Josef Winkler: Die Sensenmänner von Klagenfurt

27. Jänner 2008, 17:58
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Wenige Tage vor unserer Abreise nach Mexiko wurde in Klagenfurt an einer Kreuzung, ein bei Grün über den Zebrastreifen gehender neunjähriger Junge von einem Lastwagen überfahren und getötet

"Das Sofa, ausgesessen und verwaist wie es ist, wird ein richtiges Nest, wenn man liest – was liest? Abenteuer … Nur das Schuldgefühl im Magen erinnert in Abständen an den Gewehrlauf der Lage, der einen in Schach hält, aber sich bald wieder vergisst. Und so ist es doppelt aufregend, sich in das Buch zu versenken, damit ein Weg sich ausrolle, auf dem die Phantasie hinausklettern und sich hinausschlängeln kann." (Paul Nizon: "Im Haus enden die Geschichten")

1. Wenige Tage vor Allerheiligen des Jahres 2007 waren wir mit einem Filmteam unterwegs nach Mexiko, zum "Día de los Muertos", einem der wichtigsten mexikanischen Feiertage, an dem in Mexiko in besonderen Riten der Toten gedacht wird, die vierjährige Siri und der zwölfjährige Kasimir waren auch dabei. Dieser Tag der Toten wurde 2003 von der Unesco in die Liste der, wie es heißt, "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" aufgenommen.

Wir flogen von Wien nach Atlanta und von Atlanta nach Mexico City. In meiner hellbraunen, ledernen Umhängetasche hatte ich den Prosaband Im Haus enden die Geschichten von Paul Nizon und den Roman Die schlafenden Schönen von Yasunari Kawabata, den ich von Wien nach Atlanta las und in dem ein besonderes Freudenhaus geschildert wird, in dem junge Frauen künstlich in Tiefschlaf versetzt werden, eingeschläferte Sklavinnen also, denen sich in der Nacht als Freier ältere Männer nähern. Ein Mann hatte die Hoffnung, neben einem der eingeschläferten Mädchen selber für immer einzuschlafen. "Ihm schien", schreibt Yasunari Kawabata, "es wäre da etwas Schmerzliches an einem jungen Mädchenleib, genug, um Greisenherzen in den Tod zu locken." Als wir in Atlanta auf den Weiterflug warteten und in den vom Zigarettenrauch vernebelten Lokalen in der Nähe unseres Gates hunderte grau-weiß gescheckt uniformierte amerikanische Soldaten sahen, die biertrinkend auf überdimensional große Bildschirme starrten und miteiferten mit dem hysterischen Stadionpublikum und den Footballspielern, und wir schließlich nach Mexico City weiterflogen, zog ich, nachdem ich Die schlafenden Schönen von Yasunari Kawabata gelesen hatte, den Prosaband Im Haus enden die Geschichten von Paul Nizon aus meiner ledernen Umhängetasche und las: "Der Asphalt ist der Spiegel des Tages. / Der Asphalt kann bleiern sein. Blind und bleischwer. Dann klebt der ganze Tag am Asphalt, dann ist es zum Heulen. Ein Lahmliegen, soweit man schaut. Wo sind jetzt alle? Daß doch etwas geschähe, etwas Tumultuöses am besten. Doch der Spiegel des Asphalts bleibt tot. / Aber am Morgen –"

Aber am Morgen, am Morgen des 15. Oktober 2007, wenige Tage also vor unserer Abreise nach Mexiko, zum Día de los muertos, wurde in Klagenfurt an einer Kreuzung, die seit einem Dreivierteljahr eine Baustelle und die nur ein paar hundert Quadratmeter groß ist, ein bei Grün über den Zebrastreifen gehender neunjähriger Junge von einem Lastwagen überfahren und getötet. Um das neue Fußballstadion schneller fertigstellen zu können, in dem im Juni 2008 in Klagenfurt drei Europameisterschaftsspiele stattfinden, also viereinhalb Stunden Fußball gespielt werden soll, wurde von dieser Kreuzung, an der sich der tödliche Unfall ereignet hatte, immer wieder Personal zu Arbeiten ins Fußballstadion abgezogen. Dieser kleine Junge, der neunjährige Lorenz, ist der erste Tote der Fußballeuropameisterschaft, die in Österreich und in der Schweiz ausgetragen wird.

