Interview: Raiffeisen-Marketer Pruschak

16. Jänner 2008, 19:03
5 Postings

Raiffeisen-Marketing-Chef Leodegar Pruschak über die zehnjährige Zusammenarbeit mit Hermann Maier, deren Wirkung und deren Zukunft - STANDARD-Interview

STANDARD: Ist Hermann Maiers Marktwert gesunken, weil er seit bald zwei Jahren kein Skirennen mehr gewonnen hat?

Pruschak: Der Marktwert lässt sich schwer einschätzen. Aber der Werbewert für unsere Marke ist nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Hermann Maier hat sich durch seine Vergangenheit unabhängig gemacht von der Aktualität. Ich sehe derzeit keine rückläufige Tendenz.

STANDARD: Wird Maiers Wirkung permanent überprüft?

Pruschak: Es finden regelmäßig Erfolgskontrollen statt. Unsere Partnerschaft dauert ja schon zehn Jahre.

STANDARD: Was ist der Unterschied zwischen damals und heute?

Pruschak: In den ersten zwei Jahren war Maier ein normales Sporttestimonial. Er hat das Logo auf der Kappe, auf dem Helm, auf der Haube getragen, präsentierte sich als Sportler.

STANDARD: Und dann?

Pruschak: Dann wurde seine Medienpräsenz einfach enorm, er schmückte alle Titelseiten. Und wir begannen mit der Gesamtkommunikationskampagne. Hermann Maier als Privatperson in verschiedenen Lebenslagen, der die Themen transportiert. Und durch seinen Bekanntheitsgrad bewirkte er Werbewerte, wo kein anderer hinkommt. Er schaffte es zur höchsten Markenzuordnung eines Sportlers. Und unter den Finanzdienstleistern sind wir in der Werbung dank Hermann Maier weit über dem Durchschnitt die Nummer eins. Das betrifft die Werbeaktualität oder auch die Plakatwiedererkennung.

STANDARD: Was spielte sich in der Zeit nach seinem Motorradunfall ab?

Pruschak: Die Werte sind geringfügig zurückgegangen. Aber das Zu-ihm-Stehen erhöhte wiederum unsere Sympathiewerte.

STANDARD: Und das Comeback?

Pruschak: Das war ein Riesenimpuls. In drei Wochen wurden Hermann Maier und Raiffeisen 1,8 Millionen Mal genannt. Der Werbewert betrug ein Vielfaches der Sponsorsumme. Das gibt es jetzt nicht mehr in dieser Ausprägung.

STANDARD: Über die Sponsorsumme ist wie üblich Stillschweigen vereinbart.

Pruschak: So ist es. Ich kann Ihnen aber sagen, dass wir in früheren Zeiten Zwei- und sogar einen Dreijahresvertrag mit Maier hatten. Der derzeitige Einjahresvertrag gilt bis Sommer 2008. Und auf seinen Wunsch ist der Vertrag extrem leistungsbezogen gestaltet. Er will ja gewinnen. Was das Fixum betrifft, hat es eine Reduktion gegeben.

STANDARD: Trauen Sie ihm noch weitere Siege zu?

Pruschak: Es wird schwierig. Es passt offenbar noch nicht alles zusammen. Persönlich glaube ich, dass die Zeichen derzeit nicht auf Sieg stehen.

STANDARD: Ist eine Zusammenarbeit mit Maier auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere denkbar?

Pruschak: Ich komme gerade aus einem Meeting mit Agenturen. Da wurde besprochen, welche Rolle er nachher spielen könnte. Auch Franz Beckenbauer ist erst nach seiner Fußball-Karriere so richtig zum Kaiser aufgestiegen. Aber es kommt ganz darauf an, ob Hermann Maier eine öffentliche Person bleiben will. Will er das, dann werden wir mit ihm reden. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 17. Jänner 2008)

ZUR PERSON: Der Wiener Neustädter Leodegar Pruschak, Jg. 1956, studierter Jurist, ist Marketing-Direktor der Raiffeisen Zentralbank und Geschäftsführer der Zentralen Raiffeisenwerburg. 2007 wurde er zum Marketer des Jahres gewählt.
  • Leodegar Pruschak
    foto: der standard/newald

    Leodegar Pruschak

Share if you care.