Datenschützer: Handy-Überwachung kann sehr einfach ausgetrickst werden

Redaktion, 16. Jänner 2008, 17:29

"Der, der weiß, dass er das Gesetz umgehen will, weil er etwas Illegales plant, wird das auch machen"

Datenschützer sehen mit der Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes (SPG) das Grundrecht auf anonyme Kommunikation gefährdet. Zudem "werden Informationen gesammelt, die mit strafrechtlichen Delikten nichts zu tun haben und somit irrelevant werden", so Datenschutzrechtler Hans G. Zeger zur APA. Nach Meinung von Datenschützern gebe es überdies zum Teil sehr einfache Wege, die Überwachung zu umgehen.

"Der, der weiß, dass er das Gesetz umgehen will, weil er etwas Illegales plant, wird das auch machen"

"Der, der weiß, dass er das Gesetz umgehen will, weil er etwas Illegales plant, wird das auch machen", meint Zeger. "Das heißt nicht, dass es jedem Täter gelingt, alle Spuren zu verwischen, aber mit dem neuen Gesetz werden nur ein paar Wenige gefasst werden." So gebe es bei Banken heute 100-prozentige Videoüberwachung, dennoch "steigen die Banküberfälle und die Aufklärungsrate sinkt seit Jahren." Die Überwachung sei nur eine von mehreren Aspekten geworden, welche ein Bankräuber bei der Planung bedenken müsse.

Wertkarte

Um im Mobilfunkbereich einer Überwachung zu entgehen, so genüge nach Ansicht des Datenschutzvereines Quintessenz das regelmäßige Wechseln der unregistrierten Sim-Karte und des Mobiltelefons. In Österreich sei es noch möglich, Wertkarten ohne Registrierung beim Netzbetreiber zu erhalten. Ganz anders in Deutschland: dort würden fast ausnahmslos alle Wertkarten nachträglich auf einer Webseite registriert werden müssen. "Dazu sind in der Regel Angaben wie die Personalausweis/Reisepassnummer und/oder ein deutsches Konto nötig", so Quintessenz.

"Gespräche in das österreichische Netz in der Regel kaum teurer als im Inland selbst sind"

Im Festnetzbereich müsse man lediglich auf Anbieter außerhalb Österreichs zurückgreifen, so etwa die Dienste ausländischer Call-by-Call Anbieter. Nachdem die Einwahlnummer gewählt wird, sei der freigerubbelte Code einer Prepaid-Karte einzugeben und man könne danach das Guthaben anonym vertelefonieren. Eine weitere Möglichkeit stelle auch die Internet-Telefonie (VoIP) dar. Auch hier müsse man bloß ausländische - "bestenfalls außerhalb der EU gelegene" - Anbieter verwenden, so der Datenschutzverein, wobei "Gespräche in das österreichische Netz in der Regel kaum teurer als im Inland selbst sind".

Anonymisierungsdienste

"Im Internet lässt sich eine Verfolgung durch Anonymisierungsdienste wie zum Beispiel 'Tor' oder 'Mixmaster' wirksam unterbinden." Die Dienste verschlüsseln den gesamten Internet-Verkehr und versenden die Daten über zufällig ausgewählte Server im Internet. Damit werde verhindert, dass Webseiten die vom Internetsurfer genutzte IP-Adresse speichern können. "Wem das zu viel Aufwand ist, der kann einfache Anonymisierungsdienste für einzelne Services benutzen", heißt es seitens Quintessenz. Auf der Webseite von freeproxy.ru werden zahlreiche Anbieter aufgeführt, die das anonyme Surfen oder Versenden von E-Mails im Internet anbieten.

Im Wesentlichen sind es drei Punkte, die das novellierte SPG seit 1. Jänner 2008 bringt: die Abfrage von Standortdaten von Mobiltelefonen, der Einsatz von sogenannten IMSI-Catchern und die Auskunftspflicht von Internetprovidern über ihre Kunden. Der Exekutive ist es seit 1. Jänner auch erlaubt, die Daten ohne richterlichen Beschluss in "konkreten Gefahrensituationen" einzufordern.

IMSI-Catcher

Neben der Handyortung durch die Sendemasten der Mobilfunkbetreiber darf die Exekutive künftig auch auf den Einsatz IMSI-Catcher zurückgreifen. IMSI (International Mobile Subscriber Identity) ist ein 15-stelliger Code, welcher zur Identifikation auf jeder SIM-Karte gespeichert ist. Der Code beinhaltet Informationen über das Land, den Provider und die Handykennnummer.

Im Einsatz simuliert der Catcher ein Mobilfunknetz und zieht alle Handysignale in unmittelbarer Umgebung an. Damit kann der Standort der verdächtigen Person ausgelotet werden. Technisch gesehen ist es auch möglich, Gespräche abzuhören, ohne dass es die Mobilfunkbetreiber bemerken. Laut Klaus Steinmaurer, Chef der Rechtsabteilung von T-Mobile Austria, werde von einem IMSI-Catcher der gesamte Handyverkehr einer Funkzelle abgezogen, womit auch die Telefonate nicht beteiligter Personen betroffen seien.

