellt

kann mir auch nicht vorstellen, das crowe auch nur irgend ein charisma austrahlt,
und "walk the line" war ein großartiger film, joaquin phoenix unfassbar gut und witherspoon(?) unerwartet sehr gut

das einzig gute an solchen remakes ist, dass sich ein paar leute den originalfilm auf dvd zulegen und draufkommen werden, was für tolle filme FRÜHER MAL aus hollywood kamen.

zu "schauspielern" wie russel crowe oder christian bale ist eigentlich kein kommentar nötig. die verweist ein glenn ford mit einem zucken seines mundwinkels auf ihre plätze.

Ahnungsloser!

Gerade Christian Bale ist unter den heutigen Top Stars wie Tom Cruise, Brad Pitt, etc. eine sensationelle positive Ausnahme! Interessante Filmauswahl (American Psycho, The Machinist, Batman Begins, The Prestige), unspektakuläres Privatleben und einfach ein verdammt guter Darsteller!

frage an die leute die jetzt soviel ahnung vom film haben:

habt ihr denn wirklich schon mal die wirklich guten "alten" hollywood filme wie von spencer tracey, kirk douglas, gary grant, burt lancaster, etc. oder filme aus italien, frankreich aus den 50ern, 60ern gersehen? da lagen eure mamis´+ papis noch in den windeln!

nicht zu vergessen Robert Mitchum; Jimmy Stewart, Gary Cooper (spielte in meinen Lieblingswestern), Lloyd Bridges, und natürlich der Duke;

gestern ist das heute von morgen!

ja ja

früher war alles besser - sogar amerika.
dumm nur dass dort wo wir wohnen, weder früher noch später vorkommen.

christian bale

vielleicht "der maschinist" gesehen? hab bis heute gänsehaut. so verdammt gut war der darin.

Kann ich überhaupt nicht verstehen, was daran gut sein soll sich bis auf die Knochen ab zu magern, und vor allem was das mit schaupielen zu tun haben soll.

Christan Bale ist ein begabter Schauspieler und sehr charismatisch. Geschmäcker können verschieden sein, das Erkennen von schauspielerischem Talent ist jedoch nach objektiven Punkten bewertbar. Also, warum genau ist Christian Bale ein schlechter Schauspieler? Können Sie Ihre Kritik artikulieren?

Können sie die objektiven Kriterien aufzählen? Ich denke nicht. Ob ein Schauspieler ein guter ist oder nicht hat überwiegend mit Geschmack zu tun. Würde es rein objektive Kriterien geben würde sie jeder anwenden und ausschließlich objektiv Spitzenschauspieler einsetzen...

hahaha sie haben wirklich einen fantastischen humor, wenn sie christian bale schlechtmachen wollen, wirklich lustig was sie da so schreiben!

Ich mache ihn ja gar nicht schlecht, und halte ihn auch für einen sehr guten Schauspieler; was er in der maschinist gemacht hat, hat trotzdem nichts mit schauspielen zu tun

von christian bale

können sie bisher nicht all zu viel gesehen haben...

hab ihn zuletzt in terrence malicks "the new world" gesehen. zu einem guten schauspieler fehlt ihm - wie auch der restlichen hollywood-buberlpartie - folgendes:
leinwandpräsenz
charisma
darstellerische fähigkeiten.

ich wette dass das irgendwann einmal über jeden jungen schauspieler gesagt worden ist

American Psycho (charismatische Darstellung der Romanfigur Patrick Bateman), Harsh Times (spitze als kriegsveteran Jim Davis), Batman Begins (Verleiht Bruce Wayne neues Leben), The Machinist (Schauspielerische Leistung steht absolut außer Diskussion), The Prestige (Kongenial als Magierpendant zu Hugh Jackman), Equilibrium usw. Also Bale als nicht einen von Hollywoods absolut besten Charakterdarstellern anzusehen ist fast ein affront.

charakterdarsteller?

ích find ihn eher unfreiwillig komisch.
leute, die den namen charakterdarsteller verdienen, finden Sie im posting des users derpraesident. das ist der maßstab.

na gut.

sie sind offenbar DIE instanz das zu beurteilen, eine diskussion daher unnötig...

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