Rewe/Adeg-Deal vor EU-Kartellamt

8. Februar 2008, 14:52
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Die Entscheidung über die geplante mehrheitliche Übernahme von Adeg durch die Rewe Austria Gruppe liegt beim EU-Kartellamt

Wien - Die Entscheidung über die geplante mehrheitliche Übernahme von Adeg durch die Rewe Austria Gruppe liegt beim EU-Kartellamt. Wie Rewe-Vorstand Frank Hensel am Mittwoch bestätigte, ist Rewe "derzeit dabei, das Wettbewerbsverfahren in Brüssel anzumelden".

In sechs bis acht Wochen soll es Klarheit geben, "unter welchen Bedingungen die Übernahme gestaltet werden kann". Hensel hält "ein vertieftes Prüfverfahren für realistisch", bei dem Brüssel sechs Monate Zeit habe, eine Entscheidung zu treffen. Aufgrund der Sommermonate dürfte dies bis September dauern, so der Rewe-Vorstand.

Bei der nationalen Bundeswettbewerbsbehörde muss die geplante Übernahmen nicht angemeldet werden, weil der Umsatz der betroffenen Parteien zusammen 5 Mrd. Euro übersteigt und ab diesem Wert für Fusionsverfahren die EU - und nicht die nationale Behörde - zuständig ist, erläuterte BWB-Sprecher Stefan Keznickl auf APA-Anfrage.

Eigentlich zuversichtlich

Dass die geplante Aufstockung der Rewe-Anteile an Adeg von derzeit 24,9 auf 75 Prozent aus wettbewerbsrechtlicher Sicht sich komplex gestalte, sei nicht überraschend. Er, Hensel, sei aber "eigentlich zuversichtlich", dass der Deal dennoch - unter Auflagen - über die Bühne gehen werde. Denn: "Die Alternativen für Adeg sind dünn", so der Rewe-Austria-Vorstand.

Ziel der Übernahme ist laut Rewe die "erfolgreiche Sanierung und der wirtschaftliche Erhalt" der Adeg, deren Marktanteil zuletzt von 6,6 auf 6,1 Prozent geschrumpft ist. Das Ende der Marke Adeg ist laut Hensel sicherlich nicht zu befürchten, "das ist unsere klare Strategie", betonte er.

Wie bei den anderen Marken unter dem Rewe-Austria-Dach soll auch Adeg eine eigene Positionierung erhalten, so der Handels-Boss. Wie diese genau aussehen werde, hänge zwar von den Auflagen der Kartellwächter ab. Fest stehe bereits, dass Adeg zwischen Billa und Merkur positioniert werden soll, eine "sehr regionale Ausprägung" bekommen werde und seine Rolle als Nahversorger behalten soll.

Laut Daten der Marktforschungsgruppe ACNielsen kämen Rewe-Adeg auf mehr als 35 Prozent Marktanteil. In Österreich ist die Schwelle von 30 Prozent relevant, ab der eine marktbeherrschende Stellung vermutet wird. Die Handelsriesen müssen im Wege der umgekehrten Beweislast nun das Gegenteil beweisen.

Einkaufskooperation

Hensel sieht die angestrebte Übernahme "vom Absatzmarkt her" dennoch "unproblematisch", weil der Schwerpunkt des Adeg-Geschäftes im Westen Österreichs, jener von Rewe im Osten liege. Die vom Mitbewerb oft ins Treffen geführte Beherrschung beim Einkauf "ist einfach nicht so", betonte Hensel. Das zeige bereits die aktuelle Zusammenarbeit der beiden Handelsunternehmen. In vielen Fällen sei diese Einkaufs-Kooperation sogar geringer als beim Wettbewerb.

Wie berichtet will Rewe Austria (Billa, Merkur, Penny, Bipa) ihren Anteil an der krisengeschüttelten "Arbeitsgemeinschaft der Einkaufs-Genossenschaften" (Adeg) von 24,9 auf 75 Prozent aufstocken, wobei 37,5 Prozent von der deutschen Edeka stammen, die restlichen 12,6 Prozent von der Genossenschaft "Adeg Österreich Großeinkauf der Kaufleute". (APA)

  • Frank Hensel
    foto: standard/newald

    Frank Hensel

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