"Mir fehlte die Hotellerie"

19. Jänner 2008, 16:00
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Mit fünfzehn Jahren be­gann Horst Wittrich die Koch- und Kellnerlehre, heute ist er Hotel-Ma­nager - Über Herausfor­derungen und die Faszi­nation erzählt er im STANDARD-Interview

STANDARD: Warum haben Sie sich nach der Pflichtschule für eine Lehre zum Koch und Kellner entschieden?

Wittrich: Eigentlich wusste ich schon mit zehn Jahren, dass ich einmal Koch werden will. Die Kochkunst meiner Großeltern war der Grund. Nach der Schule ging ich immer dorthin essen. Die machten noch alles selbst, von den Teigwaren angefangen. Und es hat köstlich geschmeckt. Da war mir klar, dass ich unbedingt das Handwerk dafür lernen will. Die Ausbildung zum Koch und Kellner hat sich dann eigentlich ungewollt ergeben. Es war damals die einzige Lehrstelle, die ich in Wien gefunden habe.

Mein letztes Schuljahr habe ich in Neuseeland absolviert und von dort war es damals nicht so leicht, eine Lehrstelle in Österreich zu finden. Aber schon während meiner Lehre war ich ganz froh darüber, weil man sich als Kellner mit dem Trinkgeld sein Gehalt ein bisschen aufbessern konnte. Außerdem hat mir der Kontakt mit den Gästen gefallen. Ich habe nach der Lehrzeit auch nie als Koch gearbeitet, sondern anfangs im Service und später verstärkt im Management.

STANDARD: Was waren die größten Herausforderungen, mit denen Sie während Ihrer Lehrzeit konfrontiert wurden?

Wittrich: In dieser Branche arbeitet man häufig dann, wenn die anderen freihaben. Und ich konnte viele Dinge mit meinen Freunden nicht mehr so einfach unternehmen. Aber ich war ja nicht der einzige Lehrling im Betrieb, und so hat sich mit der Zeit mein Freundeskreis der Arbeit angepasst. Wir Lehrlinge waren ein gutes Team und haben uns auch gegenseitig motiviert und beim Durchhalten geholfen. Die viel größere Herausforderung war, mit dem Geld auszukommen. Mein Konto war permanent überzogen, obwohl ich bei meiner Mutter wohnte, um die Fixkosten niedrig zu halten. Aber nach zwei, drei Saisonen in einer Tourismus-Hochburg war auch das wieder ausgeglichen. Und mein letzter Saisoneinsatz war entscheidend für meine weitere Laufbahn. Zum ersten Mal arbeitete ich in einem Fünf-Sterne-Hotel und konnte hinter die Kulissen eines solchen Betriebes schauen. Ich war von Anfang an begeistert.

STANDARD: Haben Sie auch manchmal daran gedacht, die Branche zu wechseln?

Wittrich: Ja, mehrmals sogar, die Arbeitszeiten in der Hotellerie sind nicht unbedingt beziehungsfreundlich. Und berufliche Durchhänger hat wohl jeder. Dreimal habe ich es auch in einer anderen Branche probiert.

Doch schon nach wenigen Monaten bekam ich Entzugserscheinungen. Mir haben die Atmosphäre und das Ambiente eines Hotels gefehlt. Ein Hotel ist eine kleine Welt in sich. Ich habe nicht gedacht, dass mir die derart abgehen wird. Außerdem bin ich nicht der Richtige für einen Nine-to-five-Job, denn es ist auch ganz schön freizuhaben, wenn die anderen arbeiten müssen.

STANDARD: Haben Sie Tipps für Lehrlinge?

Wittrich: Das wichtigste ist, dass man Koch oder Kellner auch wirklich werden will. Die Ausbildung verlangt viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Mir haben erreichbare Etappenziele dabei geholfen. Als erstes wollte ich zum Geldverdienen auf Saison gehen, dann international Erfahrungen sammeln. Und so hat eines zum anderen geführt. Gerade bei einer großen Hotelkette wie Marriott hat man die Möglichkeit, viele unterschiedliche Bereiche auszuprobieren, und diese Chance sollte man auch nutzen. Wichtig ist aber, dass man am Boden bleibt und nicht zu schnell alles will. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.1.2008)

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Informationen über Berufseinstieg sowie Karrierechancen in der Tourismusbranche und Kurzinfo über die Initiative "Amuse-Bouche" unter: f-b-manager.com

  • Zur Person
Horst Wittrich ist seit Juni 2007 Hotel-Manager des Renaissance Hotels in Amsterdam. Nach seiner Lehre zum Koch und Kellner in Wien sammelte er internationale Hotelerfahrungen in Neuseeland, Deutschland und der Schweiz. 
Von 1997 an war er in verschiedenen Ferienresorts in Nordafrika und Südeuropa als F-&-B-Manager tätig, ehe er 2005 wieder in die Spitzenhotellerie nach Wien zurückkehrte.
    foto: standard/wittrich

    Zur Person

    Horst Wittrich ist seit Juni 2007 Hotel-Manager des Renaissance Hotels in Amsterdam. Nach seiner Lehre zum Koch und Kellner in Wien sammelte er internationale Hotelerfahrungen in Neuseeland, Deutschland und der Schweiz.

    Von 1997 an war er in verschiedenen Ferienresorts in Nordafrika und Südeuropa als F-&-B-Manager tätig, ehe er 2005 wieder in die Spitzenhotellerie nach Wien zurückkehrte.

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