Obacht, FPÖ: Arabisch-steirisches Reh

22. Jänner 2008, 17:00
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Ein versöhnlicher kulinarischer Beitrag nach der blauen Grazer Wahlidiotie - Harald Fidler assoziiert wild

Die Grazer Gemeinderatswahl haben wir hinter uns, an den Trotteleien der örtlichen FPÖ werden wir noch länger kiefeln. Ich tröste mich mit der Erinnerung an ein feines Wirtshaus in sicherer, südlicher Entfernung der Landeshauptstadt mit quasi multikultureller Versöhnung auf dem Teller.

Ehrlicherweise zögerte ich ein bisschen. Nicht aus politischen oder religiösen Grunden, Gott (welcher auch immer) bewahre! Ich hab's einfach nicht so mit jener Gewürzrichtung, die ich Dilettant so zirka im orientalischen Spektrum verorte. Arabisches Reh von der Soboth? Also ich weiß nicht, bei aller Liebe zum Wild.

Karte überschaubar

Nun war die Karte der Traube in St. Veit am Vogau bei unserem Besuch (allerdings schon etwas her) sehr übersichtlich: Drei Vorspeisen, drei Hauptspeisen (darunter gebackene Forelle sowie ein Entrecote - halt, schon ok, nur für zwei), Desserts, ein Menü, sagen die Fressnotizen. Gault Millau schreibt von zwei Sechsgangmenüs am Abend, davon jedenfalls konnte bei uns nicht die Rede sein. Derzeit auf der Seite (Link unter dem Bild): Einmal Fünf- einmal Sechsgang. Macht aber auch gar nichts, bin ohnehin meist erschlagen von allzu umfangreichem Angebot.

Ich wollte Fleisch (wie eigentlich fast immer, wenn ich essen gehe), meine Begleitung nicht. Also blieb mir eh nur das Reh, das unter anderem pimentbedingt arabische, von der Soboth. Ich habe es beileibe nicht bereut: Das Filet sehr rosa, sehr knackig, dazu Apfelmus und, fast noch besser, knusprige Teigtaschen mit Rehfüllung, in die durchaus die eine oder andere Innerei des Tieres gewandert war. Große Freude.

Davor? Sehr spannende marinierte Paradeiser und Zitrusfrüchte zu den Flusskrebsen - mit Lakritzkraut, von dem ich Banause noch nie gehört hatte. Spontan gingen sich für Fleischverweigerer zum Beispiel abseits der Karte sehr anständige geröstete Eierschwammerl aus, die Trüffelnudeln als Hauptgang waren indes ein bisserl fad.

Ei mit 62 Grad

Für mich gab's Beef Tatare (bisschen süßlich, aber sehr fein), begleitet von anständiger Kraftsuppe im Glas. Und Entenleber mit 62-Grad-Ei, einer Art Niedertemperaturspiegelei mit extraflüssigem Dotter, yummy. Dazu noch Erdäpfelcreme, insgesamt sehr, sehr rich, sehr, sehr fein. Ja, und dann halt das arabische Reh von der Soboth, die ich nun gleich zweimal mag - als Motorradstrecke (Gruß an Kollegen glu!) und als wunderbare Wildquelle. Hoffe halt, diese beiden Punkte kommen dort nicht allzu oft zur Deckung.

PS: Die kleine Mittagskarte hat mich bei einem früheren Besuch (vielleicht auch wegen zu hoher Erwartungen) ein bisschen enttäuscht. Und die immer wieder vorbeiflitzenden Fliegen in der Gaststube fand ich bei zwei abendlichen Visiten ein bisschen störend. Aber sonst: formidabel, hab ich schon mit sehr positivem Feedback weiterempfohlen.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
  • Reh von der Soboth, Arabistik von Thallers.

Gasthaus Zur Traube
Thaller
Am Kirchpl 4
8423 St. Veit am Vogau
03453 /25 08
zurtraube.at

Zweimal drei Gänge, Wein, Kaffee: rund 100 Euro
    fid

    Reh von der Soboth, Arabistik von Thallers.

    Gasthaus Zur Traube
    Thaller
    Am Kirchpl 4
    8423 St. Veit am Vogau
    03453 /25 08
    zurtraube.at

    Zweimal drei Gänge, Wein, Kaffee: rund 100 Euro

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