Namen, Anschrift und Teilnehmernummer

Im Bereich Internet sind Betreiber öffentlicher Telekommunikationsdienste und sonstige Diensteanbieter verpflichtet, Auskunft zu Namen, Anschrift und Teilnehmernummer eines bestimmten Anschlusses, Internetprotokolladresse (IP-Adresse) zu einer bestimmten Nachricht und den Zeitpunkt ihrer Übermittlung sowie Namen und Anschrift eines Benutzers, dem eine IP-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt zugewiesen war (dynamische IP-Adresse), bekanntzugeben.(APA)

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Mixmaster? Tor?

Die meisten Server bei den genannten Diensten komen von der Regierungstellen und werden gratis zur Verfuegung gestellt; warumwieso?
Nur ein Trottel wuerde Tor fuer serioes halten.

Am besten ist die Nichtbenutzung der elektronischen Kommunikation.

ist so

da helfen auch keine negativbewertungen ;)
mittlerweile gibt es schon "private" tor knoten, die zum mit-sniffen von daten benutzt werden. sobald man so einen knoten als endpoint im netzwerk hat, übergibt man seine kreditkartendaten beim "sicheren" einkauf wieder irgend einer mafia...
SSL und Tor ist grade mal noch sicher, man muss allerdings die forschritte der chinesen beim reverse-engineering von gängigen cryptoverfahren auch beachten.
so gesehen ist die aussage "Sicherheit gibts nur durch Nichtbenutzung elektronischer Kommunikation" nur zu unterstreichen.
Naivlinge und vermeintliche Besserwisser können weiter schlecht bewerten, das ändert nichts.
Erschreckend auch, dass die WKO seit Monaten mit ihrem TOR-USB-Stick für Sicherheit wirbt!

Ah, und noch was! Sie haben entweder nicht verstanden was Reverse-Engineering ist, oder wie gängige crypto-Verfahren funktionieren. Security by obscurity gibt es vielleicht bei GSM, jedoch nicht bei AES, SHA, et cetera!

ich kann durch ihr statement nur erkennen,

dass sie nicht auf dem laufenden stand der cryptotechnik sind. AES bedeutet noch lange nicht sicher. sie werden auch noch irgendwann aufwachen :)
wenn sie "reverse-engineering" hier nicht als metapher erkennen, tun sie mir leid. anscheinend wissen sie um die fortschritte am cryptosektor nicht ausreichend bescheid.
und noch was: ich lese keine computer-bild, auch keine ct und so mist. das sind doch nur populärmagazine der IT.

@Reverse-Engineering & Metapher: Lesen sie bitte http://de.wikipedia.org/wiki/Metapher und erklären sie mir, warum Reverse-Engineering eine Metapher für Cryptoanalyse ist, und warum sie an ungeeigneter Stelle diese "Metapher" anwenden, und damit Gefahr laufen, als Unwissender zu gelten.

hm?

wikipedia als referenz?
uni-lehrveranstaltungen als wissensquelle?
wie wollen SIE damit seriös wirken?!

Da ich kein Germanist bin, erachte ich es als legitim, Wikipedia als Quelle für solche Fragen zu verwenden.

AES IST SICHER! AFAIK gibt es keine praktische Attacke die auch nur in die Nähe von Relevanz kommt. Der jüngste luxemburgische Fortschritt, ist der Größte seit 11 Jahren und selbst der ist nichts praktisch Relevantes. Natürlich, in den nächsten Jahren darf man sich schon irgendwann einen Nachfolger überlegen. Nichtsdestotrotz ist AES de fakto sicher!

Sprechen sie doch Klartext! Was haben denn die Chinesen an der Crpytoanalyse von AES Relevantes beigetragen?

So ein Schmarrn. Mich regt so ein Computer-Bild-Wissen wirklich auf! Tor ist nicht dazu gedacht, einen Http oder POP zu verschlüsseln, sondern die Route der IP-Pakete zu verschleiern. Natürlich wird der Datenstrom, wenn er einen Endknoten des Tor-Netzwerks erreicht, entschlüsselt, und dieser kann den Datenstrom mitprotokollieren. Das hindert aber niemanden HTTPS, IMAPS, etc zu verwenden!

Informieren Sie sich, besuchen sie eine Krypto-Lehrveranstaltung, oder fragen sie einfach Menschen, die wissen was der Satz von Euler-Fermat ist...

rofl

hab ich was anderes behauptet?
erst mal lesen, dann denken, dann posten, sie textuell halbstarker ;)

>> mittlerweile gibt es schon "private" tor knoten, die zum mit-sniffen von daten benutzt werden. sobald man so einen knoten als endpoint im netzwerk hat, übergibt man seine kreditkartendaten beim "sicheren" einkauf wieder irgend einer mafia... <<

@Mittlerweile: Jeder kann seit jeher seinen Rechner zum Tor-Endknoten machen; habe ich auch gemacht. Daher ist das "mittlerweile", dass eine jüngere Erneuerung suggeriert, Blödsinn.

