
Mit der Ukraine gibt es an der Gasfront wieder Probleme.
Konkret geht es darum, Bulgarien für neue Öl- und Gaspipelines zu gewinnen und den Bau eines Kernkraftwerks in Gang zu bringen.
Letzteres ist in Bulgarien insofern ein brisantes Thema, als das Land, das größter Energieexporteur auf dem Balkan war, durch den Beitrittsvertrag zur EU die Blöcke 3 und 4 des AKW Kosloduj mit Ende 2006 vom Netz nehmen musste.
Unter dem Exporteinbruch leidet seither nicht nur Bulgarien, die Hauptabnehmer Albanien, Kosovo, Mazedonien und Montenegro büßten im letzten Winter bis zu 40 Prozent ihrer Stromversorgung ein.
Die EU, die Bulgarien 550 Millionen Euro Entschädigung bis 2013 zahlt, stellt sich gegen bulgarische Versuche, Kosloduj wieder hochzufahren. Als Ersatz hatte Bulgarien schon im Oktober 2006 die russische Atomstromexport gemeinsam mit dem deutsch-französischen Konsortium Areva beauftragt, zwei Leichtwasserreaktoren in Belene zu errichten. Bis 2012 sollen sie ans Netz gehen.
Putin hat dieser Tage versprochen, das Land schon 2010 zu einem führenden Stromexporteur zu machen. Allgemein wird davon ausgegangen, dass nun der Generalvertrag zum Bau von Belene unterzeichnet wird.
Bekämpft von der Opposition
Ein anderes Großprojekt wird zwar von der bulgarischen Opposition und Ökologen bekämpft, soll nun aber noch im Jänner in Bau gehen: Die Ölpipeline vom bulgarischen Schwarzmeerhafen Burgas bis in den griechische Ägäis-Hafen Alexandroupolis. An der 280 km langen und eine Milliarde Dollar teuren Leitung in Umgehung der Türkei wird Russland 51 Prozent halten, den Rest teilen sich die beiden anderen Partner.
Durch die Kapazität von jährlich 35 Mio. Tonnen und später möglicherweise 50 Mio. Tonnen kann der Tankschiffexport durch den Bosporus fast zur Hälfte entlastet werden.
Bulgarien "muss seine günstige Lage im Energiebereich nutzen", hatte Außenminister Iwajlo Kalfin eben die Bereitschaft zur Teilnahme an internationalen Energievorhaben bekundet. Dass man dabei in die Zwickmühle geraten kann, zeigt die von Russland geplante und 4,8 Mrd. Euro teure Gaspipeline "South Stream", über die ab 2011 jährlich zumindest 30 Mrd. Kubikmeter Gas von Russland nach Italien fließen sollen. Bulgarien könnte seine Teilnahme verschieben, meinte der bulgarische Wirtschafts- und Energieminister Pjotr Dimitrow dieser Tage.
Technologische Schwierigkeiten
Putins Berater Sergej Prichodko begründet dies mit "technologischen und juristischen" Schwierigkeiten, nicht mit politischen. In Wirklichkeit aber hat Bulgarien auch das Konkurrenzprojekt über sein Territorium in Aussicht: Die 4,6 Mrd. Euro teure und von der EU sowie den USA forcierte Pipeline Nabucco, die ab 2011 jährlich 31 Mrd. Kubikmeter Gas vom Kaspischen Meer über 3300 km nach Europa leiten soll.
Die Gasfront bleibt für Russland also die empfindlichste. Ein neuer Gaskonflikt zwischen Moskau und der Ukraine hat soeben begonnen. Das umstrittene Gastransportkonsortium Rosukenergo (RUE) hat angeblich wegen ausstehender Gaslieferungen aus Zentralasien nun mehr eigenes russisches Gas in die Ukraine liefern müssen. Dieses aber ist um Längen teurer. Zuvor hatte die neue ukrainische Regierung höhere Durchleitungsgebühren verlangt. Und Premier Julia Timoschenko will einmal mehr die verhasste RUE aus dem Geschäft drängen. Am 23. Jänner soll ein bilaterales Treffen der Premierminister stattfinden. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.1.2008)
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