Alien-Catcher bedrohen Gürtel-Lokal: Bulbul

24. Jänner 2008, 17:39
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"10 x Fitze Fatze": Das heimische Rocktrio startete im Wiener "Rhiz" eine Konzertserie

Wien – Dass man Manfred Englmayr nicht lange bitten muss, damit er sich für Auftritte in Damenkleidung wirft, verdeckt mitunter sein musikalisches Talent. Dabei muss man den oberösterreichischen Gitarristen mit seinem Trio Bulbul seit gut zehn Jahren zum Besten zählen, was unser Land an sturschädeliger Rockmusik je hervorgebracht hat.

Zwischen den Dampfhammer- und Donnergurgler-Exerzitien im Stile der Melvins oder Black Sabbaths und den Gitarren-Gniedeleien eines Frank Zappa weist bei Bulbul sehr viel darauf hin, dass die Jugend definitiv nicht in der für jede Ablenkung guten Großstadt verbracht wurde.

Das klingt alles eher nach Jugend mit Fluchtplan und drei Lieblingsalben. Sheik Yerbouti, Paranoid, Lysol. In ländlicher Abgeschiedenheit pubertierend, lernte man diese Ton für Ton auf der Gitarre, um sich später als Erwachsener auf der Bühne an der einst vorenthaltenen Weltläufigkeit zu rächen.

Anlässlich der im Mai ihren Höhepunkt erlebenden Zehn-Jahres-Feierlichkeiten des Wiener Musikclubs Rhiz gaben Bulbul dort nun das erste Konzert einer selbstgebastelten Reihe namens "10 x Fitze Fatze". Damit dies nicht gar zu langweilig wird, bittet man zu jedem Auftritt Gastmusiker auf die Bühne, mit denen ein exklusives Programm erarbeitet wird.

Dem ersten Gast verdankte es das Publikum schließlich, dass Bulbul nicht nur ungewohnt monoton Gussbeton rührten. Auch modisch überraschte das Trio. Aus der Humana-Filiale ins Weltall! Weil man mit dem berüchtigten Keyboarder Philipp Quehenberger eine Sichtung seines derben Techno-Spacerock-Albums Phantoms in Paradise unternahm, hatte man sich mit Pailletten-Capes und mexikanischen Alien-Catcher-Masken behübscht – und hämmerte dem Publikum eines um die Ohren: Umgreifen gilt im Rock eher als Hobby von Leuten, die zuhause gern Teppichfransen kämmen. Am 13. Februar geht es bei "10 x Fitze Fatze" weiter mit der Slowenin Maja Osojnik ("Horror"). (Christian Schachinger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.1.2008)

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    foto: kurt prinz

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