@mit-sniffen: Sie suggerieren, damit, das Tor nicht sicher ist, weil Tor-Endknoten den Datenstrom mitsniffen. Ihre Aussage ist belanglos, da Tor gar nicht behauptet, dass es davor schützen würde.

@Beleidigungen: Das Niveau und der Inhalt ihrer Aussagen relativiert ihren Text und macht daher Beleidigungen sinnlos.

hm

sie wollen nicht verstehen:
massgeblich für die aktuelle Security ist, was der User glaubt. Und viele Tor User denken einfach und trivial: Verwende ich Tor, bin ich sicher. IRRTUM. Also genau wie sie sagen. Sie sind allerdings längst auf Konfrontation eingeschossen, daher checken sie nicht, dass wir das selbe meinen...
Kommunikation ist zu 80% fehlerbehaftet, wir beide geben ein prima beispiel ab!

>>massgeblich für die aktuelle Security ist, was der User glaubt. <<

Auf der Basis bin ich nicht Willens weiterzudiskutieren.

Das ist war jetzt aber ein arg arrogantes statement

dann verweigerns halt weiterhin, die realität anzuerkennen.
fakt ist: die vielzahl der user überschätzen die eigene sicherheit.
sie dürfen nicht davon ausgehen, dass die restliche usergemeinde so allwissend ist wie sie :)

"So gebe es bei Banken heute 100-prozentige Videoüberwachung, dennoch "steigen die Banküberfälle und die Aufklärungsrate sinkt seit Jahren." Die Überwachung sei nur eine von mehreren Aspekten geworden, welche ein Bankräuber bei der Planung bedenken müsse."

sagt eigentlich alles... odr?

Noch dazu haben die Bilder, die solche Kameras liefern, oft eine dermaßen miese Qualität, dass man grad noch kennt, dass das ein Mensch und kein Pferd ist, was da gerade die Bank überfällt...

Redefreiheit eingeschränkt?

Hier im Café wird diskutiert, ob man mit der Überwachung nicht die Redefreiheit und das Recht auf freihe Meinungsäußerung einschränkt. Immerhin wäre ja so nicht mehr ratsam, sich über diverse Politker bzw. Persönlichkeiten auszulassen. Denn immerhin würde es ja gespeichert werden, und wenn dann genau etwas passiert, würde man doch wissen das der Karl K. aus Linz damals zu Martin S. aus Eggendorf gesagt hat, man solle dem oder der mal die Meinung geigen.
Zum Glück gibt es ja in solchen Fällen noch das Café, wo man sich in der finstersten Ecke treffen könnte, um mal wirklich Wahres zu reden.
(So hab ich's gerade gehört - wobei ich geb's ja auch preis. ;D)

Der Wappler grüßt das Lamm

Kann man auch die Daten hübscher Frauen ausspionieren und mir geben, dann finde ich schnell eine Nina zum Lieben!

minister mit wenig kompetenz

frage mich ob unsere Minister, die Gesetze unterschreiben und befürworten überhaupt eine gewisse oder sagen wir ausreichende Ahnung von der Materie haben? , oder lediglich es selbst gerade mal so schaffen einen Computer ein und auszuschalten, denn wenn das der Fall ist entscheiden anscheinend andere dahinterstehenden Interessen (siehe Stasi Akten od. ähnl.) darüber wer, was mit diesen Daten anstellen könnte. Beim Gedanken, dass jeder einfachste Polizist Daten an dritte zur Verfügung stellen kann, die davon profitieren. Und wir wissen wie käuflich sogar auch die Polizei sein kann :), Es muss sich nicht einmal um ein Delikt handeln. ECHT SEHR SCHADE dass dies in Österreich möglich gemacht wurde!

Internet-Café ... Telefonhüttl ... 30min nach Bratislava ...

Wer's wirklich auf strafbare Taten anlegt - Terroristen, Kriminelle - müßte völlig verkoffert sein, wenn er der Polizei ihre Pläne via Privathandy mithorchen lassert.

Das Gesetz muß einen anderen Zweck haben. Oder es ist wie so viele Gesetze seit killspeedy Schüssel wieder mal humpti-dumpti hingepfuscht.

Da Österreich seine 0.75 Terroristen der letzten 10 Jahre auch ohne Weglassen der richterlichen Genehmigung einfangen konnte, fragt man sich, wer da eigentlich kontrolliert werden soll ?

Doch nicht etwa das wahlberechtigte Volk ?

na geh,

jetzt hat er alle geheimnisse verraten.

dass die überwachung nix mit terroristen oder geldwäschern zu tun ist wohl klar. wie die ökofaschisten mit dem klimawahn geld verdienen wollen, ist die massnahme super zur überwachung aller bürger geeignet. mein alter spruch: solange mehr leute durch blitzschlag sterben als durch terroristen, ist alles ein fake.

Wie ists in einem Rechtsstaat möglich ,
daß vom Bürger Bezahlte Privatgespräche der Bürger ohne richterliche Genehmigung mit hören ?

antwort:

in einem rechtsstaat ist dies nicht möglich.

damit dass der bürger die überwachung auch zahlt... ;-)

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