Systemkritik ohne Ankerpunkt

15. Jänner 2008, 18:30
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"Einer flog über das Kuckucksnest" im Scala Theater: prinzipiell traurig

 

Die Bühnenreanimation filmischer Meilensteine. - Nach der Logik der Inszenierungsmittel sieht diese Revival-Maßnahme traurig aus. Entschuldigend war Ken Kenseys "Einer flog über das Kuckucksnest" ein Buch- und Theater- (1960er) vor dem Filmerfolg (1975). Im Scala Theater erzählt man wieder die Geschichte von Psycho-Simulant Randle McMurphy, der zwecks Lebensqualität ein Irrenhaus auf den Kopf stellt; hierzulande unter Regisseur Peter Preissler: Im Maschendrahtkäfig (Bühne: Bruno Max) stößt ein kratzkehliger Pitbull-McMurphy samt bizarren Lachanfällen (Helmut Schuster) auf eine Schwester Ratched (Christina Saginth) mit dem zurückhaltenden Auftreten einer Werbemutti.

An diesem prekären Ungleichgewicht wird inmitten von ein paar Platzhalter-Psychotikern (u. a. bemerkbar: Matthias Kofler, Michael Reiter) nicht gerüttelt. Nach zwei Stunden erwacht Häuptling Bromden (Ronald Seboth), gurgelt Systemkritik und treibt ein Stück ohne jeglichen emotionalen Ankerpunkt zum Ende. Es bleibt damit: prinzipiell traurig. (pet/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 1. 2008)

>> Scala Theater, bis 2. 2.

  • Randle McMurphy im Scala Theater unter Platzhalter-Psychotikern.
    foto: bettina frenzel

    Randle McMurphy im Scala Theater unter Platzhalter-Psychotikern.

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