Weinend hat der Vater vor seinem auf der Straße liegenden toten Kind gekniet, hat seine schneeweiße Hand gestreichelt und geschrien: "Sie haben meinen einzigen Sohn überfahren!" Vom Omnibus aus, der im Verkehr ins Stocken geraten war, sahen Schulkinder den sterbenden, noch zappelnden Jungen auf dem Asphalt liegen mit dem vom Speichel verklebten Ovomaltinepulver in den Mundwinkeln, wie ich es mir jetzt beim Schreiben vorstelle. Ein Arzt, der schnell zur Stelle war, konnte nur mehr den Tod des Jungen feststellen, dessen Kopf sich vergrößert haben und dessen Haut schneeweiß geworden sein soll, die Worte "unnatürlich weiß" und "unnatürlich vergrößert" haben Augenzeugen gebraucht. Der TOD war also eingetreten in den Jungen, im Sinne des Wortes, dem wahrsten. Der Leichenwagen blieb im Stau stecken. In dem für die Bevölkerung völlig überraschenden Aufgrabungs-, Bau- und Asphaltierungswahn für die Fußballeuropameisterschaft gab es auf den Straßen unzählige Hindernisse und Verkehrstafeln, die einem auf Schritt und Tritt begegneten, und so haben die verantwortlichen Straßenbauer, die Sensenmänner von Klagenfurt, schließlich den Tod buchstäblich aus dem Asphalt gestampft, er musste kommen und ein Kind musste daran glauben. Über eine Stunde lang soll der tote Junge auf dem Asphalt gelegen haben, bis er in einen provisorischen grauen Zinnsarg gebettet wurde. "Der Asphalt ist der Spiegel des Tages", schreibt Paul Nizon. Und der Asphalt, der Spiegel des Tages, wurde durch dieses Unglück zum Spiegel des Jahres. "Die Straße schreit, und die Straße hallt von den Schreien. Und wir an den Fenstern, gebannt, uns ängstigend, werden erreicht vom Schrei." Steht im Prosaband Im Haus enden die Geschichten von Paul Nizon.

Als Schatten meiner selbst

Nach diesem Unglück, sagte die ebenfalls im Flugzeug von Atlanta nach Mexico City neben der vierjährigen Siri sitzende Christina zu mir, warst du eine Woche lang unansprechbar. Als Gespenst, als Scherenschnitt, als "Papel Picado", als Schnittmuster mit Scherenschnitttotenkopf und Scherenschnittskelett, das am "Día de los muertos", von den Mexikanern als Dekoration für ihren Allerheiligenaltar verwendet wird, der mit orangefarbenen Tagetesblumen, mit dem "Pan de muertos", dem Totenbrot, einem runden Hefebrot mit Anis, mit Obst und Gemüse, Zuckertotenköpfen und Schokoladetotenköpfen geschmückt ist, als Knochenstillleben und als Schatten meiner selbst – habe ich jemals schreibend diesen Ausdruck, "Schatten meiner selbst" gebraucht? –, als Knochenstillleben also, irrte ich durch die Seidenpapierlöcher der gelben, orangefarbenen, violetten und grünen Scherenschnittmuster, durch die Wohnung, die verhängt war mit den "Papel Picado" der Scherenschnitttotenköpfe, und durch die Stadt Klagenfurt, die verhängt war mit den "Papel Picado" der Scherenschnittskelette, und immer wieder zur Stelle auf dem Asphalt, zum Spiegel des Tages hin, der zum Spiegel des Jahres geworden war, wo der Junge verunglückt ist und wo ich über 80 Kerzen gezählt habe, manche brennen heute noch Tag und Nacht.

