Lokalaugenschein im Einkaufszentrum: Alles muss raus

16. Jänner 2008, 23:10
9 Postings

Der Ausverkauf lädt wieder zur Schnäppchenjagd ein - Prächtige Voraussetzungen für ein gutes Geschäft im Zeitalter von "Geiz ist geil"

Wien – Es purzeln wieder die Preise. Pünktlich zu Jahresbeginn hat im Handel das große Räumen begonnen. Nachdem Christkind und Weihnachtsmann im Dezember noch einen starken Endspurt hingelegt haben, locken jetzt die Auslagen vieler Geschäfte mit der Ankündigung von reduzierten Preisen bis zu -70 Prozent. Eigentlich prächtige Voraussetzungen für ein gutes Geschäft im Zeitalter von "Geiz ist geil" und der durchs Internet populär gewordenen Schnäppchenjagd.

Ausverkauf kein Geschäft mehr

Auch in der Lugner City stehen die Zeichen auf Abverkauf. In praktisch allen Geschäften und Boutiquen hat sich der Rabatt breit gemacht. Die Intersport-Filiale macht da keine Ausnahme. Der Slogan "Lebe den Sport" und dass, um mehr als die Hälfte billiger, soll die Kundschaft dazu bringen, die Regale leer zu räumen. Den Abverkauf startete der Sportartikelhändler mit der Freizeitbekleidung gleich nach Weihnachten, nur kurze Zeit später folgte auch der Rest der Ware. Filialleiter Walter Öllinger, zur Zeit ein viel beschäftigter Mann, meint der Abverkauf laufe so wie immer. Beim Nachhaken, ob er mit dem Geschäft zufrieden sei, meint er mit einem verschmitzten Lächeln: "Das werde ich Ihnen nicht sagen. Aber der Ausverkauf ist nicht mehr so wichtig. Verdienen tut man im Weihnachtsgeschäft, jetzt sind praktisch keine Spannen mehr drinnen. Außerdem ist das Sportartikelgeschäft ein Bedarfsgeschäft. Das heißt, man kauft etwas, wenn man es braucht." Und schon ist er wieder weg um eine Kundin mit voller Skiausrüstung Richtung Kassa zu begleiten.

Die volle Bandbreite

Und die Kunden? Eine junge Frau trägt gerade ihre Winterjacke zum halben Preis aus dem Eduscho-Shop. Ein richtiges Schnäppchen, zumindest für Susi Berger. Die Dekorateurin scheint wirklich glücklich mit ihrem Fund zu sein. "Ich gehe gern auf Schnäppchenjagd und der Ausverkauf ist eine gute Gelegenheit dafür", ist die 31-jährige begeistert. Zu einer ganz anderen Kategorie zählt Igor Matic. Der Verkaufstechniker kann mit der verbilligten Ware gar nichts anfangen und meint kurz und bestimmt: "Also mit diesen Halbpreis-Dingen möchte ich gar nichts zu tun haben."

"Man kann nicht immer warten"

Przemyslaw Lubomski und seine Familie sehen die Sache etwas anders. Er sei nicht wegen des Ausverkaufs zum Shoppen gekommen, sondern weil er die langen Öffnungszeiten im Einkaufszentrum gut findet. Außerdem könne man bei den Kindern sowieso nicht solange warten. "Wenn es kalt ist, dann braucht das Kind eine warme Jacke. Wenn es die Sachen braucht, muss ich sie gleich kaufen. Und im nächsten Jahr ist die Jacke dann schon wieder zu klein", meint der Installateur. Für sich selbst hat er aber schon etwas gefunden. Wer selbst noch einen Preishit im Abverkauf ergattern möchte, hat noch bis Ende Februar Zeit. Die Auswahl wird allerdings von Minute zu Minute kleiner, ganz wie die Preise. (red, derStandard.at, 15.1.2008)

  • Susi Berger sieht im Ausverkauf eine gute Gelegenheit zur Schnäppchenjagd.
    foto:aigner

    Susi Berger sieht im Ausverkauf eine gute Gelegenheit zur Schnäppchenjagd.

  • Igor Matic ist kein Freund von reduzierter Ware.
    foto:aigner

    Igor Matic ist kein Freund von reduzierter Ware.

  • Przemyslaw Lubomski: "Man kann nicht immer auf den Ausverkauf warten!"
    foto:aigner

    Przemyslaw Lubomski: "Man kann nicht immer auf den Ausverkauf warten!"

Share if you care.