Pop-Songs, Kondome und Internetfreunde

3. Februar 2008, 16:18
52 Postings

Die Grazer JugendpolitikerInnen machen sich auf die Suche nach den ErstwählerInnen: In Schulen, im Internet und auf dem Heimweg von der Disco

Die Grazer Stadtpolitik hat eine neue Kundschaft: die 16- bis 18-Jährigen. Nach dem neuen Wahlrecht dürfen bei der Gemeinderatswahl 4.251 Personen in dieser Altersgruppe ihre Stimme abgeben. Die Parteien ringen mit unterschiedlichen Methoden um die Gunst der neuen WählerInnen. derStandard.at hörte sich um, mit welchen Tricks die JugendkandidatInnen Stimmen sammeln.

Neugierige SchülerInnen

Mit dem Wahlslogan "Seien wir realistisch" bezieht sich die Jugend-"Spitzenkandidatin" der SPÖ, Nina Pölzl auf die Sorgen der jungen Menschen. Die Themen, mit denen sie die jungen WählerInnen mobilisieren will: "Antifaschismus und leistbares Leben", so Pölzl im Gespräch mit derStandard.at zusammen. In den letzten Wochen habe sie sich mit ihren KollegInnen in die Schulen auf Stimmenfang begeben. "Wahlpartys oder so was haben wir nicht gemacht", so Pölzl.

Das Interesse der Jugendlichen schätzt sie sehr groß ein: "Die SchülerInnen haben uns viele Fragen gestellt." Die Jugendkandidatin rechnet damit, dass die Wahlbeteiligung der 16- bis 18-Jährigen höher sein wird als die allgemeine Wahlbeteiligung.

Digitaler Wahlkampf

Christina Jahn, Jugendkandidatin der Grünen, sieht das ähnlich: "Von Politikverdrossenheit ist nichts zu merken", sagt sie über ihre Erfahrungen im Wahlkampf. Filmvorführungen, Partys und Diskussionsveranstaltungen waren ein Teil ihrer Kampagne – der Stimmenfang im Netz der zweite. Denn die Jungpolitikerin sucht den Kontakt zur Zielgruppe über ihre Myspace-Homepage. "Darauf habe ich viele Rückmeldungen bekommen", sagt sie.

Trotz der vielen Abendveranstaltungen betont Jahn, dass "nicht alles Halli-Galli" ist. "Im Mittelpunkt stehen immer politische Themen, über die wir diskutieren." Bei den SchülerInnen habe sie das Gefühl, dass diese auch wählen gehen wollen. "Aber ich bin mir nicht sicher, ob das auch auf die Lehrlinge zutrifft", meint sie über die Wahlbeteiligung der Jungen.

"Kein Bock"

Etwas mehr "Halli-Galli" ist da schon der Wahlkampf der "Orange Panthers", dem jungen BZÖ. Ihr Schwerpunkt der Jugendkampagne: "Der Ausbau der Disco-Busse und ermäßigte Jugendtaxis, damit die Jugendlichen sicher vom Discobesuch heimkommen", erzählt Kandidat Christoph Jordan. Dort spielt sich der orange Wahlkampf auch ab: "Wir verteilen Kondome und haben unseren eigenen Song." Dass die Jugendlichen den Song "Kein Bock" peinlich finden könnten, verneint Jordan im Gespräch mit derStandard.at: "Die Melodie ist poppig und wir bringen sehr gut unseren Standpunkt rüber."

Mit der Jugendbroschüre glaubt Jordan, die jungen WählerInnen motivieren zu können: "Bei den Schuldiskussionen wurden sie gut aufgeklärt", ist er sich sicher.

Schwerpunkt Bildung

Abgesehen vom BZÖ ist inhaltlich die Bildung das Hauptthema der verschiedenen Kampagnen. Die Kommunistische Jugend fordert mehr Geld für Unis und Schulen sowie Ausbildungsgarantien für alle Grazer Jugendlichen. Die ÖVP will die Jugend "zu Motoren der Wissensgesellschaft" machen. Die FPÖ will getrennte Schulklassen "für mehr Niveau an unseren Pflichtschulen." (lis/derStandard.at, 16. Jänner 2008)

  • "Alles wird besser", versprechen die Grünen.
    screenshot: derstandard.at

    "Alles wird besser", versprechen die Grünen.

  • Die Orange Panthers präsentierten eine "sexy" Jugendbroschüre.
    screenshot: derstandard.at

    Die Orange Panthers präsentierten eine "sexy" Jugendbroschüre.

Share if you care.