Ein farbiges, in Plastik verpacktes großes Brustbild des Jungen lehnt an einer großen Grabkerze, auf die ein geflügelter Engelskopf draufgeklebt ist. Noch in Plastik eingeschweißtes Kinderspielzeug liegt zwischen den Kerzen, ein kleiner brauner Teddybär liegt auf dem Bauch in der Regenlache, keiner wird ihn umdrehen, den Teddybär, und auf den Rücken legen, auch ich habe ihn nicht umgedreht, als ich davorstand, ich hatte Angst vor seinem nassen kalten Bauch und vor seinem nassen kalten Gesicht mit den Knopfaugen und den Pausbacken. Und wann werden sie der Müllabfuhr den Auftrag geben, die weißen und roten Kerzenbehälter mit den Schutzengelsköpfen wegzuräumen, wann werden die erloschenen Lichter hineinkollern – wie fette, feuchte Erdklumpen in ein offenes Grab – in den orangefarbenen Müllwagen, frage ich mich jeden Tag und jede Nacht, wenn ich schweißgebadet aufwache und mit Herzklopfen die Todeszuckungen des sterbenden Kindes auf dem Asphalt als pechschwarzen Spiegel der Nacht vor mir sehe. "Und schulfrei ist. Wir haben wegen Todesfall schulfrei bekommen. Noch nie hatten wir so bedingungslos frei. Wir wissen nichts anzufangen. In unserer Freiheit sitzen wir wie in der Falle … Und jetzt teilt sich die Leere ungewohnt mit. Und in der Leere die neue Lage: schulfrei wegen Todesfall …" lese ich im Flugzeug von Atlanta nach Mexico City in der Prosa Im Haus enden die Geschichten von Paul Nizon. "Und heute habe ich schulfrei, heute bin ich tödlich verunglückt!", sagt der Asphalt als Spiegel der Nacht. Und zum Frühstück kein in der schaumigen Milchtasse sich auflösendes, klebriges Ovomaltinepulver mehr.

2.

Im kleinen mexikanischen Dorf Xoxo, auf einem Armenfriedhof, in dessen Mitte, gestützt von Holz- und Eisenbalken, die Ruinen einer Kirche stehen und auf dem die Friedhofsbesucher mit Stangen und Stecken in den Gräbern der Verwandten stocherten, um die Geister ihrer Toten aufzustöbern und aufzuwecken für das Allerheiligen- und Allerseelenfest, um mit ihnen zu feiern, ging ich mit meiner ledernen Umhängetasche, in der das Bücherpaar Im Haus enden die Geschichten und Die schlafenden Schönen lagen, in einen Lebensmittelladen, um Getränke zu kaufen für die Kinder auf dem Friedhof. Einer, schreibt Yasunari Kawabata, fühlt sich nur dann wirklich lebendig, wenn er neben einem eingeschläferten Mädchen liegt. Wahrscheinlich gab es Greise, die so ein Mädchen rücksichtslos und überall liebkosten, und andere wieder, die schluchzend sich selber bejammerten. Und, freilich, wenn ein alter Mann, schreibt Yasunari Kawabata, so die Hände eines schlafenden Mädchens berührt, ist das nichts anderes als ein Ausdruck der Trauer.

Die Regale eines Lebensmittelladens in Xoxo entlanggehend und nach Getränken suchend, zuckte ich zusammen, als ich mehrere in Augenhöhe übereinandergestapelte, orangefarbene Ovomaltineschachteln sah, die mich sofort an die Passage in der Geschichte "Ein langes Sterben oder Das Frühstück" erinnerten im Prosaband Im Haus enden die Geschichten von Paul Nizon, die ich im Flugzeug von Atlanta nach Mexico City las, in der sich die sterbende Großmutter das letzte Mal aufbäumte, "hoch und jetzt womöglich noch höher", wie es heißt, und schließlich tot, als "Knochenstilleben" zu einem Kind zusammengesunken, in ihren Decken und Kissen liegt: "Wir haben erst gar keine Empfindung. Wir möchten uns nicht erheben. Widerwillig treten wir aus dem Bann. Wir sind lichtscheu draußen. Oder überhell. Wir wollen nicht auseinander. Wir sind Hinterbliebene. Wir sind Überlebende. Wir wollen nicht reden. Wir wollen frühstücken. Wir wollen Ovomaltine holen."

