"Die müssen einen Huscher haben"

18. Jänner 2008, 10:28
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Harti Weirather will die Streif nicht mehr fahren. Statt­dessen macht der Abfahrts­weltmeister von 1982 aus Kitz einen Tummelplatz für VIPs, Businessmenschen - STANDARD-Interview

STANDARD: Was ist für Sie aufregender: die Streif zu fahren oder das Hahnenkamm-Wochenende zu organisieren?
Weirather: Wir sind ja - unter Anführungszeichen - nur der Vermarkter. Die meiste Arbeit hat der Skiclub Kitzbühel. Das, was wir hier haben, ist nur eine Nebenrolle. Aber die ist für mich genauso aufregend und spannend wie das Selberfahren. Der einzige Unterschied: Es ist vermutlich ein bisserl gesünder - weil da schon ein erhebliches Risiko dabei ist.

STANDARD: Reizt es Sie, selbst noch einmal die Streif herunterzufahren?
Weirather: Nein, nein, nein, um nix in der Welt! Heute denke ich mir, die müssen alle einen Huscher haben. Wenn du da zuschaust, siehst du es doch: Das ist alles extrem am Limit.

STANDARD: Der Mythos Kitzbühel lebt auch davon und ist ein wichtiger Bestandteil der Vermarktung. Aber wie erklärt man den Mythos jemandem, der davon noch nie gehört hat?
Weirather: Kitzbühel ist die Symbiose zwischen sportlicher Höchstleistung und gesellschaftlicher Plattform. Diese Mischung ist ein ganz wichtiger Teil des Mythos. Natürlich macht den Großteil die Streif selbst mit ihren typischen Streckenabschnitten wie Mausefalle, Steilhangausfahrt und Hausbergkante aus.

STANDARD: Auf ihrer Homepage heißt es, dass Kitzbühel das Paradebeispiel der Vernetzung von Kommunikation, Sponsoring, PR und Promotion über VIP- und Public-Events sei. Wie funktioniert diese Symbiose? Im vergangenen Jahr sogar ohne Rennen.
Weirather: Da muss man die Kirche im Dorf lassen. Ohne den sportlichen Wettkampf am Hahnenkamm funktioniert und passiert das andere überhaupt nicht. Das geht vielleicht ein oder zwei Jahre, dass man sich da drüberschummelt. Aber das Spektakel lebt vom Super-G und der Abfahrt - zum Teil auch vom Slalom. Die Mischung ist notwendig, aber die sportliche Höchstleistung die Grundvoraussetzung dafür.

STANDARD: Sie gelten als ein Pionier des Sportmarketings und -sponsorings. Was ist der Benefit für Sportler, Sponsoren und Konsumenten?
Weirather: Dem Sportler bringt es neben der Ehre eben viel Preisgeld. Dem Sponsor bringt es Image. Kitzbühel ist ein toller Träger für Imagewerbung. Hier kann man Kundenbeziehungen ideal pflegen und neue Kontakte schließen. Dem Fan wird hier enorm viel geboten: der Sport und ein Rahmenprogramm, das nichts zu wünschen übrig lässt. Deshalb ist das eine echte Win-Win-Geschichte für alle.

STANDARD: Österreich steht vor der EURO. Ist das, was auf die Städte zukommt mit dem vergleichbar, was in Kitzbühel jedes Jahr passiert?
Weirather: Das wird das Größte, was Österreich je gehabt hat. Außer den Olympischen Spielen hat es so etwas noch nie bei uns gegeben. Aber vergleichbar ist es nicht. Die EURO ist eine Massenveranstaltung, Kitzbühel in dem Sinn nicht. Es gibt zwar Wochenenden, wo fast 100.000 Zuschauer da sind, aber es geht weniger um die Massen als um Qualität.

STANDARD: Wie definiert man bei solchen Veranstaltungen Qualität?
Weirather: Das Wichtigste ist, dass der Fan Spaß hat, dass er zufrieden ist. Das gilt auch für den TV-Zuseher. Der muss spektakuläre Bilder bekommen, dann sind auch die Sponsoren zufrieden. Und den VIPs muss man ein tolles Programm bieten.

STANDARD: Aber kann man das jedes Jahr weiter steigern? Kann man Kitzbühel noch einen weiteren Spin geben?
Weirather: Noch größer geht nicht. Wir sind am Limit. Mehr Menschen kann Kitzbühel gar nicht schlucken. Es geht darum, den Kunden immer ein noch besseres, spektakuläreres Programm zu bieten. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 18. Jänner 2008)

ZUR PERSON:

Hartmann "Harti" Weirather (49) gewann sechs Abfahrten im Weltcup, darunter 1982 jene in Kitzbühel. Im selben Jahr wurde er in Schladming Abfahrtsweltmeister. Weirather ist mit Hanni Wenzel (51), der ersten Olympionikin Liechtensteins (1980, Slalom und Riesentorlauf) verheiratet. Tochter Tina (18) ist ebenfalls Skirennläuferin. Weirather betreibt seit 1987 die in Dornbirn ansässige und im Sportmarketing tätige Agentur WWP und ist Hahnenkamm-Marketingchef.

  • Hartmann "Harti" Weirather
    foto: standard/newald

    Hartmann "Harti" Weirather

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