Glamour als biederes Handwerk

29. Februar 2008, 20:50
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Peter Lindbergh, der Fotograf, der Fassaden weglässt - "Mein Leben - Peter Lindbergh" am Samstag, 2.10 Uhr, Arte

"Don’t move, don’t move." Stakkatoartig brabbelt Peter Lindbergh Anweisungen und Kommentare beim Fotografieren seiner Models. "Great, great, great" in zehnfacher Wiederholung. Oder er lispelt auf Französisch: "C’est ça", und von "la poésie". Dazwischen ein paar Witze, um das Model bei Laune zu halten.

Die Fernsehdokumentation des in Duisburg aufgewachsenen Star- und Modefotografen, der im Deutschen noch immer lokales Idiom spricht, vermittelt bei seiner Arbeit vor allem eines: bodenständige Handwerklichkeit. Die unexaltierte Konzentration auf die Arbeit, in der er voll und ganz aufgeht, inspiriert Stars wie Penelope Cruz, Nadja Auermann oder Isabelle Huppert zum Schwärmen von seiner Menschlichkeit: Bei ihm könnten sie sein, wie sie sind, verspürten Freiheit. Das bringt Lindbergh den Ruf ein, Stars ohne ihre übliche Fassade ablichten zu können.

Modefotos immer Fiktion

Auch den Weisheiten, die er in der Doku von sich gibt, ist anzumerken, dass ihm der Erfolg nicht zu Kopf steigt: Frauen seien wichtiger als Mode. Es gebe nichts Schöneres als Frauen auf der Welt. Modefotos seien immer Fiktion. Und: "Man kann nie Franzose werden." 30 Jahre in Paris helfen nichts.

Entschält von Star-Hype und Bombast-Getue, erscheint der Film etwas höhepunktelos. Aber das ist im Grunde die Stärke. Und das reißen auch Wortspenden von Wim Wenders und Campino von den "Toten Hosen" nicht mehr herum. Es ist beruhigend zu sehen, dass professionelle Glamour-Produktion auch nur biederes Handwerk ist. (Alois Pumhösel, DER STANDARD; Printausgabe, 19./20.1.2008)

  • Der Fotograf, der die Frauen ungeschminkt liebt: Peter Lindbergh mit Penelope Cruz (Mi.) und Jeanne Moreau (li.).
    foto: zdf/werner raeune

    Der Fotograf, der die Frauen ungeschminkt liebt: Peter Lindbergh mit Penelope Cruz (Mi.) und Jeanne Moreau (li.).

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