Mit mehreren Getränkeflaschen den Lebensmittelladen verlassend, mich immer wieder, so lange ich Einblick in die engen Gassen der Regale hatte, nach der Ovomaltine umschauend und mir den an den Rändern verzuckerten, orangefarbenen Plastikdeckel vorstellend, den wir mit Kinderhand auf die runde Öffnung der zylinderförmigen und orangefarbenen Ovomaltinedose drückten, ging ich in der Finsternis wieder zurück auf den Friedhof, zu den die Geister ihrer Toten mit Stecken und Stäben in den Gräbern aufstöbernden Frauen und Männern. Hunderte kleine, aber auch einen halben Meter große, gelbe Wachskerzen brannten auf den Gräbern, die über und über mit Astern, Lilien, aber vor allem mit den Totenblumen geschmückt waren, den orangegelben Tagetes und den weinroten, hartbuschigen Blüten der Hühnerkopfblumen, fünf, zehn hartgefrorene, sich eng aneinanderpressende Hahnenkämme auf einer Blüte. Larven und Masken mit Teufels- und Dämonenfratzen tragende Kinder liefen mit Plastiktotenköpfen, in denen Pesos lagen, zwischen den Gräbern zu den Friedhofsbesuchern und schepperten mit den Totenköpfen. Im Gemäuer der Ruinen und zwischen den aufgestöberten und inzwischen längst durch die Scherenschnittmusterlöcher der "Papel Picado" herumirrenden und herumschwirrenden Geistern der Toten hörte man die Flügelschläge der Fledermäuse, das Zirpen der Grillen, manchmal auch zaghaft die Töne einer Ziehharmonikamusik von außen. Es roch nach den brennenden Wachskerzen und nach dem strengen Duft der gelborangen Tagetesblumen. In dieser Nacht zum ersten November wird die Ankunft der verstorbenen Kinder erwartet, der Angelitos, der kleinen Engel.

Der zwölfjährige Kasimir ging, beobachtet von der Filmkamera, mit einer aus feinen Drähten und Seidenpapier zusammengebastelten, an einem langen Holzstab befestigten Totenkopflaterne, in der eine Kerze brannte, zwischen den Gräbern umher. Als man einen kleinen, eine Totenmaske tragenden Jungen, der einen schwarzen Anzug mit weiß aufgemaltem Toten-skelett trug, für eine Rolle vor der Kamera bat, sagte er: "Nunca en mi vida me han necesitado para una película. Es la primera escena en mi vida!" – Noch nie in meinem Leben haben sie mich für einen Film gebraucht, das ist meine erste Szene! – Und als die vierjährige Siri diesen kleinen Jungen mit dem Skelettanzug und mit der Totenkopfmaske sah, rief sie: "Wie heißt er? Wie heißt der Tote?" Und dann waren sie auch schon wieder da, die Todeszuckungen des überfahrenen Jungen in Klagenfurt und der vor seinem toten Kind auf dem Asphalt, der zum schwarzen Spiegel des Jahres wurde, knieende, laut schreiende und schließlich nur mehr wimmernde Vater, dem man durch die Bekleidung hindurch eine Beruhigungsspritze gegeben hatte. Vor dem Friedhofseingang in Xoxo hielt eine Frau mehrere kleine Plastiktotenköpfe in ihren Händen, die immer wieder abwechselnd in fünf, sechs Farben aufblinkend ihren eigenen Schädel beleuchteten. Die die färbig blinkenden Plastiktotenschädel den Passanten anbietende Frau rief: "Se ve, se siente, la muerte está presente! Viva la muerte!" Wenige Meter neben ihr stand auf dem Asphalt als Stillleben der Nacht eine mit Kalk und Mörtel bespritzte, an den Rändern verbogene Schubkarre, die überladen war mit grüngelben Limonen, an denen noch massenweise die grünen Blätter hingen. "Es ist ein langer bröselnder (Trauer)-Zug." Steht in Paul Nizons Im Haus enden die Geschichten. "Aber wie gut passen die Friedhofswege, um diesen Zug aufzunehmen, zu verschlucken und in den grünen Frieden ihres Laubs zu schließen. Besonders geschaffen dazu ist die breite Ahornallee. Die gefleckten Stämme und blanken scharf geschnittenen Blätter spielen Licht und Schatten auf dem blässlich hellen Band der triumphalen Straße."

