AMD mit Riesenverlust

28. Jänner 2008, 14:17
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Zukauf von ATI belastet die Bilanzen nachhaltig - Geschäft kommt allmählich wieder in Gang

Der Intel-Konkurrent AMD bringt sein Geschäft allmählich wieder in Gang - der überteuerte Kauf des Grafikchip-Spezialisten ATI reißt ihm jedoch Milliarden-Löcher in die Bilanz. Im vierten Quartal erlitt AMD einen Verlust von 1,77 Mrd. Dollar (1,205 Mrd. Euro), etwa dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Allerdings waren die operativen Verluste überschaubar und das Kerngeschäft mit PC-Prozessoren schaffte nach einem Rekordabsatz wieder schwarze Zahlen. Der AMD-Umsatz stagnierte bei ebenfalls 1,77 Mrd. Dollar, wie das Unternehmen nach US-Börsenschluss am Donnerstag mitteilte.

"Barcelona"

Advanced Micro Devices (AMD), der Hauptkonkurrent des Marktgiganten Intel, schrieb damit das fünfte Quartal in Folge rote Zahlen. AMD kämpfte zuletzt mit Lieferverzögerungen bei seinem neuen Vierkerne-Chip "Barcelona" und drückt auf seinem Sanierungskurs massiv die Kosten. Die Analysten sind sich uneins, ob sich AMD dauerhaft erholt und den Vorsprung zu Intel verringern kann. Im vierten Quartal lieferte AMD immerhin 400.000 Vierkerne-Chips aus. Ohne diverse Belastungen bezifferte der Konzern den operativen Verlust auf nur noch neun Mio. Dollar.

Schwarze Zahlen

AMD will laut früheren Angaben im dritten Quartal 2008 operativ wieder schwarze Zahlen schreiben. Im laufenden ersten Quartal werde der Umsatz saisonbedingt sinken, hieß es jetzt.

Der Großteil des Verlustes im Schlussquartal stammt aus einer Wertberichtigung in Höhe von 1,61 Mrd. Dollar vor allem im Zusammenhang mit der Übernahme des Grafikchip-Herstellers ATI Technologies. AMD hatte der US-Börsenaufsicht bereits im Dezember mitgeteilt, für ATI 2006 mit 5,6 Mrd. Dollar zu viel bezahlt zu haben. Der Prozessoren-Hersteller kaufte ATI unter anderem mit der Idee, innovative integrierte Produkte auf den Markt zu bringen. Die Fusion gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht.

Abu Dhabi

Im Gesamtjahr explodierte bei AMD der Verlust auch durch die Einmallasten auf 3,4 Mrd. Dollar nach einem Minus von 166 Mio. Dollar in 2006. Der Umsatz stieg um 6,4 Prozent auf 6,0 Mrd. Dollar. Erst kürzlich stieg das Emirat Abu Dhabi mit gut acht Prozent ein und versorgte AMD mit einer Kapitalspritze.

Die Börse sah im operativen Geschäft von AMD Fortschritte in Richtung Gewinnzone. Im nachbörslichen Handel stieg die AMD-Aktie um rund fünf Prozent auf knapp 6,70 Dollar.

Gewinn von 21 Mio. Dollar

Der Prozessor-Bereich erzielte im Schlussquartal einen operativen Gewinn von 21 Mio. Dollar, nachdem er im dritten Quartal noch ein Minus von 112 Mio. Dollar verbucht hatte. Im gesamten Jahr summierten sich die operativen Verluste in der Sparte jedoch auf 670 Mio. Dollar. Im Grafik-Bereich gab es im letzten Quartal noch zwölf Mio. Dollar Verlust (Vorjahresquartal: 27 Mio. Dollar).

Der mit großem Abstand führende Branchenprimus Intel hatte am Dienstag einen Gewinnsprung vermeldet. Allerdings enttäuschte der etwas vorsichtigere Ausblick die Börse und schickte den Aktienkurs auf Talfahrt. (APA/Reuters)

  • AMD-Chef Hector Ruiz

    AMD-Chef Hector Ruiz

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