3.

Noch am Día des los muertos, in derselben Nacht des Totenfestes in Xoxo, bevor um Mitternacht die aufgestöberten Geister der Toten wieder ins Jenseits zurückkehrten, fuhren wir weiter nach Puebla, wo wir am nächsten Vormittag in einer kleinen, sich versteckt in einem Hinterhof befindlichen Bäckerei bei der manuellen Herstellung der Zuckertotenköpfe zuschauten, mit Formen, die der Bäcker von seinem Großvater geerbt hatte, dem Zuckertotenkopfbäcker von Puebla, und wo wir eine Schachtel mit verschieden großen und kleinen Zuckertotenköpfen kauften, die "Calaveras de azúcar". Am selben Nachmittag fuhren wir weiter nach Mexico City, übernachteten noch einmal im Grande Hotel, in dem wir die größte und farbenprächtigste Tiffanykuppel der Welt sahen und wo Sergej Eisenstein gewohnt hatte, als er den Film Que viva Mexico! drehte. Vom sechsten Stockwerk des Hotels schauten wir auf einen der größten städtischen Plätze, den Zócalo von Mexico City, auf dem gerade, unmittelbar vor der Kathedrale, ein schrilles Volksfest in Gang war mit abertausenden Menschen und wo unmittelbar unter uns, auf einer Bühne mit künstlichem Rauch, über und über geschmückte Indianer ekstatisch tanzten.

Wie heißt der Tote?

Wiederum tags darauf flogen wir von Mexico City nach Houston in Texas, weiter nach Paris und von dort schließlich nach Wien, das Bücherpaar Im Haus enden die Geschichten und Die schlafenden Schönen zerlesen und zerknautscht immer noch in meiner ledernen Umhängetasche. Die große Schachtel mit den Zuckertotenköpfen musste ich das erste Mal in Mexico City einchecken, dann noch einmal in Houston in Texas, von wo die Zuckertotenköpfe im selben Flugzeug der Air France, in dem auch wir saßen, nach Paris geflogen, in Paris wiederum umgepackt wurden.

Schließlich tauchte am Flughafen in Wien die verschnürte braune Schachtel, in der abgepolstert und geschützt von Styropormus die mexikanischen Zuckertotenköpfe übereinander geschlichtet waren, auf dem schwarzen, ununterbrochen kreisenden Förderband mit den breiten Plastiklamellen bei der Gepäckausgabe auf. Noch in der Vorweihnachtszeit werden die Kinder vor laufender Filmkamera die Zuckertotenköpfe auspacken in unserem Wohnzimmer, kaum hundert Meter oder, um es so zu sagen, einen Zuckertotenkopfwurf entfernt von der Stelle, wo der neunjährige Lorenz am Asphalt überfahren worden und gestorben ist. "Der Tod zappelt wie die Geburt!", heißt eine sprichwörtliche Redensart. Und: "Die weiß gepuderten Straßen". Steht in der Prosa Im Haus enden die Geschichten von Paul Nizon. "Die Luft ist rein und im Begriff, sich zu erwärmen. Sie streicht am Haus hin, umspielt Balkone und die Skulpierung der Fenster; wäscht die Scheiben. Sie trödelt auf den Trottoiren und schwimmt über Asphalt, zieht Düfte ein, mischt Staub und Gewürze. Die Straßen sind frei …" (Josef Winkler, DER STANDARD/Printausgabe, 19./20.01.2008)

Zur Person:
Josef Winkler, geb. 1953 in Kärnten, ist österreichischer Schriftsteller und lebt in Klagenfurt. Von ihm erschien zuletzt die Novelle "Roppongi. Requiem für einen Vater" im Suhrkamp Verlag.
  • Josef Winkler vor dem Popocatépetl in Mexiko: Habe ich jemals schreibend diesen Ausdruck "Schatten meiner selbst" gebraucht?
    foto: christina schwichtenberg

    Josef Winkler vor dem Popocatépetl in Mexiko: Habe ich jemals schreibend diesen Ausdruck "Schatten meiner selbst" gebraucht?

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